Nicht in den Ozean

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Friedrich Gottlieb Klopstock: Nicht in den Ozean Titel entspricht 1. Vers(1759)

1
Nicht in den Ozean
2
Der Welten alle
3
Will ich mich stürzen!
4
Nicht schweben, wo die ersten Erschaffnen,
5
Wo die Jubelchöre der Söhne des Lichts
6
Anbeten, tief anbeten,
7
Und in Entzückung vergehn!

8
Nur um den Tropfen am Eimer,
9
Um die Erde nur, will ich schweben,
10
Und anbeten!

11
Halleluja! Halleluja!
12
Auch der Tropfen am Eimer
13
Rann aus der Hand des Allmächtigen!

14
Da aus der Hand des Allmächtigen
15
Die größern Erden quollen,
16
Da die Ströme des Lichts
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Rauschten, und Orionen wurden;
18
Da rann der Tropfen
19
Aus der Hand des Allmächtigen!

20
Wer sind die tausendmal tausend,
21
Die myriadenmal hundert tausend,
22
Die den Tropfen bewohnen?
23
Und bewohnten?
24
Wer bin ich?

25
Halleluja dem Schaffenden!
26
Mehr als die Erden, die quollen!
27
Mehr als die Orionen,
28
Die aus Strahlen zusammenströmten!

29
Aber, du Frühlingswürmchen,
30
Das grünlichgolden
31
Neben mir spielt,
32
Du lebst;
33
Und bist, vielleicht – –
34
Ach, nicht unsterblich!

35
Ich bin herausgegangen,
36
Anzubeten;
37
Und ich weine?

38
Vergib, vergib dem Endlichen
39
Auch diese Tränen,
40
O du, der sein wird!

41
Du wirst sie alle mir enthüllen,
42
Die Zweifel, alle,
43
O du, der mich durchs dunkle Tal
44
Des Todes führen wird!

45
Dann werd ich es wissen:
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Ob das goldne Würmchen
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Eine Seele hatte?

48
Wärest du nur gebildeter Staub,
49
Würmchen, so werde denn
50
Wieder verfliegender Staub,
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Oder was sonst der Ewige will!

52
Ergeuß von neuem, du mein Auge,
53
Freudentränen!
54
Du, meine Harfe,
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Preise den Herrn!

56
Umwunden, wieder von Palmen umwunden
57
Ist meine Harfe!
58
Ich singe dem Herrn!

59
Hier steh ich.
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Rund um mich ist alles Allmacht!
61
Ist alles Wunder!

62
Mit tiefer Ehrfurcht,
63
Schau ich die Schöpfung an!
64
Denn du!
65
Namenlosester, du!
66
Erschufst sie!

67
Lüfte, die um mich wehn,
68
Und süße Kühlung
69
Auf mein glühendes Angesicht gießen,
70
Euch, wunderbare Lüfte,
71
Sendet der Herr! Der Unendliche!

72
Aber itzt werden sie still; kaum atmen sie!
73
Die Morgensonne wird schwül!
74
Wolken strömen herauf!
75
Das ist sichtbar der Ewige,
76
Der kömmt!
77
Nun fliegen, und wirbeln, und rauschen die Winde!
78
Wie beugt sich der bebende Wald!
79
Wie hebt sich der Strom!
80
Sichtbar, wie du es Sterblichen sein kannst,
81
Ja, das bist du sichtbar, Unendlicher!

82
Der Wald neigt sich!
83
Der Strom flieht!
84
Und ich falle nicht auf mein Angesicht?

85
Herr! Herr ! Gott! barmherzig! und gnädig!
86
Du Naher!
87
Erbarme dich meiner!
88
Zürnest, du, Herr, weil Nacht dein Gewand ist?
89
Diese Nacht ist Segen der Erde!
90
Du zürnest nicht, Vater!
91
Sie kömmt, Erfrischung auszuschütten
92
Über den stärkenden Halm!
93
Über die herzerfreuende Traube!
94
Vater! du zürnest nicht!

95
Alles ist stille vor dir, du Naher!
96
Ringsum ist alles stille!
97
Auch das goldne Würmchen merkt auf!
98
Ist es vielleicht nicht seelenlos?
99
Ist es unsterblich?

100
Ach vermöcht ich dich, Herr, wie ich dürste, zu preisen!
101
Immer herrlicher offenbarst du dich!
102
Immer dunkler wird, Herr, die Nacht um dich!
103
Und voller von Segen!

104
Seht ihr den Zeugen des Nahen, den zückenden Blitz?
105
Hört ihr den Donner Jehovah?
106
Hört ihr ihn?
107
Hört ihr ihn?
108
Den erschütternden Donner des Herrn?

109
Herr! Herr! Gott! barmherzig und gnädig!
110
Angebetet, gepriesen
111
Sei dein herrlicher Name!

112
Und die Gewitterwinde? Sie tragen den Donner!
113
Wie sie rauschen! Wie sie die Wälder durchrauschen!
114
Und nun schweigen sie! Majestätischer
115
Wandeln die Wolken herauf!

116
Seht ihr den neuen Zeugen des Nahen,
117
Seht ihr den fliegenden Blitz?
118
Hört ihr hoch in den Wolken den Donner des Herrn?
119
Er ruft Jehovah!
120
Jehovah!
121
Jehovah!
122
Und der gesplitterte Wald dampft!

123
Aber nicht unsre Hütte!
124
Unser Vater gebot
125
Seinem Verderber
126
Vor unsrer Hütte vorüberzugehn!

127
Ach schon rauschet, schon rauschet
128
Himmel und Erde vom gnädigen Regen!
129
Nun ist, wie dürstete sie! die Erd erquickt,
130
Und der Himmel der Fülle des Segens entladen!

131
Siehe, nun kömmt Jehovah nicht mehr im Wetter!
132
Im stillen, sanften Säuseln
133
Kömmt Jehovah!
134
Und unter ihm neigt sich der Bogen des Friedens.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Gottlieb Klopstock
(17241803)

* 02.07.1724 in Quedlinburg, † 14.03.1803 in Hamburg

männlich, geb. Klopstock

deutscher Autor und Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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