Wirke! Das ist das grosse Gesetz, in des Tempels

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Friedrich Gottlieb Klopstock: Wirke! Das ist das grosse Gesetz, in des Tempels Titel entspricht 1. Vers(1782)

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Wirke! Das ist das grosse Gesetz, in des Tempels
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Tafel gehaun, dass es kund sey, und von Golde
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In den parischen Stein gesenket,
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Wie auf die Lilie wallt

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Goldener Staub. Noch fassest du nicht des Gesetzes
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Ganzen Verstand. Denn es steht war in der Halle
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Nicht geschrieben, allein es fordert's
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Also der heilige Sinn,

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Also, durchdenk's arbeitend, durchdenk's, wenn du ausruhst:
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Gut sey, und stark, und es daure, was du wirkest!
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»daure?« Daure! da liegt's! weit wallst du
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Irre; verliest du dich da,

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Wende! Da schied's durch Gränze sich ab; und der Gränzstein
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Hub sich empor in die Wolken, unersteiglich
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Dem, der ämsig allein für's Leben,
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Heissen Geschäften sich weiht.

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Einfluss der That, wenn jetzt sie geschieht! und nur wenig
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Wirkung bleibt nach, nur ein Schatten, so verschwindet.
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»wenig?« zürnst du. So währt's was länger,
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Bis sie gesunken verglimt.

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Die du bewogst, thun Eignes hinzu, und zuletzt wird
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Dessen so viel, dass der Tropfen in dem Meere
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Nun zerfliesset, vergeht. »Verginge?«
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In die Atome sich löst.

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Nicht, dass dein Thun, verkenne mich nicht, mir nicht heilig
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Wäre, vollführt's, wess auch andre sich erfreuen:
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Nicht verächtlich, wofern es dir nur
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Frommet, verkenne mich nicht!

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Könige sind weitwirkend, auch bleibt's, wie ein Abend
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Schatten; und doch muss auch dieser sich verlieren!
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Ach die Handlung sinkt hin, und klimt nicht
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Über der Sonderung Stein.

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Geist des Gesangs, was rufest du mir, und gebietest
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Anderen Ton? O du kennest noch nicht ganz dich!
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Bey Amphion! auch diese Saite
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Stimte der Grieche für's Herz.

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Könige sind weitwirkend, auch bleibt's, wie ein Abend
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Schatten; und doch muss auch dieser sich verlieren!
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Ach die Handlung sinkt hin, und klimt nicht
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Über der Sonderung Stein.

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Aber wenn, wem die Sterblichkeit ruft, noch, was wirket,
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Hinter sich lässt, noch ein Denken in des Geistes
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Werken, welches von Kraft, von Gutem
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Voll, wo es waltet, uns hält:

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Jenseit ist das der Höhe, die gränzt. Was es wirkte,
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Wirket es stets, wie im Anfang, so von neuem:
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Jahre fliehn; und es strömt sein Einfluss,
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Wie der Beginn sich ergoss.

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Da ist das Werk! und tönet nicht bloss, wie vollbrachte
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Handlungen, nach. Wenn von diesen bis zum fernsten
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Hall sich jede verlor, zum letzten
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Lispel sich; redet es laut!

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Nutzet, doch nicht, wie einst das Geschäft, nur an Einer
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Stäte, zugleich an so vielen, als getrente
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Sich's, nach Mühe, nach Lust, zu ihrer.
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Musse Gefährten ersehn.

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Rührt es, und wird die Rührung zu That; so durchwallt die
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Ähnlichen Pfad mit der andern, die dem eignen
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Quell entfloss. Und gelingt nicht diese
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Rührung dem bleibenden oft?

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Wirke! Das ist das grosse Gesetz, in der Halle
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Marmor gehaun, dass es kund sey; und die Dauer
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Liest der weisere mit, als stünd' es
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Goldenes Gusses mit da.

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Frey ist der Flug der Ode, sie kieset, wonach sie
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Lüstet, und singt's. Was verbeut ihr, dass sie leise
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Schwebe, wenn sie der Schwung, der hoch jetzt
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Steiget, itzt höher, nicht freut.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Gottlieb Klopstock
(17241803)

* 02.07.1724 in Quedlinburg, † 14.03.1803 in Hamburg

männlich, geb. Klopstock

deutscher Autor und Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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