(auf das Beylager Herrn Christians, Fürsten zu Schwarzburg, mit einer Prinzeßinn von Anhalt-Bernburg)

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Johann Christoph Gottsched: (auf das Beylager Herrn Christians, Fürsten zu Schwarzburg, mit einer Prinzeßinn von Anhalt-Bernburg) (1733)

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Auf! schmücke dich mit Lust und Pracht,
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Du glückerfülltes Sondershausen!
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Wenn anderwärts, bey dick gewölkter Nacht,
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Des Trübsals rauhe Stürme brausen.
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Dir stralt ein heitres Freudenlicht,
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Mit täglich neuem Glanz entgegen,
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Und hindert dich, den Flor aufs Angesicht,
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Den trüben Trauerboy auf Brust und Arm zu legen.

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Prinz
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Empfindet Hymens heiße Triebe,
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Entschließet sich zu einer Hochzeitlust,
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Und folgt den Brüdern in der Liebe.
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In Anhalt brennt der Angelstern,
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Der sein entzücktes Auge leitet:
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Von diesem Stral ist Schwarzburg nicht zu fern,
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Da sich sein holder Glanz wohl weiter ausgebreitet.

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So krönt der Eintracht wahrer Preis
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Das Fürstenkleeblatt dreyer Brüder!
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Was sonst ein Land nicht leicht zu rühmen weis,
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Sieht Sondershausen täglich wieder.
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Quält sonst ein ungezähmter Neid
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Die Erben väterlicher Thronen:
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Sieht Schwarzburg doch den Sitz der Einigkeit,
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Wo seines Oberhaupts durchlauchte Brüder wohnen.

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Seht! Amor selber leitet sie
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Nicht in verschiedne Fürstenhäuser:
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Er selber knüpft das Band der Eintracht hie,
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Durch dreyer Fürsten Myrthenreiser.
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Gepriesnes Anhalt! dich allein
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Beglücken solche Prinzeßinnen,
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Die an Verstand und Schönheit ungemein,
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An seltner Tugend reich, der Prinzen Herz gewinnen.

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Wie sonst ein Gärtner Arm und Hand
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Am liebsten nach dem Baume strecket,
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Wo ihm die Frucht, die er so köstlich fand,
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Fast stündlich neue Lust erwecket!
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Wie sich des Winzers Lüsternheit
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Beständig nach den Reben sehnet,
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Zu welchen sonst der Trauben Süßigkeit,
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Seit vielen Jahren schon den Leckermund gewöhnet.

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Sie blicken beyde ganz verliebt,
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Auf ihren Zweig, auf ihre Reben,
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Und wissens schon, was der für Aepfel giebt;
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Was dieser pflegt für Most zu geben.
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Wie bebt ihr Arm! Wie fährt er gleich
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Mit Macht nach den gewohnten Aesten;
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Und fragt man sie: Was lockt, was reizet euch?
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So ist die Antwort da: Hier schmeckt die Frucht am besten.

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So, theurer Fürst, Prinz
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So gieng es dir in deinem Lieben;
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Du sahst das Glück der beyden Brüder an,
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Und bist bey Anhalts Stamm geblieben.
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Ganz recht! So darf dein Freudenfest
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Der werthen Brüder Lust nicht weichen;
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So zeigt das Glück, das Schwarzburg nicht verläßt,
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In dreyer Brüder Wohl ein dreyfach Gnadenzeichen.

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Geneuß, durchlauchtes Fürstenpaar!
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Geneuß des Schicksals süße Blicke:
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Nimm deiner Lust bey frohen Stunden wahr,
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Und stirb dereinst in vollem Glücke.
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Dein Haus und dessen alter Ruhm
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Erneure sich in hundert Erben:
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So bleibt das Land des Segens Eigenthum,
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So wird dein Stamm nicht ehr, als Mond und Sonne sterben.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Christoph Gottsched
(17001766)

* 02.02.1700 in Königsberg, † 12.12.1766 in Leipzig

männlich, geb. Q116207795

deutscher Gelehrter, Sprachforscher und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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