Weiter hinab wallet mein Fuss, und der Stab wird

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Friedrich Gottlieb Klopstock: Weiter hinab wallet mein Fuss, und der Stab wird Titel entspricht 1. Vers(1781)

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Weiter hinab wallet mein Fuss, und der Stab wird
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Mir nicht allein von dem Staube, den der Weg stäubt,
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Wird dem Wanderer auch von Asche
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Näherer Todter bewölkt.

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Schön wird mein Blick dort es gewahr. O der Aussicht
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Drüben! da strahlt's von dem Frühling, der uns ewig
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Blüht, und duftet, und weht. O Pfad, wo
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Staub nicht, und Asche bewölkt.

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Aber sondern muss ich mich, trennen mich, muss von den Freunden
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Scheiden! Du bist ein tiefer bitterer Kelch!
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Ach tränk' ich dich nicht bey Tropfen!
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Leert' ich mit Einem Zuge dich aus,

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Ungestüm aus! wie, wer Durst lechzt,
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Schnell sich erkühlt, sich erlabet an dem Labsal!
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Weg vom Kelche, Gesang! Tiefsinnig
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Hatt' ich geforscht,

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Zweifelnd versenkt, ernster durchdacht: (O es galt da
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Täuschung nicht mit, und kein Wahn mit) Was ihn mache,
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Der, zu leben! entstand, zu sterben!
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Glücklich den? Ich war es, und bins!

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Viel Blumen blühn in diesem heiligen Kranz. Unsterblichkeit
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Ist der Blumen Eine. Der Weise durchschaut
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Ihrer Wirkung Kreis. Sie scheint der Könige Loos;
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Allein die werden in der Geschichte zu Mumien!

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Geburtsrecht zu der Unsterblichkeit
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Ist Unrecht bey der Nachwelt. So bald einst die Geschichte,
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Was ihr obliegt, thut: so begräbt sie durch Schweigen, und stellt
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Die Könige dann selbst nicht mehr als Mumien auf.

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Sie sind nach dem Tode, was wir sind.
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Bleibt, ihr Name; so rettet ihn nur Verdienst,
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Nicht die Krone: denn sie
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Sank mit dem Haupte der sterbenden.

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Voll Durstes war die heisse Seele des Jünglings
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Nach der Unsterblichkeit!
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Ich wacht', und ich träumte
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Von der kühnen Fahrt auf der Zukunft Ozean!

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Dank dir noch Einmal, mein früher Geleiter, dass du mir,
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Wie furchtbar es dort sey, mein Genius, zeigtest.
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Wie wies dein goldener Stab! Hochmastige, vollbesegelte Dichterwerke,
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Und dennoch gesunkene schreckten mich!

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Weit hinab an dem brausenden Gestade
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Lag's von der Scheiter umher.
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Sie hatten sich hinaus auf die Woge gewagt, in den Sturm gewagt;
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Und Waren untergegangen!

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Bis zu der Schwermuth wurd' ich ernst, vertiefte mich
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In den Zweck, in des Helden Würd', in den Grundton,
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Den Verhalt, den Gang, strebte, geführt von der Seelenkunde,
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Zu ergründen: Was des Gedichts Schönheit sey?

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Flog, und schwebt' umher unter des Vaterlands Denkmaalen,
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Suchte den Helden, fand ihn nicht; bis ich zuletzt
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Müd' hinsank; dann wie aus Schlummer geweckt, auf Einmal
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Rings um mich her wie mit Donnerflammen es strahlen sah!

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Welch Anschaun war es! Denn Ihn, den als Christ, ich liebte,
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Sah ich mit Einem schnellen begeisterten Blick,
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Als Dichter, und empfand: Es liebe mit Innigkeit
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Auch der Dichter den Göttlichen!

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Erstaunt über Seine so späte Wahl, dacht' ich nur Ihn!
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Vergass selbst der gedürsteten Unsterblichkeit,
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Oder sahe mit Ruh das betrümmerte Gestade,
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Die Wog', und den Sturm!

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Strenges Gesetz grub ich mir ein in Erzt: Erst müsse das Herz
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Herscher der Bilder seyn; beginnen dürf' ich erst,
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Wäre das dritte Zehend des Lebens entflohn:
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Aber ich hielt es nicht aus, übertrat, und begann!

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Die Erhebung der Sprache,
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Ihr gewählterer Schall,
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Bewegterer, edlerer Gang,
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Darstellung, die innerste Kraft der Dichtkunst;

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Und sie, und sie, die Religion,
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Heilig sie, und erhaben,
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Furchtbar, und lieblich, und gross, und hehr,
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Von Gott gesandt,

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Haben mein Maal errichtet. Nun stehet es da,
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Und spottet der Zeit, und spottet
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Ewig gewähnter Maale,
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Welche schon jetzt dem Auge, das sieht, Trümmern sind.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Gottlieb Klopstock
(17241803)

* 02.07.1724 in Quedlinburg, † 14.03.1803 in Hamburg

männlich, geb. Klopstock

deutscher Autor und Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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