1
Jesus' Väter genossen die Freuden der Auferstehung
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In der Gräber Gefilde, wo sie vor Kurzem noch schliefen.
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Aber Engel umwallten die Erde, zu sehn die Menschen,
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Die der Versöhner dem Schöpfer von Neuem geheiliget hatte.
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Ach, der Zeugen Freude verdrang oft Wehmuth, und eilend
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Tönten sie oft mit dem Purpurflügel, daß ihnen der Erde
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Lüfte wie Staub, den vom Fuß der Bote schüttelt, entwehten.
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Gabriel war noch am Grab, und auf einer der Sonnen von denen,
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Die den Himmel umgeben, Eloa. Dort wartet' Eloa,
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Daß herunterstiege die Herrlichkeit Jesus'. Des Grabes
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Engel schwebt' in die Schöpfung empor, der Auferstehung
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Himmlisches Zeichen zu sehn. Auf einen der Orione
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Hatt' er lang' sein Auge geheftet. Da geußt der Orion
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Farben aus und Strahlen, wie, jetzt geschaffen, er ausgoß.
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Dieser Anblick macht auf einmal den wartenden Seraph
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Glänzender. Schon erhob er sich; Sturm war sein Schweben, und Blitze
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Seine Schwünge. Der Seraph eilt zu den Gräbern und rufet,
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Gleich dem Wetter, vor dem der niedergeschmetterte Wald dampft:
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»kommt zu dem Grabe!« Da eilten die Engel herzu und die Väter.
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Siehe, der lange Triumph umringte das Grab des größten
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Unter den Todten. Gabriel saß in der Mitte des Kreises
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Auf dem Grab, als säß' er auf einer goldenen Wolke,
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Die vollendete Seelen ins Leben der Ewigkeit trüge.
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Aber der Todesengel, der Jesus im Namen Jehovah's
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Seinen nahenden Tod verkündiget hatte, schwebt' itzt
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Langsam hin zum Grab und sank in Gabriel's Arme:
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»nacht, noch ist es rings um mich Nacht, noch bebt mir die Erde!
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Dunkler als alle Finsterniß ist mir der Hügel des Todes!
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Niemals haben noch meiner Unsterblichkeit Kräfte Gerichten,
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Die Jehovah mir gab, erlegen; dem letzten erlag ich
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Und erlieg' ihm! Stärke mich wieder, Du Strahl der Allmacht,
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Der, aus diesem Grabe nun bald zu leuchten, der Rechte
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Gottes enteilt!« Der Unsterbliche sprach's und lehnte mit Staunen
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Sich an den Felsen, in dem des Geopferten Leichnam ruhte.
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Aber die Väter und Seraphim fragten einander und sprachen:
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»wird die Sonne mit ihm erwachen? der sichtbare Frühling
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Dann ein Schatten der Herrlichkeit sein, womit er hervorgeht?
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Oder wird, noch gewandt von der Sonne Schimmer, die Erde
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Schlummern, indem der Todte, der ewig lebet, hervorgeht?
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Wird vor dem Herrlichen Staub sein Grab, und ein Spiel der Luft sein
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Jener hangende Fels, von dem Angesichte der Erde
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Weggewehet, indem sein Haupt der Sieger emporhebt?
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Werden wir seiner Herrlichkeit Glanz zu ertragen vermögen?«
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»ach, kaum fasset mein Herz den Gedanken des süßen Verlangens,«
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Abraham rief's, »den himmelvollen, den Wonnegedanken:
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Ich, ich selber werde das sehn, kein Fremder, ich selber,
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Daß der Geopferte Gottes, ein Ueberwinder des Todes,
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Halleluja! Das werd' ich sehn!« Er rief's, und der Mond ging
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Wieder hervor. Nicht lang', so deckten ihn trübende Wolken.
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Hundert ermüdete Wanderer, Männer und Mütter und Kinder
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Kamen. Sie gingen, geführt von dem Monde, schneller und nun schon
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Wieder langsam und waren jetzt in der Heiligen Kreise.
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Schleuniges Schrecken ergriff sie. Sie wußten nicht, was sie erschreckte;
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Aber sie flohn. Ein rufendes Kind verirrte sich. Eilend
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Trat ein Engel herzu und brachte den bebenden Knaben
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Seiner Mutter. Sie wollte dem lieben treuen Gefährten
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Danken; allein er war in die Nacht hinübergegangen.
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Nahe bei David hatte der Engel gestanden. Er kam jetzt
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Zu dem Geliebten zurück, und David sprach zu dem Engel:
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»also führt, der bald nun erstehn und die Völker der Erde
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Sich versammeln wird, durch das erste Leben die Menschen.
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Ach, wie freuet sich meine Seele des Herrn, und wie werd' ich
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Seiner mich freun, wenn er aus dem Felsen des Schlummers erwacht ist!
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Ihr, vollendete Fromme, doch deren Leiber noch Staub sind,
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Und Ihr Frommen, die nie der Verwesung Schrecken durchbebte,
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Ihr vermögt nicht der Auferstehung unnennbare Freuden
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Ganz uns nachzuempfinden! Wie wird sie Jesus empfinden,
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Er, des Ewigen Sohn, der seiner Sterblichkeit Leiden
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Und des Todes Furchtbarkeit mehr wie die Menschen gefühlt hat!
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Assaph« (er eilt' in des Glücklichen Arm), »des Kreuzes, des Todes
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Göttlicher Dulder, er wird nun bald, mein Bruder, erwachen!«
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Sagt es und blickt mit inniger Wonne nach seines Erlösers
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Grabe. So blickt ein noch sterblicher Frommer sehnlich gen Himmel,
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Würdiget ihn der Eine, der richtet, Deß zu erinnern,
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Jenes ewigströmenden Urquells ewiger Wonne,
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Daß er, gehorsam bis zu dem Tode, die Seinen geliebt hat,
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Bis zu dem Tod am Kreuz! Und Assaph sah den Propheten,
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Ward von Seligkeit trunken, wie er. Die Schimmer im Antlitz
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David's wurden – so freut' er sich – Glanz, die Bewegung, der Athem
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Harmonien. Er schwebt' und erklang; nun beseelt' er die Harfe.
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Wort' erschollen noch nicht; doch ergoß die goldene Harfe
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Jubel. Allein nun ergriff ihn der himmlischen Psalme Begeistrung
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Ganz. Ein Strom ertönte der Saite Gesang und der Stimme:
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»also sieht der Seher der Offenbarung auf Sion
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Einst in dem Himmel ein Lamm mit schimmernden Wunden bedeckt stehn
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Und mit dem schönen Blute des Heils. Dann stehn um den Hügel
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Zahllose feirende Schaaren, sie Alle Versöhnte; die haben
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Hell an ihrer Stirn des Vaters Namen geschrieben.
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Und wie das Meer, wie des Donners Stimme tönen die Harfen
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In der beseelenden Hand der feirenden Schaaren um Sion.
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Denn dem Sohne, sie singen dem Sohn. Denn ewiges Leben
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Strömt von den schimmernden Wunden des Lamms in die Seelen herunter.
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Also starb er. So sahen wir ihn. O Leichnam, Du schlummerst,
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Leichnam des Unerschaffnen! Noch wart Ihr nicht, Engel, da goß er
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Auch dies Licht (wir sahen's wie Dämmrung vordem) auf der Schöpfung
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Urgestalt, die Strahlen, als er der langen Aeonen
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Reihen dachte: Sterbliche sollten entschlummern; er selber;
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Dann erwachen. Erzählt's in den Himmeln allen, Ihr Zeugen
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Seines Todes, verkündet's in jeder Hütte des Friedens!
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Keiner würdige sie, von allen Seligen Keiner!
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Sagt's der Hölle nicht an; doch, wenn Ihr sie würdiget, donnert
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Schreckende Halleluja hinab, daß sie weiter hinüber,
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Weiter vom Himmel ins Unermeßliche fliehe! Der Gottmensch
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Wird erwachen, nun bald hoch über dem Staube des Grabes
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Stehen und Herrlichkeit sein und Herrlichkeit! Halleluja!
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Kommt, kommt eilend zu uns, Ihr seine Zeugen auf Erden!
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Schon sind Hütten der Ruh für Euch geöffnet. Die Palme
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Winket Euch schon. Bald habet Ihr Euer Zeugniß gezeuget,
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Bald geblutet, wie er. Du Blut der Märtyrer, rufe
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Nicht der Rache, der Rache, wie Abel's, rufe der Krone!
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Stephanus und Jakobus, Ihr ersten, die Morgenröthe
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Seines verkündeten Heils, kaum bricht sie hervor, und Ihr siegt schon!
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Stephanus und Jakobus, verlasset denn Kanaan! Joseph
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Kann sich länger nicht halten, nun länger nicht! Halleluja!«
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David sang's und erlag der Entzückung. Das Halleluja
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Konnt' er kaum vollenden. Die lispelnde Harf' entsank ihm.
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Aber in seines Lichtes Gewand – es weht' ihm die Palme
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In der Rechten, ihm wehte sein goldenes Haar – sang Joseph
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Gegen den Bruder, der einst in seinen Umarmungen weinte:
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»o der Entzückungen Ungestüm, der das Herz mir erschüttert,
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Denk' ich an jene Stunde zurück, in der mir der Vater
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Jedes Schicksals, Ihr Brüder, mich Euch zu entdecken erlaubte!
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Süßeste meiner Stunden im ersten Leben, Du wirst mir
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Also wiedergedacht, der Stunden des ewigen Lebens
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Eine! Wie war mir, als ich, vollendete Brüder, Euch zurief:
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Ich bin Joseph! Lebt mein Vater noch? Du, der im Grabe
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Schlummert, Du Bruder erlöster unzählbarer Brüder, Du Erstling
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Unter den Erben des Lichts, o, laß die Hülle des Blutes
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Und des Staubes fallen von Deinem Antlitz und zeige
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Dich in Deiner Herrlichkeit wieder! Zwar niemals verkannten
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Wir in Deiner Niedrigkeit Dich; doch dürften wir, dürften,
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Dich mit Wunden, die strahlen, zu sehn, den Sieger des Todes,
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Jenes nicht nur, der liegt und verwest, des ewigen Todes
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Sieger! Auch Derer, die einst, o Du der ewigen Gnade
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Ewiger Quell, nach Dir, weil sie Dich verkennen, nicht dürsten,
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Derer erbarme Dich auch und gieb ihm Flügel, zu eilen,
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Jenem Tage der letzten Enthüllung der Herrlichkeit Gottes!
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Wardst Du nicht allenthalben versucht, daß Du Mitleid hättest,
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Ueberwinder, versucht, wie der Sterblichen Keiner versucht ward?
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Der geschaffen das Aug' hat, sieht, geschaffen das Ohr, hört;
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Der Dich, Herz, erschuf, ach, sollte sich Der nicht erbarmen?
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Bist Du nicht eingegangen mit Deiner Versöhnung Blute,
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Hoherpriester, ins Allerheiligste? Ist sie nicht ewig,
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Deine Versöhnung, die Du, der Gerechteste, selbst erfandest,
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Selbst vollbrachtest? Wenn sie nun kommt, die Stunde der Wonne,
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Auch den Himmeln verborgen, verborgner der Erde, die Stunde,
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Die zu dem Retter Abraham's Kinder und Isak's und Jakob's,
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Ach, zum Gekreuzigten bringet; wenn nun der Völker Füll' ist
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Eingegangen, nun Israel auch eingehet, und Jesus
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Sich nicht halten mehr kann und laut zu weinen beginnet:
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Ich bin Jesus! ihm dann die Geliebteren weinend am Halse
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Hangen; er Feierkleider der Unschuld Allen austheilt,
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Jedem ein helles Gewand, mit Blute besprengt, und Kronen,
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Ach, den Geliebteren, daß vor ihrer Belohnungen Größe
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Freudig die Thronen erschrecken; wenn er dies Alles vollendet,
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O, wie werden von Sterne zu Stern die himmlischen Boten
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Eilen, verkündigen, was vor ein Licht aus der Tiefe der Weisheit,
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Was vor ein Strahl aus der Nacht des göttlichen Rathes hervorbrach!
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Und wie werden die Aeltesten dann ihr Antlitz am Throne
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Neigen und niederwerfen die Kronen und feiren und danken,
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Danken dem Einen, der ewig ist und der Vater der Tage!
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Siehe, Du hast es vollendet und wirst noch mehr es vollenden,
164
Vater, Erster, Du Einer, der ewig ist! O, dem Namen
165
Deiner Herrlichkeit Preis, von Aeonen Preis in Aeonen!«
166
Mit dem Strom des feirenden Liedes lispelt' und hallte
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Harf' und Posaune. Wie er in seinen Gestaden einherfloß
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(gleich dem sterbenden Widerhalle sang ihm mein Lied nach),
169
Sanfter itzt floß und fliegender jetzt, so schwebte der Harfe
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Lispel auf ihm und der Hall der Posaune, mit Harmonien,
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Welche der Seligen Ohr nur hört. Die Gesänge der Himmel
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Sind nicht Kinder der langsamen, oft entseelten Begeistrung,
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Sind der Urbegeistrung entzückte Söhne, der Wonne
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Erstgeborne. Wir kennen sie nicht. Bisweilen nur hört sie
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Einer, der stirbt und mit ihnen das ewige Leben beginnet.
176
Nur der Prophet des verstummenden Lamms, Jesaia, vernahm sie,
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Von dem geöffneten Grabe noch fern, da die Engel ihr Antlitz
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Deckten und gegen einander flogen und sangen: Heilig,
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Heilig ist, heilig der Herr der Geschaffnen, und alle Lande
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Sind der Herrlichkeit voll des Ewigen! daß erbebten
181
Vor der Rufenden Stimme die Ueberschwellen des Tempels.
182
Voll von dem süßen Erwarten der Auferstehung des Mittlers,
183
Fuhren die Heiligen fort, sich zu sagen, was sie empfanden,
184
Jetzt mit Stimmen, mit Saiten alsdann und dem fei'rlichen Halle,
185
Oft mit beiden. Denn noch war nicht das Schweigen der Freude,
186
Nicht das Verstummen der Wonne gekommen. Der göttliche Todte
187
Schlummerte noch. Hesekiel stieg auf ein Grab an dem Oelberg
188
Aus den Wolken herunter und sang: »Verdorrte Gebeine
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Sah ich um mich und ward des großen Befehles gewürdigt,
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Ihnen zu rufen: Verdorrte Gebeine, höret des Herrn Wort!
191
Als ich rief den Befehl, da rauschte das weite Gefilde.
192
Siehe, da regt' es sich, als ich den großen Befehl um mich ausrief,
193
Und die Gebeine kamen zusammen, jedes Gebein kam
194
Zu dem seinen, und Leben kam mit den fliegenden Winden
195
In die Todten. Nun standen sie all' auf dem weiten Gefilde,
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Sieh, ein unzählbares Heer! Das wurde zu sehn ich gewürdigt.
197
Noch entzückt mich das Bild von dieser Rettung Gesichte.
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Aber wie war mir, als ich auch selbst in das Leben heraufkam,
199
Ich verdorrtes Gebein! O Dank, Dank meinem Erwecker,
200
Dessen Leichnam noch schlummert, und der doch Todte geweckt hat!
201
Er verwest nicht, wie wir. Das war der Wille des Vaters:
202
Sterben sollt' er, am Kreuze sterben; aber verwesen
203
Sollte sein Heiliger nicht. O Ernte, viel größer, als jene,
204
Die ich sah, viel größer, als die, zu welcher wir kommen,
205
Wenn die Schnitter rufen, und wenn die Posaunen erschallen!
207
Als der unzählbaren Aehren unübersehliche Fluthen,
208
Als das ganze Gefilde der Auferstehung voll Garben!
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Nicht die Posaunen erschallen. O Heil, Du
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Himmel Himmel werden sich unter Deinem Schatten
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Einst versammeln, und, siehe, der furchtbare Tod, der letzte
213
Aller Feinde, wird des Schattens allmächtiges Labsal
214
Nicht zu ertragen vermögen, vergehn. Dann wirst Du die Herrschaft
215
Uebergeben dem Vater, daß Gott sei Alles in Allen.
216
Halleluja dem Vater, daß
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Und die Schnitter am Tage der Ernte sahn dem Propheten
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Freudig ins Antlitz. Auch wandte vom Grabe des göttlichen Todten
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Schnell wie ein Wink, nicht länger, dahin, wo Hesekiel feirte,
220
Gabriel sich. Indeß erscholl's gleich Stimmen der Meere:
221
»halleluja, daß Gott, daß Gott sei Alles in Allen!«
222
Amos' Sohn verließ die Versammlung der Heiligen, schwebte
223
Nieder auf Golgatha, stand an dem Kreuze des göttlichen Todten.
224
Auch Du ließest der Frommen Versammlung und schwebtest herunter,
225
Daniel, Gottes Geliebter, und standst an dem Kreuze des Todten.
226
Und sie ergriffen die Psalter und sangen gegen einander:
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J. »Hier, hier trug er unsere Krankheit, unsere Schmerzen
228
Lud er hier auf sich. Die Menschen wähnten, er würde,
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Weil er gesündiget hätte, von Gott geschlagen, gemartert.«
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D. »Ach, um unsertwillen ist
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Wegen unserer Sünden. Auf ihn ward Strafe geworfen,
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Daß wir Frieden hätten. Uns heilen des Duldenden Wunden.«
233
J. »Seinen Mund eröffnet' er nicht, da die Wüther ihn quälten,
234
Da er geführet ward, gleich einem Lamme, zur Schlachtbank.«
235
D. »Aus der Angst und aus dem Gericht ist Jesus genommen.
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Bald wird er in das Leben erwachen. Wer ist auf der Erde,
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Wer in den Himmeln, der die Länge der Ewigkeiten
238
Auszusprechen vermag, die alsdann lebt Jesus, der Todte?«
239
J. »Denn gestorben ist er, indem er die Sünden der Erde
240
Alle trug, er ist, gleich einem Verbrecher, gestorben.«
241
D. »Ach, vollendet ist nun, vollendet sein göttliches Opfer
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Für die Sünden. Ihm werden nun, gleich dem Thaue der Frühe,
243
Seine Kinder geboren, und Ewigkeit ist sein Leben.«
244
J. »Ewigkeit! denn wie hat in unaussprechlicher Arbeit
245
Seine Seele gerungen! Dafür ist Wonne Dein Erbe.«
246
D. »Gottes Knecht, der Gerechte, durch seine himmlische Weisheit
247
Wird er Viel' zu Gerechten und Erben der Herrlichkeit machen;
248
Denn die Sünde, die Sünde der Welt hat er getragen.«
249
J. »Siehe, wer kam von dem Kidron herauf aus des ersten Gerichts Nacht?
250
Wer in der Stärke göttlicher Kraft, die Sünde zu tragen?
251
Wer mit Jammer belastet, mit tiefem Leiden der Seele?«
252
D. »Christus war's, der Gerechtigkeit lehrte, zu helfen ein Starker!«
253
J. »Wessen Wunden troffen auf diesen Hügel des Todes?
254
Himmel der Himmel, o, wessen Blut rann hin auf den ernsten
255
Sühnaltar?« D. »Sein Blut, sein Blut, vor welchem sich Aller
256
Knie einst beuget, vor dem einst Aller Zunge bekennet,
257
Daß er Herrscher sei, zu der Ehre Gottes des Vaters!«
258
J. »Nun, nun ist gewehrt der Uebertretung, die Sünde
259
Zugesiegelt, versöhnt die Missethat! ist geworden
260
Ewiges Heil, Gerechtigkeit, zugesiegelt der Seher
261
Offenbarung, nun ist, Preis sei dem erhabnen Vollender,
262
Preis ihm, er ist gesalbet, auf diesem Hügel des Todes
263
Ist gesalbet der Allerheiligste, Halleluja!«
264
Hingerissen vom Bilde des gottgeopferten Mittlers,
265
Wiederholten, den Lüften gleich, die in Bäumen des Lebens
266
Säuseln, die Heiligen: »Ja, auf diesem Hügel des Todes
267
Ist gesalbet der Allerheiligste, Halleluja!«
268
Aber die Wache des Grabs ging ab. Die kommende Wache
269
Führte der Hauptmann, der Jesus auf Golgatha sterben, den Hügel
270
Unter ihm hatte beben gesehn und stürzen die Felsen.
271
Am versiegelten Stein, dem Bewahrer des Leichnames, blieben
272
Wundernd die Römer stehn, und unter ihnen ihr Hauptmann.
273
Cneus, so hieß sein Name, vertiefte sich bald in die Zweifel
274
Seiner Gedanken. Die Stille der Nacht und des wandelnden Mondes
275
Sanfte Schimmer luden ihn ein, sich weiter und weiter
276
Ins Labyrinth zu verlieren, aus dem kein Leiter ihn führte.
277
Und er lehnete sich an den Felsen. »Ein Göttersohn denn?
278
Aber welches Gottes? Des Gottes der Israeliten?
279
Dieses? O, warum zweifl' ich an unsers Jupiter's Größe,
280
Denk' ich an Den, den Jehovah dies leichtbezwungene Volk nennt,
281
Den es nicht zu kennen verdient? Wie niedrig und sklavisch
282
Ist es, wie klein durch sich selber, wie groß durch Jehovah, der Götter
283
Gott! So nennt er sich selbst und nennt nicht allein sich, er zeiget
284
So sich durch Thaten. Denn, wär' die Geschichte der Wunder Jehovah's
285
Zweifelhaft, so wär' die Erzählung von Jupiter's Thaten
286
Mehr als zweifelhaft! Doch ein Sohn des erhabnen Jehovah,
287
Und doch sterblich? Und, wenn nur ein Mensch, wie könnt' er so groß sein?«
288
Also dacht' er, indem ihn ein Bote, den Portia sandte,
289
Seinem Grübeln entriß. »Mich sendet Portia, Cneus,
290
Dich zu fragen: ob Ruh an dem Grabe gewesen, und ob sich
291
Keiner dem Todten nahe? Sie war erst selber entschlossen,
292
Herzueilen, allein sie entschloß sich anders.« – »Hier herrschet,
293
Sage Portia dies, der Gräber Stille, und Keiner
294
Naht sich dem Todten.« – Er eilete. – »Wart' und sag ihr auch dieses,
295
Sag ihr: er komme wieder ins Leben, er komme nicht wieder,
296
Beides verwirre mich. Geh! – Sie quälet, wie mich, die Entwicklung
297
Dieser verborgnen Geschichte des unterliegenden Frommen.
298
Denn dies war er gewiß! Ein frommer Sterblicher war er,
299
War er kein Sohn des Gottes der Götter! Gottes der Götter?
300
Also verleugn' ich Jupiter? denk' ihn unter Jehovah,
301
Den ich nicht kenne? den ich viel mehr als Jupiter kenne!
302
Denn viel mehr ist Wahrheit in dem, das Jehovah gethan hat,
303
Als in dem, so der Donnerer that! Nur mehr? Ist nicht Alles
304
Wahrheit? O, hätten des liegenden Israel's Ueberwinder
305
Jupiter angebetet, so wäre das Bild des Gottes,
306
Wie das Bild des Dagon in stumme Trümmern zerfallen,
307
Ja, aus der Hand des Schwachen in stumme Trümmern die Donner!
308
Ha! was hab' ich gedacht? was dringet mich, Zeus zu verleugnen?
309
Ihn dem Unbekannten, dem schrecklichen Unbekannten
310
Aufzuopfern? und weß ist die Stimm' in der innersten Seele,
311
Der ich zu widerstehn nicht vermag? Wenn Du, Jupiter, mehr bist
312
Als der Götter Gott, so donnr' in den Abgrund mich nieder!
313
Ach, wo bin ich? O Wuth der furchtbaren Ungewißheit!
314
Nein, nicht Ungewißheit! So hätt' ich Jehovah beleidigt!
315
Bei dem Strome Kocytus, bei dem nur, Jupiter, Du schwörst,
316
Fleh' ich: Donnre mich nieder! O Du, nach dessen Erkenntniß
317
Ich mit dieser entflammten Begier verlange, Jehovah,
318
Offenbare Dich mir! Bin ich's werth? Kann's ein Sterblicher werth sein?
319
Offenbare Dich mir!« Er dacht' es gen Himmel und senkte
320
Dann sein Haupt auf die Brust. »Ach, warum sah ich den Frommen
321
Sein Wunder nicht thun, und warum säumt' ich, zu hören,
322
Was er von Gott und von sich und den Menschen sagte? So kennt' ich
323
Nun die Menschen und ihn und Gott! Die am Meisten ihn hörten,
324
Waren Männer voll Einfalt. Ach, besser, als wären sie Weise,
325
Die so selten sich nicht verirren, und Grübler gewesen!
326
Aber wo such' ich sie? Er ist todt und wird mich nicht lehren;
327
Und sie find' ich nicht! Doch in jenem besseren Leben,
328
Wo er jetzo ist, wird er mich lehren! Im besseren Leben?
329
Ist denn ein künftiges? wird's, wenn es ist, denn besser für mich sein?
330
Da, der so unschuldig war, so ohne Maaß litt,
331
Ach, was wird der Schuldige leiden! Du Unbekannter,
332
O Du Unbekannter, ja, meine Seele verirrt sich
333
In dem Forschen nach Dir! O, könnt' ich Deiner Propheten
334
Offenbarung und Lehren verstehn, aufdecken die Hülle,
335
Welche sie meinem Auge verbirgt! Sogar noch am Kreuze
336
Hätt' ich ihn fragen können. Nun ist er verstummt. Auf ewig?
337
Der nur weiß es, der ihn gesendet hat. Können die Todten
338
Auferstehn? Der heilige Todte dort hat den Seinen
339
Wiederkehr in das Leben verheißen. Das sagen ja selber
340
Seine Verfolger, und darum bewachen wir seinen Leichnam.
341
Kommt er nun nicht zurück, so verwirren mich seine Geschichte,
342
Die mich, weiter erforscht, von Gott mehr hätte gelehret,
343
Seine Wunder, sein Leiden noch mehr. Zu welchem Kummer
344
Ist mein Leben gemacht? und warum schonten die Schlachten
345
Meiner immer, der fallende Pfeil und der zuckende Wurfspieß?
346
Warum hört' ich nicht lange den letzten schmetternden Bogen
347
Tönen? Ha, Brutus, als Du zuletzt an der Tugend Belohnung
348
Zweifeltest, nahmst Du Dein Schwert. Und ich seh' größere Tugend
349
Unbelohnter und säume? Was hält mich? Nicht Furcht vor dem Tode;
350
Denn ihn hab' ich zu oft im blutigen Felde gesehen,
351
Bin bei sinkenden Adlern ihm entgegengegangen.
352
Nein, ihn fürcht' ich nicht. Aber was ist es denn, das mich aufhält?
353
Warum entsetz' ich mich, wenn ich mich nun dem ernsten Entschlusse
354
Völlig nahe? Beleidigt' ich etwa den Unbekannten?
355
Und ist Warnung vielleicht die geheime Gewalt, die mich fesselt?
356
Wenn mein Tod ihn beleidigt, so müsse meinem Entschlusse
357
Immer etwas fehlen zur Reise. Wie aber ergründ' ich,
358
Ob ich dadurch ihn beleidige? Kann die bebende Frage,
359
Ob ich ihn beleidige, Furcht des Todes in mir sein?
360
Furcht, so tief verborgen? Ha, wär's, wie wollt' ich des Lebens
361
Weiche Liebe strafen und Dir zum Opfer sie bringen,
362
Tod!« So verlor sich Cneus auf seinem finsteren Wege
363
Nach der Gottheit, indem noch nicht die Rechte des Helfers
364
Seine Führerin ward, ihn zu der Höhe der Weisheit,
365
Auf den schmalen Weg, durch die enge Pforte zu leiten.
366
Hinter ihr war der schmale Weg, die Pforte zur Höh' war
367
Hinter ihr schon! die schöne Seele bracht' itzt ihr Engel,
368
Chebar, in die erhabne Versammlung der Auferstandnen.
369
Sie empfing Benoni, ein Silberlaut, da er hinglitt
370
Von der leichten Wolke. B. »Du hast ihn nicht sterben gesehen –
371
Dort, dort starb er – allein Du siehst ihn erwachen, Maria!«
372
Ihm antwortet Maria: »Ich hab' ihn nicht sterben gesehen –
373
Ach, dort starb er – allein ich seh' ihn, Benoni, erwachen!«
374
B. »Ueberwunden hast Du durch das Blut des Lammes, Maria!
375
Nimm den Psalter und sei auch eine Sängerin Gottes!«
376
M. »Darf ich wagen, mich unter der Sieger Chöre zu mischen,
377
Welche schon Jahrhunderte Palmen tragen und Kronen?«
378
B. »Sing Du dem Herrn! Ich lehre Dich, was ich lernte. Verwesen
379
Soll der Heilige nicht! O Ernte, viel größer als jene,
380
Die Hesekiel sah, als sie, zu welcher wir kommen,
381
Wenn die Schnitter rufen, und wenn die Posaunen erschallen!
383
Als der unzählbaren Aehren unübersehliche Fluthen,
384
Als voll Garben, voll Garben der Auferstehung Gefilde!
386
Nicht die Posaunen erschallen. O Heil, Du
387
Himmel Himmel werden sich unter Deinem Schatten
388
Einst versammeln, und, siehe, der furchtbare Tod, der letzte
389
Aller Feinde, wird des Schattens allmächtiges Labsal
390
Nicht zu ertragen vermögen, vergehn. Dann wirst Du die Herrschaft
391
Uebergeben dem Vater, daß Gott sei Alles in Allen.
392
Halleluja dem Vater, daß
393
Und die Hörerin hört' entzückt nach der Stimme Benoni's.
394
M. »Ach, Benoni, wie selig bin ich! Mit welcher Erbarmung
395
Hat der gnädige Geber des Lebens und Todes die Stunde
396
Meines Todes gewählt! Den Versöhner erwachen zu sehen,
397
Und in dieser Versammlung! Ihr Heiligen Gottes, Ihr Brüder
398
Christus' und meine Brüder, Ihr nun auf ewig Geliebte,
399
Nehmt mich unter Euch auf! Mich hat der Erbarmer gesendet,
400
Euer Erbarmer und meiner. O Du, der Himmel Gemeine,
401
Du, des Bräutigams Braut, welch großer Lohn ist Dein Erbe!
402
Wie genießen wir Alle vorher nicht empfundene Ruhe,
403
Freude, nicht einmal von fern und dunkel vermuthet, wie trinken
404
Wir die Ströme des Lebens umsonst! Was gabst Du vor Gaben,
405
Seligkeiten zu fühlen, den Seelen, die Du zu dem Erbe
406
Deiner Herrlichkeit riefst, Du unerschöpflicher Geber!
407
Welche Seligkeiten zu diesen Gaben! Ihr Dauren
408
Machtest Du ewig, allmächtiger Geber! Mit Dir, den wir lieben,
409
Ewig zu sein, mit Dir! Wer hält den Wonnegedanken,
410
Die Entzückungen aus, wer dieser Ewigkeit Aussicht?
411
Ich verliere mich, Gott! O Geber, Erfinder, Vollender
412
Alles dieses! Ich war nicht, und nicht der Himmel der Himmel;
413
Da entwarfst Du es, Gott! Wir wurden, leben und steigen
414
All' auf unzählbaren Stufen, auf einer anderen Jeder,
415
Immer auf neuen Stufen der Seligkeit, von der Aeone
416
Zu der Aeon' empor und hören nicht auf, zu steigen;
417
Denn ein unendlicher Geber bist Du, ein unendlicher!« Bebend
418
Schwieg sie und, schon zu stehn auf ihrer jetzigen Stufe,
419
Wonnevoll. Sie entzückte den Kreis der Erben des Lebens,
420
Und sie sangen ihr zu, und Donner wurde das Zittern
421
Ihrer Harfen: »Unendlich ist er, unendlich der Geber,
422
Ist unendlich. Und wir sind endlich. Gefühl der Entzückung,
423
Von dem großen Geber, der Wesen Vater, der Liebe
424
Gnad' um Gnade zu nehmen! Du Durst, der ewig gestillt wird!
425
Ach, eh werden in Nacht die neuen Erden, in Dämmrung
426
Ehe der neue Himmel verlöschen, eh Deiner Erbarmung
427
Unversiegender ewiger Strom die Durstenden leer läßt!
428
Sieh, an dem Fuße des Throns entspringet sein Quell, ein Weltmeer,
429
Rauschet und fällt in Gefilden der Nacht, in Gefilden des Tages,
430
Fällt von Erde zu Erd' herab, zu Sonne von Sonne,
431
Durch die Himmel alle. Der durch sich Selige höret
432
Seines Rauschens Getön', ihn hören des Lebens Söhne
433
In den Welten umher, und sie kommen und schöpfen Entzückung.
434
Ach, erlöstes Geschlecht, Ihr des Todten Brüder und unsre,
435
Säumet nicht, kommt zu dem Strome des Heils! Das wankende Straucheln
436
Eures Fußes leitet ein Starker, ein Helfer voll Hilfe,
437
Welcher, obwol sein Herz schon brach, mit mächtigem Rufen
438
Rief: Es ist vollendet! Wie nach viel Schweißen ein Müder
439
In der Abenddämmerung schläft, so schläft nur der Starke
440
Jetzt im Grabe. Der Löw' aus Juda schlummert im Schatten.
441
Weniger trunken, o Hölle, vom Taumelkelche der Rache,
442
Würdest Du verstummen, damit der schlafende Starke
443
Aus dem Schlummer sich nicht und aus dem Schatten erhübe.
444
Aber er wird sich erheben, und eh er in seiner Erhöhung
445
Bis zu der Rechte des Vaters, der höchsten Herrlichkeit, fortsteigt,
447
Oder – vernimm's, Du Ueberwundne – des Lammes in Zorne!
448
Deine Wüste wird öder, und Deine Tiefen versinken
449
Tiefer dann vor dem schreckenden Schritt des Lammes in Zorne!«
450
Mit den Worten verließ der Todesengel Obaddon
451
Jesus' Grab und der Heiligen Kreis. So war ihm geboten:
452
Wenn die Versammlung der Frommen der Hölle nahes Gericht droht,
453
Eile Du dann zu Satan und Adramelech im Meere!
454
Und er hüllte sich ein in Nacht und stand am Gestade,
455
Rufte die Ewigtodten herauf. Mit thürmender Woge
456
Kamen sie, traten vor ihn. Der Todesengel enthüllte
457
Sich aus der Nacht. An des Furchtbaren Stirn nur säumte noch Dunkel
458
Einer Donnerwolke, die sich von ihm weg am Meer hin
459
Langsam zog. Da rufte die niedergeschmetterten Kräfte
460
Satan in sich zusammen und sprach zu dem Engel des Todes:
461
»glücklicher, fast allmächtiger Sklav, was bringst Du vor Botschaft?«
462
O. »Auf Dein Schmähn antwortet' ich Dir Aeonen nicht: werd' ich
463
Heut Dir darauf antworten? Vernehmt Befehle! Der Todte,
464
Welcher aufersteht, er gebeut: Entweder entfliehet
465
Gleich in den Abgrund oder begleitet mich jetzt zu dem Hügel,
466
Wo er gekreuziget ward! Er steht bei dem Hügel vom Tod auf.
467
Diesen Flammenschwung, den ich schwinge mein Schwert, und nicht länger
468
Sollt Ihr ihn sehn. Dann stürzet Ihr hin auf die Stirn! Ergrimmet,
469
Sünder, nicht also! Daß
471
Und Ihr betet nicht an. Das könnt Ihr nicht! Wenn Ihr mir folget,
472
Bleibt Ihr noch hier, und folget Ihr nicht, so entflieht Ihr zur Hölle!
473
Zischender Spott und brüllendes Hohngelächter erwarten
474
Euch in der Hölle. Denn Schaaren der Eurigen sahn's, wie Ihr flohet,
475
Als Euch Flucht Eloa gebot. Wählt jetzo, Empörer!«
476
Satan blickte mit Grimm auf ihn her; doch blieb er entfernt stehn.
477
Denn dem furchtbaren Schwert des Todesengels entströmten
478
Flammen, wiewol es ruhte. Der Hasser Gottes und Satan's
479
Reißt vom Gestad ein Felsenstück, zermalmt's an der Stirne,
480
Stampft auf die fallende Trümmer und will den Ewigen lästern;
481
Aber er schweigt. »Wählt!« rufte der Todesengel und hüllte
482
Seines Schwertes drohenden Strahl in Wolken, die dampften.
483
Aber sie zweifelten noch. Jetzt nahete sich Abbadona,
484
Blickt', indem er vorüberging, Adramelech und Satan,
485
Ohn' ihr Wüthen zu fürchten, und ohne rächenden Stolz an.
486
Denn er war nicht ihr Richter. Doch trat er zum himmlischen Seraph
487
Näher, als sie vor ihm standen, und sprach: »Ein Bote der Rache
488
Bist Du; aber Du kennest auch, Engel Gottes, das Mitleid.
489
Darf ich nicht auch, da die beiden Empörer dürfen, den Gottmensch
490
Sehn, wenn er aufersteht? Wie könnt' ich wagen, zu wähnen,
491
Daß ich vermög' ihn anzubeten? Willkommen, willkommen,
492
Ungesehene Hand, die mit ihnen auch mich in den Staub stürzt,
493
Hand des Allmächtigen! Ach! daß ich ihn nur seh', wenn er aufsteht
494
Aus dem Grabe, der Sündeversöhner, der Ueberwinder!«
495
Satan hört' ihn und rief ihm entflammt mit stammelndem Grimm zu:
496
»sklav, nicht Gottes, der Höll'! Elendester unter den Sklaven!«
497
Doch schon unterbrach ihn der schreckende Todesengel:
498
»satan, verstumme vor mir! – Ich habe keine Befehle,
499
Abdiel Abbadona, für Dich. Ich weiß nicht, wie lange
500
Dir auf der Erde zu bleiben, und ob den göttlichen Todten,
501
Wenn er erwacht, Dir zu sehn vergönnt sei. Ich kann Dir nur sagen,
502
Daß der Hügel von Schaaren der auferstandnen Gerechten
503
Und von Schaaren der Engel umgeben ist. Diese Verworfnen
504
Sehen ihn, wenn sie dies wählen, damit des Erwachten Triumphe
505
Sie zu strafen beginnen für jenen Entschluß, den Gefallnen
506
Ihren Erlöser zu nehmen. Du hattest an dem Entschlusse,
507
Abbadona, kein Theil; doch ihn mit meiner Entzückung,
508
Mit der Wonne zu sehn der auferstandnen Erlösten,
509
Abdiel, könntest Du Dich mit diesem Wunsche wohl täuschen?«
510
Feurig, mit Ungestüm, sprach Abdiel: »Nicht mit Entzückung,
511
Ach, mit Wonne nicht; allein nur sehen, nur sehen!«
512
»ha, Du Niedrigster!« rufet' ihm Adramelech entgegen,
513
»ja, Du warst es. Du nanntest Eloa's Namen der Hölle!
514
Engel des Todes, ich geh' zu der Hölle! Wehe dem Stolzen,
515
Der mein spottet; den sollen geschleuderte Felsen begraben!
516
Warum folgst Du mir nicht, Verworfenster unter den Engeln?
517
Doch kein Engel nicht mehr, nur eine Seele! Du fürchtest
518
Und Du täuschest Dich nicht, daß ich an die untersten Stufen
519
Meiner Throne mit diamantenen Ketten Dich fess'le
520
Und, indem ich, in große Gedanken vertieft, auf den Höhen
521
Meiner Throne nun sitze, auf Deinem Nacken den Fuß mir
522
Ausruhn lasse! Doch werde zuvor bei den Schädeln ein Opfer
523
Deiner Kriechsucht!« Schauernd, mit zürnender Traurigkeit schüttelt
524
Abbadona sein Haupt: »Nicht Deine flammenden Worte
525
Schrecken, Wüthender, mich! Der erstandne Gerechte, der Cherub
526
Schrecken mich, und Jehovah, mein Feind!« Er wandte sein Antlitz.
527
Adramelech verließ sie. »Ich folge Dir!« stammelte Satan
528
Wüthend zum Todesengel. Die Stirne voll Donnernarben
529
Wurd' ihm dunkler, indem er folgte. Sie schwebeten. Zweifelnd
530
Stand noch Abdiel. Jetzt wandt' ungestüm Adramelech
531
Wieder sich um. Er wälzt' in dem rasenden Felsenherzen
532
Eine Lästerung, schwarz wie die Nacht der untersten Hölle.
533
Und entschlossen, herauszuströmen das Ungeheuer
534
In der Versammlung der Heiligen, schrie er: »Ich folge Dir, Engel!«
535
»wende Dich!« rief mit des Donners Ruf der Verderber, »die Schöpfung
536
Sollst Du nicht sehn! Dein Auge wird Blindheit schlagen! Dich führen –
537
Beb' ihm nach – ein Geheul!« Schon starrte das Aug' ihm in Nacht hin,
538
Und schon rauscht' es um ihn und heulet' im führenden Sturme.
539
Jammernd Geheul – er folgt, das muß er – itzt fernersterbend,
540
Jetzo erschütternd nah, war in dem geflügelten Sturme.
541
Schnelles, unwiderstehliches, unnennbares Entsetzen
542
Fasset' ihn, wenn das Geheul wie Gerichtsposaunen ihm zurief:
543
»wehe Dir! Wehe, weh Dir!« und dann es ihm dauchte, Gebirge
544
Nahender Sterne wankten davon und schmetterten krachend
545
Nieder auf ihn und wälzten ihn fort in dampfenden Trümmern.
546
Jetzo hörten die Väter und Seraphim fern in den Himmeln
547
Aus den Sonnenwegen herab ein Wetter Jehovah's
548
Kommen. Die Harmonien der wandelnden Welten verstummten,
549
Wenn der Donner, ein neues Erstaunen ihrer Bewohner,
550
Redete. Denn schon war zu dem tiefen Tabor des Vaters
551
Herrlichkeit niedergestiegen – sie hatten ihn wandeln gesehen –
552
Schon aus seinen Schranken ein Stern geeilt zu der Sonne;
553
Still war schon gestanden die ganze Schöpfung. Die Väter
554
Hörten das Wetter fliegen und huben freudig ihr Haupt auf,
555
Hörten hinauf in die Himmel der Himmel. Es nahte sich eilend,
556
Schnell, wie Gedanken. Sie hörten es nun in der Ruhstatt Gottes
557
Schweben und, als von Gebirg zu Gebirge, wieder von Sternen
558
Hallen zu Sternen. Es nahte der Erde. Mit glühender Stirne,
559
Schimmerndem Aug', entzückt von jeder Wonne des Himmels,
560
Eine Flamme des Herrn – den Sonnen gleich, da sie Gottes
561
Schaffender Hand entzitterten, über Erden zu herrschen –
562
Strahlt' Eloa hinab in der Auferstandnen Versammlung,
563
Rufte: »Die Stund' ist gekommen, der Herrlichkeit Stund' ist gekommen!
564
Mit der Morgendämmerung wird der Versöhner der Sünde
565
Seinen Leichnam erwecken! Ihr hört den Göttlichen wandeln!«
566
Und er schwebet' hinab zu dem Grabe. Das mächtige Wetter,
567
In den Himmeln ein Zeuge des Ewiglebenden, mildert
568
Jetzo seine Gewalt, daß die Erde vor ihm nicht entfliehe.
569
Seine Donner hielt es zurück; Sturmwinde nur rauschten,
570
Daß vor ihnen vom Libanon an sich die Wälder Judäa's
571
Gegen das Grabmal beugten. Die Erde ward nur erschüttert,
572
Daß von des Seir Gebirg der Phasga, der Arn und der Hermon
573
Bis zu den obersten Wipfeln und Wolken des Libanon bebten,
574
Daß von des Seir Gebirg Aegyptus' Wasser, das Weltmeer
575
Und der Karmel und wieder des Libanon Höhen erschraken
576
Und der wankendströmende Jordan hinauf bis zur Quelle
577
Und Amana. Allein noch bebte das Grab nicht. Der Fels lag
578
Unbewegt, wie er hingewälzt vor das offene Grab war.
579
Gabriel sah mit Entzückung hinab auf den liegenden Felsen;
580
Denn: »Du wälzest ihn weg!« war ihm von dem Todten verheißen.
581
Aber die Himmlischen, sie, die lauter die Ström' und das Weltmeer
582
Rauschen hörten, die Wälder erschallen, lauter die Berge
583
Beben, als sie ein menschliches Ohr zu hören vermochte,
584
Freudig sanken aufs Antlitz die Cherubim und die Erstandnen
585
Vor der gegenwärtigen Gottheit des Sündeversöhners.
586
Adam betete laut, wie im Jubelgesang. So erschallen
587
Mit der wandelnden Welten Getön die Posaunen der Engel,
588
Wenn sie die großen Thaten des Allerheiligsten feiren,
589
Wie des Seligen Stimme, vereint mit den wehenden Lüften
590
Und mit den rauschenden Palmen, den Widerhallen der Berge
591
Und – sie stürzten und flohn – mit den Strömen erscholl. »Unerschaffner;
592
Dann ein weinendes Kind, ein weiser Knabe, die Wonne
593
Gottes und Derer, die sündigten; dann ein himmlischer Lehrer,
594
Der, wie die Mutter des Sohns, sich des Menschen durch Wahrheit erbarmte;
595
Dann ein Hoherpriester, der selbst sich opfert' und einging
596
In das Allerheiligste, Fluch und Sünde für Sünder
597
Ach, ein Gekreuzigter und ein Todter, wie können wir würdig,
598
Gott, Du Liebe, Dich preisen für das, so Du thatest und thun wirst!
599
O Du fühlbar Naher, nun wirst Du es thun und erwachen!
600
Siehe, des Todes Schmach, die Schmach des Kreuzes, sie lieget
601
Dann Dir unter dem Fuß! Allgegenwärtiger Mittler,
602
Aber uns offenbarter Allgegenwärtiger, Heil uns,
603
Daß wir Dich erwachen zu sehn gewürdiget werden!
604
Ach, wir haben Dich sterben gesehn! Erwachen, erwachen
605
Wird der große Todte nun bald, der Schlummernde Gottes!
606
Wie Du kamest, als Du aus der Nacht die Sonnen hervorriefst,
607
Also kommst Du, mit tausendmal tausend Leben umströmet,
608
Und vor Dir beseelender Sturm her! Himmlisches Säuseln
609
Wird von dem Sturme nun bald sich sondern und Deinen Leichnam
610
Wecken, Du Ewiglebender! Seht Ihr die äußersten Schimmer
611
Seiner Herrlichkeit, die neben Sternen herabstrahlt,
612
Und die röthlichen Morgen vor ihm, die mildern die Strahlen
613
Seiner Gottheit? O, daß vor ihm die Geschaffenen alle
614
Beugen ihr Knie, vor ihm, vor ihm der Begnadigten Kronen
615
Alle sinken! Er kommt, das Gefängniß gefangen zu führen,
616
Gaben der Ewigkeit Denen zu geben, die er versöhnt hat.
617
Säusle, beseelende Kraft, Hauch Gottes, und wecke den Leichnam,
618
Dessen Wunden zur Rechte des Vaters mehr wie die Sonnen,
619
Mehr wie der Erstgeborne des Lichts, der Himmel der Gottheit
620
Strahlen werden! Und Du, verstummende Wonne, o, lege
621
Deine Hand auf den Mund und wart' anbetend der Stunde,
622
Die er aufersteht! O Ihr, noch Söhne des Staubes,
623
Meine Kinder, vor Allen Ihr Wenigen, die er gewählt hat,
624
Seiner Auferstehung in allen Landen der Gräber
625
Zeugen zu sein, Ihr, deren Blick noch Thränen der Wehmuth
626
Trüben, die Ihr den unterliegenden Todten nur kennet,
627
Seine Herrlichkeit nicht, noch die, mit der er belohnet:
628
Mit dem ganzen, dem göttlichen, unaussprechlichen Segen
629
Seiner Auferstehung, mit dieser Fülle der Fülle,
630
Aller dieser Ueberschwänglichkeit segn' ich, o Kinder,
631
Euch zu dem ewigen Leben! Gesegnet sei Euer Leiden,
632
Jeder Kampf der Streitenden, jeder Sieg der Gestärkten,
633
Euer Schweiß in der Arbeit des Heiligen, der Euch die Kraft giebt,
634
Jeder Tropfen der Angst, der Thränen oder des Blutes,
635
So wie, der sie zählt, es beschleußt, gesegnet die Weisheit
636
Eurer Rede, die Heiligkeit Eures Wandels – im Himmel
637
Sei er! – gesegnet die Wunder, womit des Vaters und Sohnes
638
Geist Euch rüstet! Ihr sollt die kleineren Segen nicht haben,
639
Welche vergehn; allein in dem Namen Jesus' Christus'
640
Heißt aufstehn und wandeln die Sterbenden und die Todten!
641
Seid, wenn dereinst Ihr selbst entschlafet, o, dann vor Allen
642
Unaussprechlich gesegnet! Euch werd' an dem Ende der Laufbahn,
643
Nach der Geburt in das ewige Leben, der Siegenden Krone
644
Und der Aeltesten Thron, die Geschlechte der Menschen zu richten!«
645
Sie, die neben ihm strahlender ward, indem sie ihr Auge
646
Nach der Herrlichkeit wendete, die in den Himmeln herabkam,
647
Und den Segen vernahm, den der Auferstehende segne,
648
Eva streckte die Hand auch gegen des Göttlichen Grab aus:
649
»fleuß, fleuß, ewiger Quell, zerreiß den Felsen und ströme,
650
Siehe, Du ruhst noch in Nacht, brich durch den Felsen und ströme,
651
Ewiger Quell des ewigen Lebens, und labe die Seelen
652
Aller Durstenden, Aller, die, gleich dem brennenden Rehe,
653
Schreien nach Dir! O Strom, der in die bessere Welt strömt,
654
Nimm in Deiner Gestade beseelenden Hauch, in die Kühle
655
Deiner Schatten den Waller nach Kanaan auf, daß ihm Labsal
656
Werd' und Stärkung zur weiteren Pilgerschaft, daß die Hoffnung
657
Seiner eigenen Auferstehung den Wankenden letze!
658
Hoffnung, himmlisches Licht in des Sterbenden brechendem Auge,
659
Ja, Du Hoffnung, auch zu erwachen, mit Christus zu leben,
660
Geuß Du Deine Freuden auf Die, die in Christus entschlafen,
661
Gnadevoll aus, damit sie nicht schrecke das Graun der Verwesung!
662
Selige Stunde, welche nun bald, zu entzücken, hervorbricht,
663
Eine nicht zählbare Zahl unsterblicher Leben, ach, Aller,
664
Welche jenseit der Gräber die Kinder Adam's einst leben,
665
Liegen, o Stunde seines Erwachens, in Dir verborgen!
666
Welche Leben, und welche Besitzer nicht endlicher Leben!
667
Meine Kinder seid Ihr! Zerreiß den Felsen und ströme,
668
Ewiger Quell der ewigen Leben! Zu großen Wassern
669
Wirst Du werden, o Quell, zu Gottes Ocean, ströme!«
670
Also betete sie. Der Engel am Grabe des Todten
671
Stieg in die Wolken hinauf, der Herrlichkeit Christus' entgegen.
672
Wie es den Tausendmaltausend der Todten Gottes einst sein wird,
673
Hat das große Weh von dem Falle bis an den Gerichtstag
674
Ausgeklagt, und steigt nicht mit jedem Tropfen der Zeit mehr,
675
Der in das Meer hinträuft der Vergänglichkeit, eines Gebornen
676
Weinen gen Himmel empor, noch eines Sterbenden Röcheln
677
Unter die Preisgesänge der Unentweihten vom Tode;
678
Wie es ihnen wird sein, wenn mit des letzten der Tage
679
Morgendämmerung nun das lange Wehe des Weinens
680
Und des Röchelns auf ewig verstummt – sie werden vor Wonne
681
Freudig erschrecken, aus ihrem erhobenen dankenden Auge
682
Thränen der Seligkeit stürzen, und ihrer Jubel Triumphlied
683
Wird mit jener Posaune, der Todtenweckerin, streiten,
684
Streiten und überwinden – wie dann es wird der Gerechten
685
Tausendmaltausenden sein, so war es der kleineren Schaar jetzt,
686
Die an dem Grabe des Herrn vor Hoffen und vor Erwarten
687
Dessen, das kommen sollte, verschmachtet war, da die Wolken
688
Rissen, da Gabriel dort, eine Flamme Gottes, herabfuhr,
689
Da er von Bethlehem über die Schädelstätte zum Grabe
690
Flog, da von Ephrata's Hütte bis hin zu dem Kreuze, vom Kreuze
691
Bis hinunter ins Grab die Erde bebte, da Satan
692
Wie ein Gebirge dahin, des Leichnames Hüter wie Hügel
693
Stürzten, da weg von dem Grabe den Fels der Unsterbliche wälzte,
694
Da sich mit Freuden Gottes Jehovah freute, da Jesus Auferstand!
695
Auszusprechen, was jetzo geschah, mit dem Liede von fern nur
696
Dieser Höhe zu nahn, davon wie der leisere Nachhall
697
Nur zu stammeln, von jener Wonne, Erstandner, von Deiner
698
Und von Deren Freude, die jetzt Dich sahen: zu kühn ist
699
Dieser feurige Wunsch und – indem ich vergebens gen Himmel
700
Strebe mit ihm, vergebens – ein mächtiger Ueberzeuger,
701
Daß ich am Grabe noch walle, noch nicht der Ernte gesät bin,
702
Welche die große Folge der Auferstehung des Herrn ist.
703
Stille war erst am verlassenen Grabe. Nicht lange, so wurde
704
Deiner Begnadeten Kreis vor Seligkeit heller und jauchzte,
705
Wie die Morgensterne, die Erstgebornen der Schöpfung.
706
Denn sie sahen den Sohn nach seinen Todeskämpfen
707
Auferstanden; nicht mehr, wie am Kreuze, mit sinkendem Haupte;
708
Herrlich schwebtest Du über dem Felsen des offenen Grabes,
709
Göttlich, unaussprechlich umstrahlt mit Siege, mit Siege,
710
Halleluja, mit Siege, des ewigen Todes Triumphe,
711
Du, der mächtig ist, Du, deß Namen heilig ist, dem sich
712
Aller Knie' einst beugen, im Himmel Aller, auf Erden
713
Aller und unter der Erde, den Ephrata Bethlem geboren,
714
Den Gethsemane, den die Schädelstätte getödtet,
715
Den uns wiedergegeben das Grab hat! Neige Dich, Tiefe,
716
Vor dem Sieger, und hebe vor ihm, o Höhe, die Händ' auf!
717
Hebt, Erzengel, die Harfen vor ihm, Ihr ersten der Thronen,
718
In die Himmel der Himmel empor, und, Stimmen des Menschen,
719
Meine schwache mit Euch, seufzt Ihr aus dem Staube die Freude,
720
Daß er lebet, empor! An des Ewiglebenden Throne
721
Werdet Ihr einst, die jetzt die beklommne Freude nur seufzen,
722
Unaussprechliche Wonne dem großen Begnadiger singen,
723
Ihm, der als Brüder Euch, die Engel als Brüder nicht aufnahm,
724
Ihm, dem Fleisch und Gebein von Adam's Fleisch und Gebeine.
725
»du, der mächtig ist,« riefen mit lauterem Jubel die Seelen,
726
Als die Engel, »o Du, deß Namen heilig ist, dem sich
727
Unsere Kniee beugen, dem unser geheimstes Gefühl sich
728
In die Tiefe der Tiefen wirft, den Namen nicht nennen,
729
Auch Dein heiliger nicht und hocherhabner vor allen,
730
Du Beginner und o Du Vollender, getödtet vom Anfang
731
Und für ewig, für ewig erwacht und vom Anbeginne!
732
Doch Dein Schlummer selber war kurz, nachdem Du nun wirklich
733
In der neunten, der dunkelsten Todesstunde (sie war sonst
734
Keine Stunde der Nacht entschlafen warst, zu erwachen
735
Schnell, wie Du schufst, da, gerufen von Deiner Stimme, die Sonnen
736
Rollten, um sie die gehorchenden Erden, Du göttlicher Erster,
737
Und Du gnädiger, gnädiger Letzter, der Alles verneuet,
738
Alles himmlischer macht! Auch wir sind Letzte. Wir leben,
739
Sind unsterblich durch Dich und bleiben in jeder Aeone,
740
Durch der Ewigkeit ganze Fülle, so lange Du Gott bist,
741
Gott, bei Dir!« Sie verstummten. Denn seines göttlichen Anblicks
742
Würdigte sie der Auferstandne. Von dieser Entzückung
743
Seligkeit niedergestürzt, verstummten sie Alle. So rauschen
744
Dann die Gefilde der Ernte nicht mehr und senken sich erdwärts,
745
Hat sein Wetter auf sie ein ganzer Himmel ergossen.
746
Wenige Halme nur heben sich mit zitternder Aehre
747
Dennoch auf. So schwungen sich jetzt in der Heiligen Kreise
748
Neben der Mutter die sieben Söhne, Märtyrer alle,
749
Bebend empor und verstummten nicht mehr und feirten und sangen:
750
»mache Dich auf und jauchze! Du wurdest, Erde, gewürdigt,
751
Jesus' Christus' Gebein in Deine geöffneten Tiefen
752
Als in Mutterarme zu fassen! Nun ist er erstanden
753
Hoch von dem zitternden Staube, der Erstgeborne der Todten.
754
Alle Himmel sahen ihn kommen. Vom Fuße des Siegers
755
Ging Erdbeben, vom Golgatha bis zu dem hohen Moria.
756
Mit den Bergen erbebte das Kreuz und die Zinne des Tempels.
757
Mach in Deiner Schöne Dich auf, o Erde! Dein Licht kommt,
758
Und die Herrlichkeit Christus', Du Jüngstgeborne der Schöpfung,
759
Gehet über Dir auf! Sie werden Dich Königin nennen
760
Und die Gesegnete Deß, der Dich schuf. Du warest so schön nicht,
761
Nicht so bemerkt, so nicht durch alle Himmel besungen,
762
Als nach Deiner Geburt Du am ersten Morgen heraufstiegst.
763
Deiner Söhne sind viel', sehr viel' Gerechte. Du wirst sie,
764
Mutter unsterblicher Kinder, in alle Himmel versenden,
765
Daß sie im Feierkleide der Unschuld dem Sieger, mit neuen
766
Festlichen Namen genannt, Dem, der sie errettete, singen.
767
Jauchzet, Hügel der Todten, vor allen Hügeln der Erde!
768
Freuet Euch, Gräber, vor Gottes Gebirgen! Die Schlummernden liegen
769
Unter Euch, daß sie erwachen. Du hebst dann, Erde, den letzten
770
Aller Tage Dich aus dem Staube des Weltgerichts auf,
771
Durch des Sohns Allmacht, den Deine Tiefen bedeckten,
772
Deine nun offenen Tiefen, zur neuen Erde geschaffen.
773
Dann wird die Sonne nicht Herrscherin mehr, noch der Mond Dein Gefährt' sein;
774
Dir, die Gerechte bewohnen, wird Gottes Herrlichkeit leuchten,
776
Also sangen die früheren Märtyrer, welche schon Palmen
777
Trugen, da Stephanus Den, wie in dunkler Ferne, kaum kannte,
778
Dessen Triumph er mit seinem Blut, der Märtyrer Erstling
779
Unter den Christen, zu zeugen erwählt war. Aber wie nahe
780
Warest Du gleichwol, o Stephanus, Deiner Palme! wie kurz war,
781
Ueberwinder, Dein Lauf, von Deinem Beruf zu dem Himmel,
782
Bis in den Himmel! Ihn sahest Du offen und Jesus zur Rechte
783
Gottes. Da rann vom schmetternden Steine Dein Blut, da entschliefst Du.
784
Aber Jedidoth, der jüngst der Märtyrer, und Benoni,
785
Und Maria entrissen sich jetzt dem Erstaunen der Freude,
786
Faßten bei ihren Palmen einander, schwebten hinunter
787
Aus den Wolken ans Grab und knieten leis' an den Fels hin,
788
Welcher, ach, nun nicht mehr das Grabmal deckte. Sie blickten
789
Nach dem Erstandnen hinauf, mit einer Liebe, dem Herzen
790
Und der Zunge des Menschen zu hoch und unaussprechlich. –
791
»wenn ich in jenem ersten Leben noch lebte,« Maria
792
Sprach's zu den Mitgenossen des besten Theiles, »und wenn auch
793
Meine Jahre noch blühten die frühere Blüthe, so wär' mir
794
Jeder Augenblick doch selbst dieser innigen Liebe,
795
Dieser Begnadigung Tod. Ach, siehst Du, Benoni, Jedidoth,
796
Siehst Du den Herrlichen? seine so sanft gemilderten Schimmer?
797
Uns, den zarten Blumen im himmlischen Saron, gemildert,
798
Und für jene Ceder zwar auch gemildert; denn endlich
799
Schuf er Eloa; doch ist er gewiß ein Anderer diesem
800
Großen Erwählten.« – »Ein Anderer,« rief Eloa, indem er
801
Freudig kam, hinsank bei den Glücklichen, »Jedem ein Andrer!
802
So vollkommen ist er. Euch, Hiob, Daniel, Moses,
803
Abraham, Dir, Du erster der Todesengel, Dir, Salem,
804
Dir, Maria, und mir und Euch, Benoni, Jedidoth,
805
Jedem der Eine, den wir vor Allen am Innigsten lieben,
806
Jedem, nach seinem Verlangen, ein unerschöpflicher Geber,
807
Jedem der Beste, der Beste, der Liebenswürdigste Jedem
808
Und (auch dieser erhabne nie ganz durchschaute Gedanke
809
Trag' auf seinem Flug Euch empor) des ewigen Vaters
810
Eingeborner, geliebter, die Ewigkeiten geliebter,
811
Ewigliebender Sohn! Hier, hier verlieren sich alle
812
Unsre Gedanken und schwindeln an ihrer Endlichkeit Grenze.« –
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»hoher Engel Gottes, Du Frühgeborner der Schöpfung,
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Meine verlieren sich gern in dieser Entzückung, wie weit auch
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Ich von Deiner Endlichkeit Schranken (mir sind sie nicht Schranken)
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An den meinen schwindle.« So sprachen die Seel' und der Engel.
817
Und stets kamen der Seligen mehr zu dem Felsen herunter.
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Nah umgaben sie Dich, Du, ihr Erlöser und Bruder,
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Freuten sich anderer Freuden, als diese Welt hat, und als sie
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Der zu wünschen vermag, der hier in den Nächten noch wandelt.
821
Abraham faltete hoch die Hände gen Himmel und rufte:
822
»sohn Jehova's und (singt mir es nach, Ihr feirenden Harfen
823
Meiner Kinder um mich, mit Wonnelauten) und meiner!
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Sohn, wie begann der Vater der Wesen Dir zu belohnen
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Deine That! Du kamest aus Deinen Himmeln herunter,
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Stiegest von Deinem Thron und starbst. In den Welten allen
827
Ist seit ihrer Erschaffung und wird die Aeonen der Zukunft
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Keine That, wie Deine, geschehen. Wir sehn des Versöhners
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Gottesthat, wie vom Schimmer der Sonnenweg' umringt; sie
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(freut Euch der Freuden des Seraphs, Ihr Mitanbeter, ach, seiner
831
Jubel), sie sieht, wie umstrahlt von dem Glanze des Himmels, Eloa!«
832
Endlich erhub aus seiner Entzückungen Meere sich Adam,
833
Aus den Strömen des Lichts, in denen er sank. Die Gedanken
834
Waren ihm zu tausenden schon durch die Seele geflogen,
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Schnell wie die Schwünge des Blitzes, indem er dem Auge vorauseilt;
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Und er schwebt zu dem Todeshügel herab von den Wolken,
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Steht bei dem Kreuz und strecket den Arm nach Jesus, des Todes
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Sieger, aus: »Ich schwöre bei Dir, der ewig lebet,
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Daß nun Tod nicht länger der Tod ist, und daß an dem Tage
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Deiner großen Vollendung sie All' erwachen, die schlafen!«
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Jesus' Christus' Erhöhung begann mit seinem Erwachen
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Von dem Tod an dem Kreuze; sie stieg auf Stufen zum Throne,
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Dort hinauf zu des Vaters Rechte, wo Preis und Ehre
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Dem es belohnen sollte, der frei sich erniedriget hatte,
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Ach, von dort herab zu dem Staube der Schädelstätte.
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Selber Eloa erhüb' umsonst mit der Harfe der Feier
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Sich in dem Psalme, der Psalm entströmte vergebens des Geistes
848
Innerstem, diesen Preis, die Gottesehren zu singen.
849
Lehre mich, Sionitin, nur einige Laute von jener
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Großen Erhöhung, die bei den Hütten sterblicher Sünder,
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Doch nun auch versöhnter, begann und immer sich weiter
852
Auf stets höheren Stufen erhub, o lehre von fern mich
853
Nachschaun Ihm, der hinauf zu dem Throne den Lichtweg wandelt.
854
Liebend sah der Versöhner herab auf Adam, indem winkt
855
Er dem Cherub; der bringet die Seele. Sie spricht zu dem Führer:
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»wer, o Du strahlender Unbekannter, ist jener erhabne
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Furchtbare Mann auf dem Felsenhügel?« E. »Blickest Du, Seele,
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Denn nicht auch auf die Schaaren um ihn, die leuchtender schimmern?«
859
S. »Ach, ich kann nicht wenden von Dem mein Auge, zu dem Du
860
Hin mich führest: Er ist in dieser Götterversammlung
861
(auf und bete mit an) der oberste Gott.« E. »Und Dein Richter.«
862
S. »Weh mir, Jupiter, Jupiter! Du, der herrscht im Olympus!
863
Größter, Herrlichster! O mein Führer, was blicket Dein Auge
864
Mir für Entsetzen zu? Ist es Minos' furchtbare Gottheit?
865
Oeffnet irgendwo hier der Erdkreis Thore des Abgrunds?
866
Rauscht hier nah der Kocytus, und donnern über dem Strome
867
Jupiter's Eide? Zu grausamer Geist, noch immer verstummst Du
868
Meinen bebenden Fragen? Ach, hat er den letzten geschworen,
869
Als ich starb, und stürzet mich der in des Phlegethon Strudel?«
870
Jetzo sprach zu dem Todten der Mittler: »Jupiter, Minos
871
Sind nicht; aber es schreiet laut von dem schmachtenden Lande,
872
Herrscher, zu mir das Volk!« Er sprach's, und er nannte des Todten
873
Künftige Stätte dem Cherub. So stieg die Erhebung des Sohnes
874
Einen leisen Tritt, wie große Thaten beginnen.
875
Jesus sprach zu den Zeugen: »Eh zu dem Vater ich gehe,
876
Weil' ich auf Tabor oft. Der ist der Ort der Versammlung.«
877
Und sie sahn ihn nicht mehr und schwebten nach Tabor hinüber.
878
Wie er war niedergestürzt, so sinnlos lag an des Grabmals
879
Felsen Satan noch von des Auferstehenden Anblick.
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Gabriel hörete gegen sich her wie im Wetter er wandeln,
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Und nun sah er ihn auch, indem er mit schwerer Arbeit
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Sich aufrichtete. »Stürze Dich,« sagt' ihm der Engel des Siegers,
883
»endlich in Deine Tiefen hinab! Was säumst Du auf Erden?
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Wenn Du lernen könntest, so würdest Du einmal lernen,
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Daß der Kampf des Endlichen mit dem Unendlichen Qual ist
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Für den immer Besiegten und immer wieder Empörten.
887
Aber Du lernest es nie. So fleuch denn hinunter und krümme
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Dich in neuen Entwürfen herum zu der neuen Empörung.
889
Aber wisse ... Doch laß mich die lauteren Donner der Rache
890
Nicht aussprechen und fleuch!« Er floh; doch zögert' er wieder
891
In der Einöd', hielt sich an einen thürmenden Felsen,
892
Blickte von da mit starrendem Aug' hinaus in die Wüste.
893
»schrecken Gottes, ereilet ihn!« rufte, da er im Orkan ihm
894
Nachkam, Gabriel. Satan entsank dem Felsen und rauschte
895
Durch die Schöpfung hinab zu der Hölle. Doch eh er hineintrat,
896
Weilet' er der belastenden Tage viel' an der Pforte.
897
Schon zwo Mitternächte war nun die Versammlung der Priester
898
In der Halle beisammen des Hohenpriesters gewesen.
899
Und sie begannen, des Schlafes beraubt, den werdenden Morgen
900
Wieder zu sehn. Sie saßen verstummt und dachten den Ausgang.
901
Jener besiegelte Stein, der Römer Wache, der Todte
902
Waren das bleibende Bild vor ihren zerrütteten Seelen.
903
Ungewißheit, Du warfst sie mit jeder gewaltigen Unruh,
904
Welche Du hast, mit Deinen gethürmten Wogen, mit allen
905
Deinen Stürmen herum. Der dritte furchtbare Tag kam.
906
An dem Grabe des Herrn begann die römische Wache
907
Zu sich selber zu kommen, und Einer sprach zu dem Andern:
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»ach, wie geschah Dir? Ich hörte die Erde beben, da stürzt' ich
909
Schnell in den Staub.« Der Genoss' antwortet' ihm: »Also geschah es.«
910
Und ein Anderer sprach, indem er auf den Gefährten
911
Bang sich lehnte: »Wie war' s? Die Erde bebte mir, warf mich
912
An den Felsen.« Der Andere sprach: »Ich glaubte zu sterben,
913
Da der Sturmwind wirbelt' und heult' und den Felsen zermalmte.
914
Nein, er ist nicht zermalmt; doch liegt er nicht mehr vor dem Grabe.«
915
Jetzo rufte, geführt von Einem der Wache, der Hauptmann:
916
»lebt Ihr, so nennet mir die Namen!« Sie nannten die Namen.
917
Cneus ging in das Grab und sah es leer und den Felsen
918
Weg von dem Grabe gewälzt. Das that auch wundernd die Wache.
919
»geht aus einander!« Er sprach's; drauf nahm er Einen und sagt' ihm:
920
»geh Du voran zum Palast des Priesters und bringe mir Botschaft,
921
Ob bei ihm Versammlungen sind! Ich komme den Weg auch.«
922
»sage, wo gehest Du hin?« befragten den Boten die Andern.
923
»nach der Priester Palast.« Er eilete weiter. Sie folgten.
924
Wie, von keinem andern geweckt, ein schneller Gedanke
925
Denen, die, in der Nacht des melancholischen Grübelns
926
Weit verloren, umirren, die Seel' auf einmal erschüttert:
927
Unvermuthet kam und mit athemlosem Entsetzen
928
So in die stumme Versammlung der Bote. B. »Am Grabe zu wachen,
929
Sandtet Ihr uns; doch umsonst! Die Erde bebt', und der Fels sprang
930
Weg von dem Grabe, und leer ist es nun!« Er rief's und verließ sie.
931
Und sie taumelten auf von ihren Sitzen und standen
932
Starr, Denkmale des Schreckens. Drei Römer folgten dem ersten,
933
Eilten den offenen Saal hinein und riefen zusammen:
934
»seht Ihr nun zu – weg stürzte der Fels – was Ihr thut, und die Erde
935
Hub sich empor! Das Grab, ein Sturmwind wirbelt' und heulte,
936
Sahen wir leer! Erst fielen wir hin wie Todte; ja, leer sahn
937
Wir das Grab hernach.« Gleich schnellherschmetternden Donnern
938
War den Priestern ihr Zeugniß. Da traf sie der letzt' und der stärkste.
939
Denn ein fürchterliches Gelächter erhub, in des Schreckens
940
Unsinn, Philo. So schweigt der Tod, so schwiegen die Priester,
941
Und auch Philo wieder. Doch Kaiphas hatte sich endlich
942
Wieder ermannt. Schnell ließ er die Aeltesten rufen. Die kamen,
943
Eilten geflügelt herzu. Auch kamen noch andere Hüter.
944
Und sie traten herein. »Wir sehn's, Ihr habt es vernommen.
945
Dank, den Göttern Dank, wir leben! Warum erkühntet
946
Ihr Euch, Priester, den Sohn des Donnergottes zu tödten?
947
Siehe, sein Grab ist leer. Kaum sind wir lebend entronnen!«
948
Aber der Hohepriester erhub sich und sprach zu der Wache:
949
»römer, gehet hinab zu den Meinen und wärmt Euch am Feuer!
950
War auch Euer Hauptmann bei Euch?« »Er war's, und er stürzte
951
Nieder mit uns und sahe wie wir das geöffnete Grabmal.«
952
Und er führte sie weg und gebot den Seinen, mit Speise
953
Diese Männer zu laben und mit der Stärkung der Traube.
954
Endlich leiteten ihn die Seinen zurück, und er setzte
955
Wankend sich nieder und sprach: »Ihr müßt die Römer erkaufen,
956
Oder Juda empöret sich! Doch was ist mir das Leben
957
Nun, da ich fast, o Saddok, an Deiner Lehre verzweifle!
958
Aber täuschte die Angst die Erschrockenen nicht? Erdbeben
959
Ist gewesen. Allein ob sie das Grab auch wol leer sahn?«
960
Als er noch redete, kam der römische Hauptmann. Sie standen
961
Schnell vor ihm auf und traten zurück. H. »Ihr kennt mich. Ich sah ihn
962
Auch an dem Kreuz und glaubte schon damals, ein Sohn der Götter
963
Stürbe. Ihr wisset nun auch, was am Grabe geschah.« Indem trat
964
Philo's Engel, der fünfte Verderber am Thron des Richters,
965
Ephod Obaddon herein. Von dem hohen treffenden Auge
966
Strömet' er Rache, das Haar fiel ihm in Locken, der Nacht gleich,
967
Auf die Schulter, sein Fuß stand wie ein ruhender Fels da.
968
Und er blickt' auf Philo herab; doch ließ er nicht rauschen
969
Seiner Schrecken Stimme, nicht ihre Todestöne.
970
»schwarze, blutende Stunde, Du Todesstunde, beflügle
971
Deiner Schritte letzten! Sei, Thal Benhinnon, gegrüßet,
972
Sei mir gegrüßt, Benhinnon!« Indem er dies in sich selber
973
Sprach, enteilten ihm siebenfältige Schrecken; die stürzten
974
All' auf Philo. Der ging mit fürchterlichlachender Ruhe
975
Gegen Cneus und fragte mit dumpfer, langsamer Stimm' ihn:
976
»offen das Grab? und ohne den Todten?« C. »Ohne den Todten!«
977
Ph. »Römer, bezeugst Du bei Jupiter dies?« C. »Bei Jupiter zeugt' ich's
978
Nicht, bei Jehovah, den ich anbete, beschwür' ich es, wenn ich
979
Mich's zu beschwören entschlöss', und Dir, Elender, nicht müßte
980
Eidlos gelten mein Wort!« Da rufte mit Ungestüm Philo:
981
»ha, vernahmt Ihr's? Er sah es offen und ohne den Todten,
982
Und er schwur nicht! Du hast mehr als geschworen, o Römer!«
983
Ruft es und reißt dem Hauptmann sein Schwert von den Hüften und stößt sich's
984
Wüthend ins Eingeweide mit beiden Armen hinunter,
985
Schleudert es weit von sich weg und taumelt nieder, zu sterben.
986
Als er sich wälzt' in rauchendem Blute, riß er die Wund' auf,
987
Spritzete Blut gen Himmel: »Ha, Nazaräer!« so ruft' er,
988
Starb. Und Cneus ergriff sein liegendes Schwert und nahte
989
Sich dem Todten, und ließ es auf ihn, wie es blutete, fallen.
990
»schrecken, Euch, und ewige Nacht, und Dir, o Verzweiflung,
991
Weih' ich dies Schwert!« Da wandt' er sich schnell und verließ die Versammlung.
992
Auch entfloh die entrüstete Seele des Todten ihr, mußte
993
Einem Wandelnden folgen, der sie durch Finsterniß führte.
994
Aber nun war der Engel des Todes im Thal Benhinnon;
995
Und da wandt' er auf einmal sich um, da erblickt' ihn die Seele.
996
Wer vermag das furchtbare Schaun des richtenden Engels,
997
Wer zu beschreiben den Donnerton, mit welchem er rufte?
998
»ephod Obaddon, so heißt der siebenfältigen Rache
999
Namen und mein Namen! Ich bin der Verderber einer!
1000
Bin's, der die Erstgeburt an dem Strome schlug. Von Gehenna –
1001
Blick' umher, Du bist in Gehenna – bring' ich Dich weiter
1002
In die Tiefe der Tiefen hinab!« Sie entschwebten dem Thale.