Du, Eloa, standst auf der Morgenröthe. Der Erde

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Friedrich Gottlieb Klopstock: Du, Eloa, standst auf der Morgenröthe. Der Erde Titel entspricht 1. Vers(1759)

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Du, Eloa, standst auf der Morgenröthe. Der Erde
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Hüter standen um ihn. Er sang in die mächtige Harfe –
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Siehe, so werden die Auferstehungen jauchzen – so sang er:
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»ewige Wirkung Dir! komm, werd', o, werde geboren,
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Opfertag! Er wandelt herauf! Sein Nam' ist Erbarmer.
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Ihn, ihn segnen die Orione und rufen den kleinern
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Sonnen umher, die Sonnen den Erden: Du Tag, Du Versöhner!
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Theurer, schöner, blutender Tag, Dich sandte die Liebe!
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Harfe, töne darein! Er schafft zu Engeln den Staub um.
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Ewigkeiten der Ruh sind Gefolge seiner Triumphe.
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Sieh, ich erhebe mein Aug' und seh'! Ein Hügel der Erde
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Ist der Altar. Der Altar erbebt vor dem kommenden Opfer.
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Hätte der Auszusöhnende Sterne, wie Stein' aus den Bächen,
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Aufgenommen, erbaut die Sterne dem Sohn zum Altare:
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Dennoch hätt' auch dieser gebebt dem kommenden Opfer!
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Ringsum schau' ich. Wie lächeln der Erde die helleren Sonnen,
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Und wie schwimmet ihr leichter Gefolg' umher in den Himmeln!
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O, Du Ruhe des festlichsten unter den Festen, Du Sabbath,
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Sabbath des Vaters und Sohns! Ich hör', ich höre, die Jubel
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Tönen von allen Harfen herüber. Der Seraphim Kronen
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Sinken alle. Sie ist, die Schöpfung ist Sabbath geworden.
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O Du Gedanke, Gedanke! Jahrtausende gehen vorüber,
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Ehe von fern in Dein heiliges Licht der Seraph hinaufblickt,
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Du: Der Sohn des Vaters starb! Der Ewige denkt Dich.«
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Also sang Eloa. Die Himmel hallten es wider.
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Doch, von der Sünde geblendet und ihrem Gericht belastet,
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Dacht' auf der Erde viel anders ein Haufen Sterblicher. Satan
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Dachte wie sie. Des Ewigen Vorsicht ließ die Verbrecher
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Ganz ihr Maaß anfüllen. Der Hohepriester versammelt
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All' in dem inneren Saal. Dort halten sie Rath und verschwören
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Wider den Ewigen sich. Sie hatten das Opfer dem Tode
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Lang' geweiht; sie halten nur Rath von Pilatus, vom Volke,
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Und wie er sterben soll. An dem Kreuz auf Golgatha sollst Du
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Bluten! Philo verachtet, von ihrem Rathe zu lernen,
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Bricht schnell aus der Versammlung und sucht den Messias und findet
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Ihn bei der Wach' am sinkenden Feuer. Hier geht er mit wildem
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Drohenden Schritt vor ihm auf und nieder. Sein treffendes Auge
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Heftete sich ungewandt auf den Mittler und funkelte Rache.
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Aber, so sehr ihn die Wuth auch beherrschte, so sann er doch sorgsam
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Und scharfsichtig die Reih'n der Schwierigkeiten herunter,
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Stellte jeder Entschluß, Beredsamkeit, priesterlich Ansehn
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Oder das Aeußerste selbst entgegen, ließ keine dem Zufall.
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Einmal, er dacht' an das Volk, erhebt sein Herz sich, zu beben;
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Aber er zwingt's, entschlossen, zu tödten oder zu sterben.
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Und noch einmal, er dachte, was er zu vollenden bereit war,
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Zittert das Herz ihm; doch schnell besiegt er sein zeugend Gewissen.
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Jetzo, voll von den heißen Entschlüssen, ein lustig Gewebe,
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Leicht zu entweben, hätte Gott nur Winke gesendet,
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Jetzt eilt Philo zurück zur Versammlung: »Noch säumen wir, Väter?
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Brach die Dämmrung nicht an? und soll er am Abend noch leben?«
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Philo bewegte sie leicht. Sie eileten, nahmen und führten
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Zu Pilatus den ewigen Sohn, ein furchtbarer Haufen,
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Hohepriester, Gesetzerklärer, die Aeltesten Juda's.
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Und der Morgen athmete kalt. Da Jesus den Tempel,
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Der nun, wenige Stunden nur noch, des Versöhnenden Opfer
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Bilden soll, durch die Dämmrungsschöne des Tages enthüllt sieht,
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Schaut er vom Tempel gen Himmel. Sie eilten; es eilte schon Volk mit;
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Denn es hatte der Ruf die Geschichte der Nacht nicht verschwiegen.
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Einige waren vorausgesandt und hatten Pilatus
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Schon die Kommenden angekündet. Sie kamen. Er staunte,
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Daß ganz Juda vor ihm erschien, um
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Anzuklagen. Sie gingen mit ihm die erhabenen Stufen
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Drängend hinauf und bliebe am Thor auf Gabbatha stehen.
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Hier war der Richtstuhl jetzt. Die Gebräuche des Festes geboten,
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Nicht in die Halle zu gehn. Pilatus saß auf dem Richtstuhl,
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Jener entartete Römer, ein weicher Kenner der Wollust,
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Stolz und grausam dabei, doch klug genug, von der Römer
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Alten Gerechtigkeit einige Mienen zu zeigen. Er sprach jetzt:
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»wessen beschuldigen diesen Verklagten die Aeltesten Juda's?
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Und selbst Kaiphas seh' ich!« Er sprach's mit Hoheit und schaute
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Mehr auf Jesus als auf de Versammlung. Der Hohepriester
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Trat nun näher hinzu und sprach: »Wir glauben, Pilatus
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Kenn' uns so und fälle dies Urtheil von Israel's Vätern,
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Daß sie Diesen vor ihn nicht führen würden, wofern er
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Nicht ein Schuldiger wär'! Er ist, Pilatus, er ist es
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Mehr, wie es Einer noch war, seitdem Du Israel richtest!
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Diesen Gram verbergen in sich die Väter Judäa's,
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Können ihn Dir nicht erklären, wie sehr der Jesus sich auflehnt
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Wider unsers Propheten Gesetz und den heiligen Tempel;
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Wie er in blendenden Reden, durch täuschende Wunder, ein Zaubrer,
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Unser Volk uns verführt. Schon lang', Pilatus, ach, lange
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Hat er zu sterben verdient!« ... Hier unterbrach ihn der Römer:
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»aber so richtet ihn denn nach Eurem Gesetze!« – »Wie beutst Du
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Dies, Pilatus, uns an? Du weißt ja, Römer, wir dürfen
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Keinen tödten!« – Er hält hier inne, den Zorn zu verbergen,
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Daß Pilatus sie an die entrissene Freiheit erinnre.
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Aber itzt redet er weiter: »Du weißt, mit welchem Gehorsam,
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Welchem tiefen Gehorsam, wie unerschütterter Treue
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Wir Tiberius, dem Beherrscher, dem Vater der Völker,
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Der stets glücklicher sei, wie wir ihm gehorchen! Der Jesus,
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Den Du, Pilatus, vor Dir erblickest, rottet die Völker
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In den Wüsten Juda zusammen. Ein mächtiger Redner,
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Ueberredet er sie, der Oberherrschaft des Cäsar's
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Sich zu entreißen und ihn zum König zu wählen: ›Ich bin es,
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Den die Propheten verkündeten! Ich der Erlöser in Juda!‹
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Und damit er noch mehr die kleinen Seelen gewinne,
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Jedes Gesinnung erforsche, sie Alle kenne, sie Alle
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Sich verführe, behält er sie in den Wüsten und speist sie.
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Und wie sehr gewann er sie nicht! Deß Zeug' ist der Einzug
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In Jerusalem. Doch ich beschreibe den Pomp und das Jauchzen,
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Dieses Tages Entweihungen nicht. Du warst ja zugegen,
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Hörtest der Völker Geschrei, ihr Hosanna, den taumelnden Jubel,
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Diesen Triumph, daß davon selbst dieses Dein Richthaus einsank.«
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Aber Pilatus lächelte. Philo bezwang sich und sagte:
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»könnt' ich glauben, Herrscher, Du ließest der biegsamen Sanftmuth
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Miene Dich täuschen und hieltst für ununternehmend den Stolzen,
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Welcher sie hat, so schwieg' ich; allein Du kennest die Menschen.
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Dieser Jesus, so klein er Dir scheinet, jetzt, da ihn Juda
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In der Kette dem Richter bringt: er war es nicht, Römer,
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Als er noch in der Oede von Galiläa herumzog.
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Sieh das Gewebe seines Entwurfs: Erst lockt er die Menge
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Durch die Künste, die Dir der Hohepriester genannt hat;
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Drauf versucht er, wie weit er die schwindelnde Menge beherrsche.
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Und es gelang ihm der stolze Versuch. Gespräche des Zutrauns,
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Hohe Beredsamkeit – jetzt verstummt sie – erkünstelte Wunder
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Waren bisher ihm gelungen. Itzt reizt' er auf einmal das Volkheer,
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Ihn zum König zu machen. Sie eileten, drängten sich, ruften
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Schon um ihn her. Er sah's und entwich, noch mehr sie zu reizen.
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Und es gelang ihm; sie suchten ihn auf. Der reißende Strom zog
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Neue Ströme zu sich. Zuletzt – nun waren die Völker
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Mächtig genug, nun entwich er nicht mehr – kam er in Triumphe
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Nach Jerusalem. Aber so sehr das Volk ihm auch anhing,
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War es dennoch zu furchtsam, Jerusalem's Väter zu zwingen,
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Seinem König entgegen zu gehn. Und wär' es, Pilatus,
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Auch entschlossen gewesen zu That, so hätten die Väter,
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Alle die grauen Häupter, die Du, Pilatus, hier siehest,
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Alle wir Diener des größten der Tempel, hätten mit Freuden
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Dann für unseren Cäsar geblutet!« Also der Priester.
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Aber der Gottmensch stand tiefsinnig; der großen Erlösung
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Leiden ruhten auf ihm. Der Tode tödtlichster rief ihn
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Zu dem Altar. Die Menschen, die neben ihm wütheten, waren
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Opferer nur. Er bemerkte sie kaum. So bemerket der Feldherr,
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Welchem das Vaterland gebot, den Erobrer zu strafen
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Und die zürnende Thräne der Freigebornen den Stolzen
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Fühlen zu lassen, er merket den Staub der würgenden Schlacht nicht.
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Aber so sehr er Römer auch ist, so bewundert Pilatus
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Doch den schweigenden Mittler. »Du hörst die mächtige Klage,
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Und Du schweigest? Vielleicht willst Du vor dieser Versammlung
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Dich nicht vertheidigen. Komm!« Der Gottmensch folgt' ihm ins Nichthaus.
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Damals irrte die Ungewißheit mit wankendem Schritte
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Um die Priester und zeichnet' ihr Antlitz mit bebender Blässe.
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Doch ein verworfnerer Sünder als sie, der schwarze Verräther
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Seines göttlichen Freundes, als er den kommenden Tod sah,
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Dem den Gerechten die Priester entgegen führten, erhub er
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Schnell sich und eilt' auf Gabbatha zu. Die stürmende Menge
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Hielt ihn mächtig zurück; er mußte sich wenden. Itzt floh er
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Zu dem Tempel. Es hatte dahin, aus Sorge vor Aufruhr,
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Kaiphas Priester gestellt. Der Verräther wußt' es. Er ging schon
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In den schweigenden Hallen der hohen Tempelgewölbe.
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Als er die hangende Hülle des Allerheiligsten wahrnahm,
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Wandt' er sich weg, ward bleicher und zitterte laut. Dann erhub er
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Sich zu den Priestern und sprach mit wüthender Reue: »Da habt Ihr
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Euer Silber!« und warf's zu ihren Füßen. »Der Fromme,
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Den ich verrieth, sein Blut ist Blut der Unschuld! Das kommt nun
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Ueber mein Haupt!« Er sprach's und rollte die offneren Augen,
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Ging und eilet' und floh der Menschen Anblick und riß sich
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Aus Jerusalem, stand; drauf ging er, stand nun, dann floh er,
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Schaute mit wildem Antlitz umher, ob er Menschen erblicke.
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Als er keinen erblickte, der Stadt nun stummes Getöse
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Ganz sich dem Ohre verlor, beschloß er, zu sterben. »Sie kann nicht,
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Nein, sie kann nach dem Tode nicht fürchterlicher mich fassen,
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Diese namlose Qual! Zu entsetzliche Qualen, o, wüthet,
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Wüthet, so lang' Ihr noch könnt! Wenn dies Auge sich schließt, und wenn Alles
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Diesem Ohre verstummet, seh' ich sein Blut nicht, so hör' ich
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Seine brechende Stimme nicht mehr! Doch der auf Horeb
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Sprach ja: Du sollst nicht tödten! Er ist mein Gott nicht! Ich habe
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Keinen Gott mehr! Elend, Du bist mein Gott! Du gebietest,
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Laut gebietest Du mir den Tod! ich gehorche! So stirb denn,
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Stirb, Verlorner! Du bebst? hier stürmt's! Noch einmal empöret
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Sich das Leben in Dir und ringt zu leben! Verräther,
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Du willst leben? vor Allen, die je verriethen, gebrandmarkt,
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Du? Er breitet vor mir wie ein weiteröffnetes Grab sich
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Fürchterlich aus, er ist der bängste der bangen Gedanken,
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Die ein Sterbender jemals empfand: Ich hab' ihn verrathen.
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Stirb! Die Seele, die Dir nach dem Tode noch elend zurückbleibt,
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Tödt' auch sie! O, die Du in mir, als wärest Du ewig,
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Dich erhebest, vernimm Dein Schicksal, Seele des Todten:
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Sieh, ich verwünsche Dich auch der Vernichtung!« So rufet er, schauet
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Starrend hin und mischt zu der tiefgestürzten Verzweiflung
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Gegen Den, der ewig ist, Rache! Dem Gang des Verworfnen
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Folgten Ithuriel und der Todesengel Obaddon.
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Als jetzt still Ischariot steht und mit jeder Geberde
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Mehr dem Gerichte sich weiht, spricht feuriger Eil' zu Obaddon
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Seraph Ithuriel: »Sieh, er geht zu dem Tode! Noch einmal
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Wollt' ich ihn sehn, denn ich war sein Engel. Itzt lass' ich den Sünder
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Dir und der Rache! Ich bin sein Hüter gewesen; doch nimm ihn –
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Feierlich übergeb' ich Dir, Todesengel, das Opfer –
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Nimm ihn, er opfert sich selbst, und führ' ihn zum ewigen Tode!
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Wie es geschehn soll, davon weißt Du des Richters Befehl auch.
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Aber ich hülle mich ein und wende mein Antlitz!« Er eilte
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Mit dem fliegenden Worte davon. Ischariot wählte
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Schon den Ort des Todes sich aus. Als Obaddon den Hügel
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Sahe, da trat er herauf auf die Höh' und hub die Rechte
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Mit dem flammenden Schwert empor und hielt sie gen Himmel,
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Sprach die fei'rlichen Worte, die Engel des Todes sprechen,
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Füllet ein Mensch der Empörungen Maaß und tödtet sich selber:
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»tod, bei dem furchtbaren Namen des großen Unendlichen! Tod, komm
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Ueber den Mann von Erde! Sein Blut sei über ihm selber!
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Siehe, Du löschest die Sonne Dir aus. Der Tod und das Leben
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Lagen vor Dir, daß Du wähltest. Du, Sterblicher, wähltest den Tod Dir.
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Sonne, verlisch! komm, Todesangst, und thue Dich weit auf,
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Grab! und nimm ihn, Verwesung! Sein Blut ist über ihm selber.«
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Judas vernahm des Unsterblichen Stimme. So hört ein Verirrter
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Stimmen im einsamen Walde voll Nacht, wenn über den Bergen
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Meilenferne Gewitter die Ceder der Wolk' entstürzen.
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Und er rief in der Wuth der Verzweiflung: »Ich kenne das Rauschen
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Deiner Stimme zu wohl: Du bist der todte Messias!
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Du verfolgst mich und forderst Dein Blut. Hier bin ich! hier bin ich!«
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Judas rief's mit starrendem Blick und erwürgte sich. Staunend
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Trat Obaddon selber zurück, da er starb. Die ergriffne,
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Schwankende Seele schütterte dreimal noch, als ihm das Herz brach;
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Aber das vierte Mal trieb sie der Tod von des Sterbenden Stirne
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Siegend empor. Sie schwebte dahin. Leichtfließendes Leben,
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Unseres Seins Urkraft, sie unauflösbar dem Tode,
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Folgt' ihr aus dem Leichname nach und bewegte sich schneller
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Als Gedanken um sie und ward zum schwebenden Leibe,
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Daß sie mit hellerem Auge den Abgrund sähe, mit feinerm
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Und geschreckterem Ohr des Richtenden Donner vernähme.
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Aber es war ein Leib, unausgeschaffen, voll Schwäche,
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Nur empfindlich der Qual und menschenfeindlich von Bildung.
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Jetzo hatte sich von der Betäubung des Todes die Seele
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Schnell besonnen. Indem begann sie zu denken: »Ich fühle
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Wieder? Wer bin ich geworden? Wie leichthinschwebend erheb' ich
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Mich in die Höh'! Doch sind das Gebeine? Sind nicht Gebeine!
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Aber es ist doch ein Leib! Wie dunkel seh' ich! Wer bin ich?
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Aber entsetzlich ist mein Gefühl! ich fühl', ich bin elend!
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Bin ich Judas, der starb? Wo bin ich? Wer ist auf dem Hügel
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Jene lichte Gestalt, die immer furchtbarer herglänzt?
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Wärst Du, mein Auge, dunkel geblieben! Aber sie wird stets
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Heller! noch heller! ach, fürchterlich heller! Judas, entfliehe!
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Weh mir, es ist der Richter der Welt! Ich kann nicht entfliehen!
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Das ist mein abscheulicher Leichnam!« Er schwebte verzweifelnd
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Dicht an dem Boden. »Erhebe Dich!« rief von dem Hügel Obaddon,
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»schwebe nicht erdwärts! Ich bin der Richter der Welt nicht. Ich bin nur
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Einer der Boten von ihm, der Todesengel Obaddon.
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Höre Dein Urtheil! Es ist Dein erstes, und trübere folgen.«
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»ewiger Tod Dir! Du hast den Gottversöhner verrathen,
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Hast Dich wider Jehovah empört und Dich selbst getödtet!
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Also saget, der in der furchtbaren Rechte die Wagschal'
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Hält, in der Linken den Tod: Es ist kein Maaß, sie zu messen,
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Keine Zahl, so sie zählt, die Qualen, die auf des Verräthers
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Haupt sich sammeln. Erst zeig' ihm am Kreuz den blutenden Mittler,
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Drauf die Hütten der Wonne von fern; dann führ' in den Abgrund!«
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Also sagte der Engel das Urtheil. Der bebende Todte
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Wurde dunkler vor Schrecken und folgt' in der Ferne dem Seraph.
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Unterdeß war der ewige Sohn bei Pilatus im Richthaus,
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Und Pilatus befragt ihn: »Du bist der König Judäa's?«
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Jesus schaut mit gelinderem Ernst dem Römer ins Antlitz:
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»wär' ich ein König der Erde, wie Ihr besiegtet, so hätt' ich
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Völker, die stritten für mich; ich bin kein König der Erde.«
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»aber so bist Du denn doch ein König?« »Ich bin es! Ich ließ mich
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Zu der Erd' herunter, ich ward geboren, die Menschen
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Wahrheit zu lehren. Wer sich der Heiligen weihte, versteht mich.«
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Hier bricht Pontius ab und sagt mit der Miene des Weltmanns,
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Der kurzsichtig, doch lächelnd, des Ernstes Sache verurtheilt:
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»was ist Wahrheit?« Er hatt' es gesagt und begleitet' ihn wieder
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In die Versammlung zurück. »Ich finde,« sagt' er den Priestern,
258
»keine Schuld des Todes an ihm. Ihr nanntet vorher mir

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Galiläa. Dort lehnt' er sich auf. Drum sehet, ich send' ihn
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Zu Herodes. Es ist sein Gebiet. Er bestraf' ihn! Und sollte,
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Wie mir es scheint, die Frage vielmehr von Eurem Gesetze
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Als von Empörungen sein, so ist es wieder Herodes,
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Der sie besser entscheidet als ich.« So gebot Pilatus.
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Unterdeß kam die Mutter des liebsten unter den Söhnen,
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Nach durchwachter einsamer Nacht, mit dem Schauer der Dämmrung
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Nach Jerusalem, fand ihn im Tempel nicht, wo sie ihn suchte,
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Fand den göttlichen Sohn nicht. Versenkt in ängstliches Staunen,
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Höret sie von den Palästen der Römer herüber ein dumpfes
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Tiefaufsteigend Getöse. Sie ging dem Getös entgegen,
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Ohne daran zu denken, woher es entstünde. Nun geht sie
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Unter dem Volke, das rings durch Jerusalem gegen den Richtstuhl
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Drang. Beklommen, allein noch ruhig wegen des Aufruhrs
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Ursach, naht sie dem Richtstuhl sich. Hier sieht sie Lebbäus.
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Doch kaum sah Lebbäus die Mutter, da floh er. »Ach, flieht er?
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Warum wendet er sich?« So dachte Maria. Die Vorsicht
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Zückt' auf sie mit diesem Gedanken das Schwert, das bestimmt war,
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Ihr durch die Seele zu gehn. Maria erhub sich und sahe
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Jesus. Ihr Engel, als er die Todesblässe, mit der sie
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Bleich ward, als er die starrenden Augen der Mutter erblickte,
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Wandt' er sein Antlitz. Doch sie, da ihrem Auge das Dunkel,
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Ihrem Ohr die Betäubung entsank, ging vorwärts und bebte
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Näher zum Richtstuhl hin und sah noch einmal den Sohn stehn,
283
Sah die mächtigen Kläger um ihn und den richtenden Römer,
284
Hörte die Stimme des Volks, die rings mit Wuth von dem Tode
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Widerhallte. Was sollte sie thun? Zu welcher Erbarmung
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Sollte sie flehn? Sie schaute sich um, da war kein Erbarmer!
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Schaute gen Himmel empor, auch er verstummte der Mutter!
288
Jetzo betet ihr blutendes Herz: »O, der ihn durch Engel
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Mir verkündigen ließ, mir ihn in Bethlehem's Thal gab,
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Daß ich mit Mutterfreuden mich freute, mit denen der Mütter
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Keine sich jemals freute, mit Freuden, die selber die Engel
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In dem Liede von seiner Geburt nicht alle besangen!
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Du, der Samuel's Mutter erhörte, da sie am Altare
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Stand und weint' und betet', erhör, Erbarmer, den Jammer
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Meiner Seele, vernimm die Angst, die mehr mich erschüttert
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Als der Gebärerin Angst! Das mütterlichste der Herzen
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Gabest Du mir und den besten der Söhne, den besten vor allen
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Erdegebornen. Laß ihn nicht sterben, ist anders mein Flehen
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Deinem göttlichen Willen gemäß, o Du, der die Himmel
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Schuf und der Thräne gebot, zu Dir um Erbarmung zu flehen!«
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Hier verstummt ihr Herz. Der Strom der kommenden Schaaren
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Trieb sie seitwärts und nahm ihr des Sohns Anblick. Sie entriß sich
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Jetzt dem Gedränge, sie stand, sie ging, sie suchete, fand nicht,
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Nicht die Jünger. Zuletzt verhüllte sie sich und weinte
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Sprachlos. Als sie darauf ihr Aug' aufhebt, da erblickt sie
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Sich an dem Seitenpalaste des Römers. »Vielleicht, daß hier Menschen
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Wohnen,« denkt sie, »vielleicht, daß selbst in der Schwelger Palästen
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Eine Mutter gebar, der es, Mutterliebe zu fühlen,
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Nicht zu klein ist. O, wenn es wäre, was viele der Mütter
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Von Dir, Portia, sagen, daß Du ein menschliches Herz hast;
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O, Ihr Engel, die Ihr bei der Krippe seiner Geburt sangt,
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Wenn das wäre!« Sie denkt's. Schon eilt sie die Marmorgeländer
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Unverhüllter hinauf und geht in den schweigenden Sälen.
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Aber nicht lang', so kommt aus einem fernen Gewölbe
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In des Palastes Seite, die sich zu dem Richtstuhl hinzog,
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Eine Römerin her und sieht Maria. Die junge,
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Bleiche Römerin blieb, so wie gelöst ihr das Haar floß
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Und das leichte Gewand die bebenden Glieder herunter,
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Voll Bewunderung stehn. Denn die Mutter des Unerschaffnen
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Zeigte, wiewol der Schmerz sie verhüllte, in ihren Geberden
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Eine Hoheit, von Engeln, weil die auch dann sie verstanden,
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Noch bewundert; verhüllt vom Schmerze, stieg sie am Tiefsten
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Zu den Menschen hinab, von ihnen bewundert zu werden;
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Denn die kannten nicht, was an der Heitren die Himmlischen sahen.
325
Endlich redet die Römerin: »Sag, o sage, wer bist Du?
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Wer Du auch seist, noch nie hab' ich diese Hoheit gesehen,
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Diesen göttlichen Schmerz!« Da unterbrach sie Maria:
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»wenn Du wirklich das Mitleid, das Du in Deinem Gesicht hast,
329
Auch in dem Herzen empfindest, so komm, o Römerin, führe
330
Mich zu Portia!« Mehr noch erstaunt, antwortet mit leiser
331
Sanfter Stimme die Römerin: »Ich bin Portia.« – »Du bist
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Portia selbst? Ein geheimes, ein linderndes, stilles Verlangen
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Wünschte mir Portia so, da ich Dich sahe. Du bist es
334
Also selber, o Römerin? Zwar Du kennest die Schmerzen
335
Einer Mutter nicht ganz, die zu einem Volke gehöret,
336
Welches Ihr haßt; doch Israelitinnen selber erzählen,
337
Daß Dein Herz voll Menschlichkeit sei. Der Mann, den Pilatus
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Richtet, er hat kein Uebel gethan, den Tyrannen verklagen!
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Ich bin seine Mutter!« Maria hatt' es gesprochen.
340
Portia blieb vor ihr stehn und sah mit sanftem Erstaunen,
341
Mit Entzückung sie an. Denn über den Kummer des Mitleids
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Siegte der höh're Gedanke. Sie konnte jetzt nur bewundern.
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Endlich rief sie: »Er ist Dein Sohn? Glückselige, Du bist
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Dieses Göttlichen Mutter? Du bist Maria?« Dann wendet
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Sie sich von ihr und richtet gen Himmel ihr staunendes Auge.
346
»sie ist seine Mutter, Ihr Götter! Euch mein' ich, Ihr höhern,
347
Besseren Götter, die mir in dem Traume voll Ernst sich entdeckten.
348
Jupiter heißt Ihr nicht, Ihr heißet nicht Phöbus Apollo.
349
Aber, wie Euer Namen auch heißt, Ihr seid es, Ihr sandtet
350
Mir die Mutter des größten der Menschen, wenn er ein Mensch ist!
351
Und mich bittet sie? mich? Nein, bitte mich nicht! o führe
352
Mich vielmehr zu ihm hin, zu Deinem erhabenen Sohne,
353
Daß er der Dunkelheit mich, den Zweifeln entreiße, von fern nur
354
Auf mich blicke und mir die Lehre der Gottheit entfalte!«
355
Portia hatte zuletzt sich gewandt. Mit Augen voll Liebe
356
Suchte Maria der Römerin Aug' und redete wieder:
357
»wie ist Deine Seele bewegt! Ja, Portia liebt mich!
358
Portia! o, ich war es auch, war der glücklichen Mütter
359
Glücklichste. So hat keine der Mütter geliebt, wie ich liebe!
360
Aber bei Deinem Herzen voll Mitleids, o Römerin, rufe
361
Deine Götter nicht an! Hilf selbst, sie können nicht helfen!
362
Und auch Du vermagst nicht zu helfen, wenn Gottes Rathschluß,
363
Daß er sterbe, beschloß! Allein es würde Pilatus,
364
Wenn des Unschuldigen Blut nicht seine Seele befleckte,
365
Freudiger stehen vor dem Gericht des Gottes der Götter.«
366
Portia schaut' auf sie hin und fing an, leise zu reden:
367
»o, was sag' ich zuerst? was zuletzt? wie voll ist mein Herz mir!
368
Erst sei dieses Dein Trost, ist es anders Trost Dir: Ich will Dir
369
Helfen, Du Theure! Dann wisse, die Götter, welche Du meintest,
370
Fleht' ich nicht an. Ein heiliger Traum, von dem ich jetzt aufsteh',
371
Lehrte mich bessere Götter; zu denen hab' ich gebetet.
372
Sieh, ein Traum, wie noch keiner um meine Seele geschwebt hat,
373
Ach, ein himmlischer, schreckender Traum! Ich würde Dir helfen,
374
Wärst Du auch nicht, Maria, gekommen. Der Traum, den ich sahe,
375
Hatte mir schon für Dich mit mächtiger Stimme gesprochen.
376
Aber er endete fürchterlich, und ich verstand ihn zuletzt nicht.
377
Da erwacht' ich und fand mich in kalten Schweißen. Ich eilte
378
Gleich, den erhabnen Verklagten zu sehn. Da hatten die Götter
379
Mir des Verklagten Mutter gesandt!« Hier schwieg sie und winkte
380
Einer Sklavin, die ferne von ihr in der Tiefe des Gangs stand.
381
Denn sie gab den Befehl, da aus ihren Hallen sie eilte:
382
Eine Sklavin sollte sie nur in der Ferne begleiten.
383
Diese nahete jetzt und empfing die neuen Befehle:
384
»geh zu Pilatus und sag ihm: ›Er ist ein großer, gerechter,
385
Göttlicher Mann, den Du richtest! verdamme Du nicht den Gerechten!
386
Um des Göttlichen willen, Pilatus, hat ein Gesicht mich
387
Heut im Schlafe geschreckt!‹ So stille denn, liebende Mutter,
388
Deine Schmerzen und komm, daß ich unter die Blumen Dich führe
389
Dort in die Morgensonne, damit wir die Menge nicht hören,
390
Und ich Dir sage, was mich die ernste Stunde gelehrt hat.«
391
Portia sprach's, und sie stiegen hinab. Die edlere Heidin
392
Sieht mit ernstem Angesicht nieder. Noch schweigt sie, voll Wunderns
393
Ueber den Traum und vertieft in neue Gedanken. Ihr Engel
394
Hatt' in ihre Seele den Traum gegossen und immer
395
Aus den Lieblingsgedanken, die sie am Feurigsten dachte,
396
Neue Gedanken entwickelt, in ihrem Herzen die feinsten,
397
Zartesten Saiten gewisser zu treffen und ganz sie zu rühren.
398
Jetzt entreißt sie sich ihren Betrachtungen, sagt zu Maria:
399
»sokrates – zwar Du kennest ihn nicht, doch ich schaure vor Freuden,
400
Wenn ich ihn nenne: das edelste Leben, das jemals gelebt ward,
401
Krönt' er mit einem Tode, der selbst dies Leben erhöhte –
402
Sokrates, immer hab' ich den Weisen bewundert, sein Bildniß
403
Unaufhörlich betrachtet, ihn sah ich im Traum. Da nannt' er
404
Seinen unsterblichen Namen: ›Ich Sokrates, den Du bewunderst,
405
Komm' aus den Gegenden über den Gräbern herüber. Verlerne,
406
Mich zu bewundern! Die Gottheit ist nicht, wofür wir sie hielten,
407
Ich in der strengeren Weisheit Schatten, Ihr an Altären.
408
Ganz die Gottheit Dir zu enthüllen, ist mir nicht geboten.
409
Sieh, ich führe Dich nur den ersten Schritt in den Vorhof
410
Ihres Tempels. Vielleicht, daß in diesen Tagen der Wunder,
411
Da die erhabenste That der Erde geschieht, daß ein bess'rer,
412
Höherer Geist kommt und Dich in das Heiligthum tiefer hineinführt.
413
So viel darf ich Dir sagen, und dies verdiente Dein Herz Dir:
414
Sokrates leidet nicht mehr von den Bösen. Elysium ist nicht,
415
Noch die Richter am nächtlichen Strom. Das waren nur Bilder
416
Schwacher, irrender Züge. Dort richtet ein anderer Richter,
417
Leuchten andere Sonnen als die in Elysium's Thale!
418
Sieh, es zählet die Zahl, und die Wagschal'wägt, und das Maaß mißt
419
Alle Thaten! Wie krümmen alsdann der Tugenden höchste
420
Sich in das Kleine! wie fliegt ihr Wesen verstäubt in die Luft aus!
421
Einige werden belohnt, die meisten werden vergeben!
422
Mein aufrichtiges Herz erlangte Vergebung. O, drüben,
423
Portia, drüben über den Urnen, wie sehr ist es anders,
424
Als wir dachten! Dein schreckendes Rom ist ein höherer Aufwurf
425
Voll Ameisen, und
426
Einer Welt gleich. Verdiene Du, sie zu weinen! Was diese
427
Heilige Welt der Geister sehr ernst jetzt feiert, und was mir
428
Selbst nicht enthüllet ward, und ich von fern nur bewundre,
429
Ist: der größte der Menschen, wofern er ein Mensch ist, er leidet,
430
Leidet mehr, wie ein Sterblicher litt, wird am Tiefsten gehorsam
431
Gegen die Gottheit, vollendet dadurch der Tugenden größte.
432
Und dies Alles geschieht um der Menschen willen! und jetzo!
433
Sieh, ihn sah Dein Auge! Pilatus richtet den Thäter
434
Dieser Thaten! Und fließt sein Blut, so hatte noch niemals
435
Lauter der Unschuld Blut gerufen!‹ Hier schwieg die Erscheinung.
436
Aber sie rief, indem sie verschwand, aus den Fernen herüber:
437
›schau!‹ Ich schaute. Da waren um mich aufbebende Gräber,
438
Hingen dicht an die Gräber von allen Himmeln herunter
439
Schwere Wolken; die rissen sich auf bis zur obersten Höhe.
440
Und ein Mann, dem Blut entströmete, ging in die Wolken,
441
Wo sie sich öffneten. Schaaren unzählbarer Menschen zerstreuten
442
Sich auf den Gräbern und schauten mit offnen verlangenden Armen
443
Jenem Blutenden nach, der in die Wolken hineinging.
444
Viele von ihnen bluteten auch. Die weiten Gefilde
445
Tranken ihr Blut und bebten. Ich sah die Leidenden leiden;
446
Aber sie litten mit Hoheit und waren bessere Menschen
447
Als die Menschen um uns. Ein Sturm kam jetzo herüber,
448
Schreckend schwebt' er einher und hüllte die Felder in Nacht ein.
449
Da erwacht' ich.« Sie schwieg. So stutzt ein letzter Gedanke,
450
Wenn er, der Vorsicht Tiefen zu nah, auf einmal zurückbebt.
451
So blieb Portia stehn. Maria wandte gen Himmel
452
Ihr vieldenkendes Auge. »Was soll ich Portia sagen?
453
Zwar ich versteh' es selber nicht ganz, was der Traum Dich gelehrt hat;
454
Aber ich schaue Dich an und verehre Dich. Höhere Geister
455
Werden kommen und Dich in das Heiligthum führen. Doch darf ich
456
Dies Dir sagen, so gern ich, wenn Jene reden, verstumme:
457
Er, der diese wandelnden Himmel so leicht, wie den Sprößling,
458
Der dort keimet, erschuf, der hier dem Menschen ein Leben
459
Voller Müh, voll fliehender Freud' und fliehendes Schmerzes
460
Gab, daß sie nicht vergäßen den Werth der höheren Seele
461
Und es fühlten, daß über dem Grab Unsterblichkeit wohne,
462
Er,
463
Und der Richter der Welt! des Ersten unter den Menschen,
464
Adam's Gott, dann vieler von Adam's Söhnen, dann Abram's,
465
Unseres Vaters! Allein die Art, auf die wir ihm dienen,
466
Ist den Frommen bei uns, wie sehr auch die Stolzen sich aufblähn,
467
Dennoch dunkel. Doch hat sie der Ewige selber geboten!
468
Und er kennet sie, wird sie enthüllen, enthüllet sie jetzt schon.
469
Jesus, der große Prophet, der Wunderthäter, der Redner
470
Gottes, mit namlosen Freuden, mit Schauer – mit Staunen und Ehrfurcht
471
Nenn' ich ihn Sohn – er kam, es zu thun! Ich sollt' ihn gebären!
472
Jesus sollt' er heißen, er sollte die Menschen erlösen,
473
Kündigte mir ein Unsterblicher an. Wir nennen sie Engel;
474
Aber sie sind Erschaffne wie wir. Doch die Götter der Griechen
475
Und des furchtbaren Rom's, wofern sie wären, sie wären
476
Gegen die Engel Sterbliche nur. Als ich in der Hütte
477
Jesus, den Knaben der Wunder, gebar, da sangen ihm Heere
478
Dieser Unsterblichen!« Portia war bei ihr niedergesunken,
479
Hielt die geöffneten Hände gen Himmel empor und erstaunte,
480
Wollt' anbeten, wollte mit leiser Stimme Jehovah
481
Nennen; allein sie fühlt es, sie darf den größten der Namen
482
Noch nicht nennen. Sie hub sich empor und schaute mit Wehmuth
483
Auf die Mutter und sprach: »Er soll nicht sterben;«
484
M. »Das wird er!
485
Ach, schon lang' hat mir der Kummer mein Leben belastet;
486
Denn er sagt es, Portia, selbst. Was mir und den Frommen,
487
Die ihm folgen, vor allem Geheimnißvollen am Schwersten
488
Und Unerforschlichsten ist: Er hat zu sterben beschlossen!
489
Ach, nun reißt sie von Neuem mir auf, die Wund' in der Seele!
490
Deine Gespräche von Gott bedeckten sie leise; nun reißt sie
491
Wieder auf und blutet, die tiefe Wunde! Dich segne
492
Gott, ja, Abraham's Gott, er segne Dich! Aber, o, wende
493
Dies Dein weinendes Auge von mir! Es tröstet umsonst mich!
494
Denn er beschloß, zu sterben, und stirbt!« Die Stimme verließ sie.
495
Lange standen sie Beide mit weggewendetem Antlitz.
496
Endlich, wie ein Sterbender sich noch einmal zum Freunde
497
Kehrt, sprach Portia noch: »O Du, Du theurste der Mütter!
498
Mutter, ich geh' und weine mit Dir bei dem Grabe des Todten!«
499
So besprachen sie sich. Die Hohenpriester begleiten
500
Zu Herodes den göttlichen Sohn, mit ihnen die Menge.
501
Und schon lies ein Geschrei durch des Fürsten Palast: Den Jesus
502
Aus Galiläa, den großen Propheten sende Pilatus
503
Zu Herodes! Der Fürst versammelt der Höflinge Haufen
504
Eilend um sich und sitzt. Dann sagt er zu ihnen: »Es soll mir
505
Dieser Tag es entscheiden! Ihr habt es Alle vernommen,
506
Was der erhöhende Ruf nicht verschwieg. Die Kranken mit Worten
507
Heilen, mit Worten vom Tod erwecken: und dennoch gefangen?
508
Seht, ich staune wie Ihr!« So sagt' er und sagte nicht Alles,
509
Was er dachte. Sein Herz war ihm viel stolzer geschwollen.
510
»ja, der größte Prophet von unsern Propheten, er neigt sich
511
Als Verklagter vor mir! Ich bin sein Richter, gebiet' ihm,
512
Wunder zu thun! Wofern er sie thut – wie könnt' er? es sind ja
513
Keine möglich – doch thut er so was, so hat ihm Herodes
514
Wunder geboten, und thut er sie nicht, so ist er doch immer
515
Jener Berühmte, dem Palmen Jerusalem streut' und Hosanna
516
Sang, deß Richter ich bin!« Ihn unterbrachen die Priester,
517
Die mit hallendem Schritt in die Säle traten. Doch Jesus
518
War noch unter dem Volke, das ihn umdrängte. Nun wollten
519
Tausend ihn sehn, dann wieder Tausend. Sie stürmeten, ruften,
520
Standen, weineten, staunten, verfluchten, segneten! Jesus
521
Ging in diesem Sturme mit jener erduldenden Stille,
522
Welche die Sprache zwar nennt, doch die Seele so hoch nicht hinaufdenkt,
523
Als sie der Mittler empfand. Auch sah in der Fern' er die Seinen,
524
Kannte den ewigen Trost, der in ihre Seelen Entzückung
525
Strömen sollte. Schon wart Ihr gezählt, Ihr Thränen der Freude!
526
Aber sie weineten diese noch nicht. Die Meisten von ihnen
527
Waren unter dem Volk und drangen zu ihm, um den letzten,
528
Ach, den letzten Segen zu flehn. Die strömende Menge
529
Zwang sie zurück. Sie versuchten es oft; doch sie hatte die Menge
530
Einmal in ihre Wirbel gefaßt, die Jünger und Petrus,
531
Petrus mit schwerem Herzen und müdem Auge voll Jammer,
532
Und Johannes und Dich, Lebbäus! Nathanael, Viele
533
Von den Siebzigen, viele der Freundinnen Jesus', Maria
534
Magdale, Maria, die Mutter der Zebedäiden;
535
Aber nicht Lazarus' Schwester, die lag, zu sterben. Maria
536
Magdale hielt sich nicht mehr; sie erkannte neben sich Einen,
537
Dem der Messias das Aug' einst aufthat: »Hilf mir, wofern Du
538
An die Stunde noch denkst, da er Dir die Sonne zurückrief!
539
Hilf mir und führe mich durch die Wüthenden, daß ihn mein Auge
540
Einmal noch seh', ihn noch einmal segne! Sie wollen ihn tödten!«
541
Aber sie flehte vergebens. Der Dankbare konnt' ihr nicht helfen.
542
Petrus war zu beängstet, sich wieder zu nahen. Johannes
543
Blieb auf einer entfernteren Anhöh', sah den Messias,
544
Betete. »Mutter der Zebedäiden,« sagte Lebbäus
545
Zu Maria, indem sie ihr Antlitz vor Wehmuth verhüllte,
546
»du bist eine glückliche Mutter! O, schau Du gen Himmel,
547
Schau und lächle! Doch sie, die den Wunderthäter, den Frommen,
548
Die den Gerechten gebar, die Mutter des göttlichen Sohnes,
549
Sie! Er legt sich trübe vor mich, wohin ich mich wende,
550
Ach, ich fühl' ihn, fühle den bangen Gedanken! versteh' Dich,
551
Mutter! empfinde Dir nach, wie Deine Seele vor Jammer
552
Stumm wird! Erbarmt Euch, Ihr Todesengel, und leitet die Mutter,
553
Daß sie den Sohn im Tode nicht seh'!« So sagte Lebbäus.
554
Jetzo ging der Richter der Welt in Herodes' Palaste;
555
Und sie führeten ihn vor den Fürsten. So lassen gestrafte
556
Schwindelnde Denker vor sich erscheinen die Vorsicht, geben
557
Ihr Gedanken des Staubes und richten die Vorsicht Gottes;
558
Aber die Ewige zeigt sie dem kommenden Donner. Herodes
559
Staunete, da er ihn sah. So sehr sein Stolz sich empörte,
560
Staunt' er doch. Die Hoheit, so viel unerschütterte Stille
561
Hatte der Fürst nicht erwartet. Er sah ihn lange mit
562
Blick an. Endlich bezwang der Stolz das Erstaunen; er sagte:
563
»deine Wunder, Prophet, sie sind in die Länder erschollen,
564
Und ich hörte davon. Doch des Rufes Stimme vergrößert
565
Oder verkleint, und selten, daß er die Thaten erzählte,
566
Wie sie waren. So zeig denn, Prophet, wofür ich die Wunder
567
Halten solle, die Dir, vielleicht zu klein noch, der Ruf gab!
568
Nicht, als ob ich zweifle, Du hab'st sie vollendet; mein Auge
569
Wünscht nur, Dich handeln zu sehn, nur Dich zu bewundern! Und weil Du
570
Eh denn Abraham warst, so bist Du auch größer als Moses,
571
Größer als alle Propheten nach ihm, so ist es auch Deiner
572
Würdig, über sie Alle durch übertreffende Wunder
573
Dich zu erhöhn! Und daß die Wahl Dich nicht weile, so sondr' ich
574
Nur erhabne Dir aus. Sieh, jedes ist würdig des Thäters.
575
Dort erhebt Moria sich. Schau des Tempels Gewölbe
576
Und die Zinne des glänzenden Tempels, sie thürmt sich empor! sprich:
577
Neige Dich, Zinne, vor dem Propheten! Im Schooße des Tempels
578
Lieget David's Gebein. Wie würde der heilige König
579
Jauchzen, wenn er Jerusalem säh'! wie würden wir staunen,
580
Wenn wir ihn sähen! O, ruf, Prophet, den Gebeinen des Königs,
581
Daß er die dunkeln Wölbungen flieh' und lebend herumgeh'!
582
Aber Du schweigst! So gebeut dem Jordan: Erhebe Dich, Jordan!
583
Wende den wogichten Strom und fleuß um Jerusalem, schütze
584
Ihre schimmernden Thürme, dann kehr in Genezaret wieder!
585
Oder befiehl's dem Sion, daß er sich erhebe, dem Himmel
586
Näher sich lagr' auf des Oelbergs Gipfel! Es schaun ihm die Völker
587
In dem großen, umhergeworfenen Schatten erstaunt nach!
588
Noch verstummst Du!« Er sagt's und wußte nicht, wem er es sagte,
589
Wußte nicht, daß der gefürchteten Hügel und der gebückten
590
Königreiche Tyrann vor Dem, mit welchem er red'te,
591
Nur erhöhterer Staub sei. Herodes rief ihm noch einmal:
592
»und Du verstummest?« Der Gottmensch sah mit
593
Seiner Hoheit ihn an. Der Fürst verkennt ihn in Allem;
594
Denn er glaubt, der Prophet veracht' ihn. Da stand er in Grimm auf.
595
Kaiphas sah ihn ergrimmen, ergriff den Augenblick, sagte:
596
»nun entdeckest Du selbst, nun siehest Du, wer der Prophet sei!
597
Sieh, er verstummte vor Dir, als Du die Wunder verlangtest!
598
Kann er sie thun? Doch wähnt es der Pöbel, wähnen es selber
599
Einige Schwache unsrer Versammlung. Wer wider des Bundes,
600
Wider Moses' Gesetz mit oftgewarnter Verblendung
601
Kühn sich erhebt, kann der von Gott mit Wundern gesandt sein?
602
Unsere Bundes Entweihung, den rauchenden Sina, die Schrecken
603
Gottes auf Sina, die rufenden Wetter, den Schall der Posaune,
604
Moses im Dunkeln des bebenden Bergs will Kaiphas rächen!
605
Doch er empörte sich auch zum Könige, häufte Judäa
606
Um sich herum und zog, von lautem Jubel begleitet,
607
In Jerusalem ein! Sie streuten ihm Palmen, sie warfen
608
Ihre Gewande vor ihn und ruften: Hosanna dem Sohne
609
David's, Hosanna! und Sion erscholl, und die Hallen Moria's
610
Klangen dem König Hosanna, dem Gottgesegneten! Siehe,
611
Sieh, er kömmt in dem Namen des Herrn! Streut Palmen! Hosanna!
612
In der Höhe der Himmel Hosanna! Bei David's Gebeinen,
613
Bei der erschütterten Gruft, dem Gebein Herodes' des Großen,
614
Deines Vaters, ha, die Entweihung räch Du, Herodes!«
615
Philo lächelte Kaiphas zu, wie entflammt auch sein Haß war.
616
Aber Herodes gebot mit bitterem Spotte: »Man kleid' ihn
617
In das weiße Gewand, mit dem die Römer sich kleiden,
618
Wenn sie sich ihren Würden bestimmen! Pontius urtheilt
619
Weise, kennt das Verdienst! Er wird ihn zum Könige weihen,
620
Zu dem Hosanna, den Palmen ihm Purpur geben und Kronen!«
621
Also sagt' er und wandte sich weg. Die Wache des Fürsten
622
Kleidete Jesus ins weiße Gewand und schaut' ihn mit Hohn an.
623
Endlich sandt' ihn Herodes zurück. Die furchtbare Menge
624
Hatten neue Schaaren gemehrt, die zur Feier des Festes
625
Kamen. Sie gingen unzählbar herauf und begleiteten Jesus.
626
Rings ertönte die thürmende Stadt, da Judäa daherging.
627
Philo sah's; ihn erschreckt's nicht. Der hohe Führer des Schiffs sieht
628
Also das kommende Meer und freut sich der tragenden Fluthen.
629
Philo entdeckt, es sei das Volk noch getheilt, es verehren
630
Jesus viele Tausende noch; allein ihn erschreckt's nicht;
631
Denn die Ehrsucht schwellte das Herz ihm empor und verstieg sich
632
Taumelnd über die Wolken. Den feurigen Sünder umgaben
633
Seine Vertrauteren, Pharisäer. Geflügelte Worte
634
Sprach er zu ihnen; dann sandt' er sie unter das weichende Volk aus.
635
Und sie vertheilten sich schnell. So fleußt von dem Becher des Todfeinds
636
Gift, und jeder Tropfen entzündet den Tod. Die Vertrauten
637
Eilen und unterrichten das Volk, nach seiner Erbittrung
638
Jeder, mit seiner Beredsamkeit, seinen Künsten der sanften
639
Oder strengen Priesterlichkeit, vielzüngichte Redner:
640
»wähnt Ihr, er habe Wunder gethan? Herodes gebot ihm,
641
Wunder zu thun. Er vermocht's nicht! Ihr sahet ihn, wie er verstummt stand.
642
Glauben auch Israel's Väter an ihn? Dem fluch' ich, der Abram
643
Lästerte, der das Gesetz sein ganzes Leben entweiht hat!
644
Siehe, der Priester Gottes verklaget ihn! Sandte Den Gott uns,
645
Den er verläßt? Er verläßt ihn; Ihr seht in der Kett' ihn! Die Heiden
646
Richten ihn, doch zu gelinde; sie kennen nicht ganz den Empörer!
647
Bittet heute nicht um den Gefangnen; die blinden Bewundrer
648
Seiner Thaten, sie möchten für ihn den Römer erbitten,
649
Und Ihr hättet zur Bitte verführt, Euch träfe die Sünde!
650
Männer, Ihr seid das heilige Volk! Euch schimmert der Tempel!
651
Euch nur flammen vom hohen Altar die Opfer gen Himmel!
652
Rächet, Euch ruft der Staub der Propheten, sein heilig Gebein ruft,
653
Abram's Gebein, auf, rächt den größten unter den Vätern!«
654
Also rotteten sie zu ihrer Rotte Judäa.
655
Tausende rissen Tausende fort; der Zweifelnden waren
656
Wenige, weniger noch der Tugendhaften und Treuen.
657
So stehn, wenn der geschmetterte Wald vor dem wilden Orkane
658
Auf vielmeiligen Bergen die langen Rücken herunter
659
Liegt, noch einsame Cedern und tragen die bebende Wolke.
660
Unterdeß hatte Pilatus, für Jesus das Volk zu bewegen,
661
Einen berufnen Gefangnen, von dem viel Sagens im Lande,
662
Ehe die Kett' ihn bändigte, ging, insgeheim in das Richthaus
663
Führen lassen. Itzt kamen zurück das Volk und die Priester.
664
So wie hinauf sie nach Gabbatha gingen, so ward der Gefangne
665
Gegen sie her auf der Höhe geführt. Sein glühendes Auge
666
Schweifte seitwärts herum; er hielt den schnaubenden Athem;
667
Nicht die Reue, die Wuth bog ihm den sträubenden Nacken.
668
Also stand er gebückt und schluckte zornigen Schaum ein,
669
Und am nervichten Arme klirrt' ihm die Kette. Pilatus
670
Stellete sich zu der Rechten den Gottversöhner. Der Mörder
671
Sah den Mann in dem weißen Gewande. Der oder er selber
672
Mußte sterben. Der Zweifel durchdrang ihn mit stechendem Feuer,
673
Und sein Herz schlug sichtbar empor. So stand er zur Linken.
674
Aber Pontius sprach und wies zu der Rechten: »Ihr brachtet
675
Diesen Menschen herauf: er wende vom Cäsar das Volk ab.
676
Doch ich hab' ihn verhört und find' ihn nicht schuldig. Auch findet
677
Ihn Herodes nicht schuldig. Ich lass' es nicht zu, daß er sterbe!
678
Aber weil ich das Fest mit Befreiung eines Gefangnen
679
Feire, so geißl' und geb' ich ihn los. Doch Ihr hört die Vernunft nicht!
680
Welchen, so sagt's denn, so wüthet denn, welchen soll ich Euch geben:
681
Barrabas oder Jesus, den Ihr den Gesalbten des Herrn nennt?«
682
Portia sendete jetzo zu ihm: »Er ist ein gerechter,
683
Göttlicher Mann, den Du richtest, verdamme Du nicht den Gerechten!
684
Um des Göttlichen willen, Pilatus, hat ein Gesicht mich
685
Heut im Schlafe geschreckt!« Das sagt' ihm die Sklavin. Das Volk schwieg,
686
Und noch schwieg es, und nun noch immer. Philo erschreckten
687
Ihre Stille, dann die Gehilfen, die kamen und sagten,
688
Daß die Menge noch dort und da dem Empörer getreu sei.
689
Auch erhub sich von fern mit wehmuthsvollem Gelispel
690
Eine Stimme der einst Verstummten, der Lahmen, der Blinden
691
Und der Todten, die Jesus den Frommen, den Menschlichen nannten;
692
Aber das wüthende Murmeln der näheren Haufen verdrang sie.
693
Also wird durch den Sturm in dem tiefen Walde das Rufen
694
Eines hilflosen Kindes zu leisem Laute. So schwindet,
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Vor des Hohen rauschender That, des Weisen bescheidne.
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Philo entdeckt die Gefahr; er weiß, was Pontius meine
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Mit dem Mörder, welchen er bei dem Propheten dem Volk zeigt.
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Doch verläßt er den Römer mit hoher Miene. Voll Stolzes
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Auf die Fessel, die er durch eine Rede dem Volke
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Anzulegen gedenket, geht er auf Gabbatha vorwärts,
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Seines Pöbels Bewundrung. Pilatus sah von dem Richtstuhl
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Mit halbzürnendem Spott ihm nach. Jetzt winkte dem Volke
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Philo; sie schwiegen vor ihm. Er sprach mit geheftetem Blicke:
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»nur mit fliegenden Worten, Ihr Männer Israel, kann ich
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Heut zu Euch reden. Ihr kennt mich. Ich hasse Moses' Verächter.
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Und Dem fluch' ich, der ihm, obgleich die süßere Lippe
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Anders spricht, durch das Leben doch flucht. Mit dieser Gesinnung
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Zeig' ich Euch heut Verderben und Heil. Wählt, Israeliten!
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Barrabas oder Jesus! Er ist, Ihr wißt es, ich weiß es,
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Barrabas ist ein Mörder! Auch Pontius weiß es. Er hätt' ihn,
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Wollt' er Euch nicht zu dem Mitleid herab erniedern, mit Jesus,
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Der so täuschend die Unschuld, auch hier ein Zauberer, nachahmt,
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Nicht vor Euch, Ihr Männer, gestellt. Doch ich lasse die Absicht,
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Welche Pontius hat. Wir sind Besiegte, wir schweigen!
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Aber davon kann Philo nicht schweigen, Ihr Israeliten,
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Daß an dem Abgrundshange, vielleicht schon sinkend, Ihr schwindelt,
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Euer Verderben zu wählen. Ich rede mit Angst; doch red' ich;
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Denn so tief soll der Enkel der großen Väter nicht fallen!
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Dieser Jesus! Was hatt' ich Euch nicht, Ihr Männer, zu sagen,
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Wollt' ich Euch alle seine Verbrechen, sie alle beschreiben!
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Ihre schwarze Gestalt entblößt' ich vor der Versammlung
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Eurer Herrscher. Da hing an meiner Stimme sein Leben.
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Und sie sprachen Tod für ihn aus. An heiligen Steinen
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Rönne sein Blut schon herab; allein wir dürfen nicht tödten!
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Dieser Jesus – damit ich an
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Euch erinnre – der Mann voll Grausamkeit weiß, daß die Römer,
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Wenn er seiner Empörungen Maaß nunmehr erfüllt hat,
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Kommen werden, uns ganz zu verderben. Zu Tausenden standen
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Um ihn die Hörer herum, da er redete von der Belagrung,
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Von der sinkenden Stadt und dem Tempel Gottes in Staube.
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Ihr bewundertet ihn, so wart Ihr geblendet; er aber,
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Er erbarmt sich nicht Euer. Er sieht Jerusalem's Jammer,
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Weiß es, daß er, nur er Urheber der nahenden Angst ist,
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Und fährt fort zu thun, wie er that. Den Tempel in Dampfe,
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Wie er, niemals sich aufzurichten, Moria hinabsinkt!
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Mit dem Tempel, er sieht's, der Versöhnungsopfer Altäre,
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Wie sie sich neigen! Er sieht die hohe Jerusalem weinen!
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Ach, in Asche gekleidet die Königin unter den Städten!
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Ihrer Kinder beraubt! Sie liegen, gesehn von dem Tage,
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Und verwesen! Und welche die Angst und der wüthende Hunger
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Noch in das Grab nicht gestürzt hat, ergreifen heißere Krieger
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Und zerschmettern ihr zartes Gebein an Jerusalem's Trümmer!
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Ach, er sieht's, sie beweint kein Vater, Die starben im Schlachtfeld!
744
Keine Mutter! die Mütter, die waren lange vor Jammer,
745
Lang'vor Jammer vergangen! Er sieht's und erbarmt sich nicht Euer!«
746
Als er endigte, schrien noch andere Priester den Beifall,
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Welchen sie Philo gaben, zum Volk herab. Doch bedurft' es
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So viel Grimm, den Ungestüm nicht, ihr Herz zu bewegen.
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Denn das war schon genug durch eigene Bosheit entschlossen.
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Pontius saß in Gedanken verloren. Er fragte von Neuem:
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»welchen, so redet denn, welchen von Beiden soll ich Euch geben?«
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»barrabas!« stieg ein Geschrei mit einer Wuth, daß die Engel,
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Die um den Göttlichen standen, ihr bebendes Angesicht wandten,
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»barrabas!« stieg es empor. Pilatus entriß dem Erstaunen
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Sich mit Zorn und rief: »Was mach' ich aber mit Jesus,
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Was mit Eurem Gesalbten?« Sie stürmeten, stampften und ruften:
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»laß ihn kreuzigen!« »Aber (noch einmal entschloß sich der Römer,
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Ihre Wuth zu erweichen), was aber hat er verbrochen?
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Nein, er hat den Tod nicht verdient!« Sie wurden ergrimmter,
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Ruften, und ihr Geschrei beseeleten Stimmen der Priester,
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Stammelnd und bleich und knirschend, mit wildem flammenden Auge,
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Riefen sie: »Kreuzige! Kreuzige!« Sion erscholl vom Getöse
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Ihres Rufens, mit ihm die verlassnen Hallen Moria's
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Und die thürmende Stadt, und Staub stieg mit dem Getös auf.
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Pontius sah, zu erschrocken, daß er vergebens für Jesus,
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Ihn zu befrein, arbeite, beschloß unrömisch, das Urtheil
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Ueber den Mann zu sprechen, den er für schuldlos erkannte.
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Furchtsam hatt' er vorher verlassen den hohen Richtstuhl,
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Stieg jetzt wieder hinauf und gab Befehle. Der Sklav kam
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Eilend zurück und trug durch der Priester getheilte Versammlung
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Ein korinthisch Gefäß, drin eine silberne Quelle.
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Und er hielt's vor Pilatus. Der winkte dem Volke. Das Volk stand,
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Blickte schweigend hinauf. Nun rann die Quelle. Pilatus
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Wusch sich feierlich vor dem Volk die Hände. Der Cherub,
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Welcher in Gosen vordem die Hütten schonend vorbeiging,
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Die mit der Lämmer Blute bezeichnet waren, er schwebt' itzt,
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Fürchterlich, mit dem Verderben, mit Gottes Schrecken gerüstet,
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Ueber Juda's Gefilden, das Volk dem Gerichte zu weihen.
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Sein geheftetes Auge verließ des Versöhnenden Blick nicht.
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Und er sah in dem Blicke des Göttlichen mit der Verwerfung
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Eine Thräne vermischt. Der Todesengel begann jetzt
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Jene Worte des Fluchs, die dem Himmel des Richtenden Urtheil
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Kund thun, wenn dem vollen Gericht Nationen gereift sind.
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Wie in der Fern' Erdbeben den Tod weissagen, so rauschte
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Seine Stimme. Dann grub er in eherne Tafeln das Urtheil,
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An des Richtenden Thron es aufzustellen. Pilatus
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Winkte dem Sklaven, sich zu entfernen. Dann rief er zum Volke:
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»nehmt Ihr's auf Euch, Ihr Wüthenden! Ich, ich bin an dem Blute
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Dieses Gerechten nicht schuldig!« Er rief's herunter. Da wendet
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Israel's Engel sein Angesicht weg, erzittert, entfärbt sich
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Und verläßt sie. Sie sprechen ihr Todesurtheil und rufen:
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»ueber uns komme sein Blut und über unsere Kinder!«
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Bleiches Entsetzen und Stille, wie sie um Gräber erstarrt liegt,
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Schauer und Angst, wie des Sterbenden, folgten nun, aber nicht Reue.
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Pontius gebot zu der Rechten und Linken, und Jesus
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Ward in die Halle zur Geißel geführt, zu dem Volke der Mörder.
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Barrabas, als er um sich nicht mehr den eisernen Klang hört
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Und nun frei ist, schüttelt sich, brüllt mit stürmender Freude,
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Steht, verstummet und läuft; dann steht er wieder. Das Volk bebt,
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Wo er sich nahet, zurück. So erschrickt ein heißer Verbrecher
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Vor der vollendeten That. Doch Philo ergetzte der Anblick.
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Auch hätt' er gern den Versöhner begleitet. Er ging an dem Thore
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Hin- und herwärts und stand und hätt' ihn gerne gesehen,
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Gerne Stimmen der Angst von ihm in Triumphe vernommen.
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Aber, o Du, die vom Gottversöhner ihr Antlitz gewandt hat,
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Sing, Sionitin, die Geißlung, das Rohr, den Purpurmantel
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Und die Krone, doch nur mit
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Jetzt ist um ihn die Wache, viel niedrige Seelen, versammelt.
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Und sie kleiden ihn ungestüm aus. So entblättert der Sturmwind
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In der durstenden Wüste, worin kein lebender Quell rinnt,
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Einen einsamen Baum, des Wanderers heißes Verlangen.
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Und sie rissen ihn fort zu einem Pfeiler und banden
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Ihn an den Pfeiler hinauf, und Blut quoll unter der Geißel!
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Du, Eloa, sahst es und sankst von dem Himmel zur Erde.
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Drauf verhüllten sie ihn in einen Mantel von Purpur,
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Gaben in seine Recht' ihm ein Rohr und drückten von Dornen
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Eine Kron' auf sein Haupt, und Blut quoll unter der Krone!
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Und wie ein Sterblicher betet ihn an von dem Staub Eloa.
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Dann ... Doch mir sinket die Hand die Harf' herab; ich vermag nicht
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Alle Leiden des ewigen Sohns, sie alle zu singen!
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Pontius sah, wie er litt, und entschloß sich wieder zum Mitleid,
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Das er empfand, das Volk zu bewegen. Er winkte dem Mittler,
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Ihm zu folgen, und ging heraus nach Gabbatha. Jesus
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Folgt' ihm, aber ermüdet, mit wankendem Schritte. Sie sahn ihn
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Fernher kommen. Pilatus wies zurück mit der Rechte,
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Rief herunter. »Ich führ' ihn heraus, Ihr Israeliten,
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Euch es noch einmal zu sagen, daß er den Tod nicht verdient hat.«
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Jesus kam nun näher; sie sahen es, wie er zum Richtstuhl
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Trat im Purpur heran mit der blutigen Krone. Nun stand er.
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Pontius rief zu ihnen herab mit der Stimme des Mitleids:
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»sehet, welch ein Mensch!« Indem Pilatus es sagte,
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Gab der Versöhner den Engeln, die um ihn bebten, Befehle;
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Nicht durch Worte, sie sahen es in des Göttlichen Antlitz,
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Was er, bewegt von der Jünger Schmerz und der andern Erwählten,
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Ihnen gebot. Geheimere, himmlische Tröstungen waren's,
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Ruh im Elend! »Wenn ich am hohen Kreuze nun blute!
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Wenn ich todt bin und nun, nun unter den Schlafenden liege!«
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Pontius hatte von Neuem gewünscht, das Volk zu erweichen;
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Aber sie zeigten ihm bald, wie fühllos sie blieben. Sie riefen,
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Und das Rufen der Priester erscholl vor dem Brüllen der Menge:
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»kreuzige!« ruften sie wieder. Da brach Pilatus in Zorn aus:
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»nehmet ihn denn und kreuziget ihn! Ich find' ihn nicht schuldig.«
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Pontius spricht's mit geflügelten Worten und wendet sich zornvoll.
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Kaiphas aber ereilet ihn, sagt: »Es sprach schon, Pilatus,
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Unser Gesetz sein Urtheil aus; nach dem muß er sterben;
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Denn er machte sich selbst zum Sohne Gottes.« Der Heide
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Zittert, als er den Namen hört von dem Sohne der Götter.
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Und er ging mit Jesus zurück und fragt' ihn voll Unruh:
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»sage, von wannen Du bist?« Der Gottmensch schwieg bei der Frage.
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Pontius zürnt und sagt: »Du redest also mit mir nicht?
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Weißt Du nicht, daß Dein Tod und Dein Leben in meiner Gewalt sind?«
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Jesus sprach: »Du hättest sie nicht, wär' Dir sie von oben
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Nicht gegeben. Doch sind Die schuldiger, die mich verklagen.«
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Pontius geht zur Versammlung zurück. Sie sehen ihn kommen
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Und entdecken an der entflammten Geberde, warum er
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Wiederkomme. Sie schrien ihm entgegen: »Lässest Du, Römer,
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Diesen los, so bist Du des Cäsar's Freund nicht. Denn wer sich
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Selbst zum Könige macht, der empört sich gegen den Cäsar!«
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Pontius ward erbittert, und da er Edlers zu wagen
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Sich zu klein fühlt, spottet er ihrer. Sie aber umringten
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Jesus und führten ihn stolz in wildem Triumph zu dem Tode.
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Und der furchtsame Römer entschlich zu seinem Palaste.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Gottlieb Klopstock
(17241803)

* 02.07.1724 in Quedlinburg, † 14.03.1803 in Hamburg

männlich, geb. Klopstock

deutscher Autor und Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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