Hoher Genuss der Schöpfung, wenn wir, von des Denkens

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Friedrich Gottlieb Klopstock: Hoher Genuss der Schöpfung, wenn wir, von des Denkens Titel entspricht 1. Vers(1771)

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Hoher Genuss der Schöpfung, wenn wir, von des Denkens
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Feuer entflamt, sie empfinden, sie erblicken,
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Hören, staunen vor ihr, vor ihren
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Blümchen, und Strassen des Lichts!

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Diesem Genuss' erhebt uns beynah, wer uns darstellt,
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Schöpfung, wie du dich dem Sinne, dich dem Geiste
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Offenbarest! wie du aus bittern
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Quellen, aus süssen uns strömst!

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Stellt ihr euch selbst Abwesendes dar: so geniesset
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Ihr es durch euch, wie's der Dichter zum Genuss' euch
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Gegenwärtiget; doch so schnell lässt
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Er nicht erscheinen, als ihr,

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Schweigende. O ihr wandelt nicht, fliegt! Doch wie strebet
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Er, euch zu nahn! denn er weiss es, dass der Lorber
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Für den nahen allein fortgrünet,
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Aber dem fernen verwelkt.

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Denken wir recht; so lieben wir auch der Bemerker
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Wissenschaft, sie, die den Grundbau des Geschafnen
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Gern ergrübe; die Kraft, die Arten,
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Jede Veränderung forscht.

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Selten nicht floss mir froher das Blut, wenn ich sahe,
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Stutzte, wie sie von dem Wesen des Geforschten
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Dachten. Flogen sie irr; so hub doch
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Seele den kühneren Flug.

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Vieles wird sonst durch Lehre bestimt, ist noch manche
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Wissenschaft, die das Gemeine des Erkanten
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Zeiget; hier sich verzeigt, dort gute
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Leiterin Suchenden ist.

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Andres ist ganz dess Wissen und Thun, der erfindet:
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Was wir nicht sehn, durch das Wort so in des Lebens
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Glut, so wahr die Gestalt zu bilden,
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Dass es, als web' es vor uns!

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Wandelt der Schein. Noch dauret der Kampf um den Vorzug.
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Hat ihn das Werk des Erfinders? des Bemerkers?
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Ruh der Hand! auf den Weiser festen
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Blick; und es wäge, wer will!

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Weich du von hier, der selbst nicht bemerkt, und nur nachspricht,
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Eben darum, weil du diess nur, und nichts mehr thust,
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Aufschwillst, weich, du entweihst, und schwatzest
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All dein Geschwätz in den Wind!

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Auch dein Geschwätz von dem, was du nennest der Seele
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Obere Kraft, was die untre, von erhabnern
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Wissenschaften im Sand' aufführend
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Deiner Belehrung Gebäu.

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Wirket vielleicht die Seele nicht ganz, wenn Gestalt sie
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Schaffet, dass wir in dem Leben die Natur sehn?
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Ganz nicht, wenn die Natur durchwandelnd,
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Bis in ihr Leben sie sieht?

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»schweben wohl gar die Schalen dir gleich?« So verschiednes
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Schwebet nicht gleich. »Und dich ahndet bey dem Hinschaun
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Nicht von Blendung?« Mich ahndet! denn ich
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Sagte ja: Schwebet nicht gleich.

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Aber es gilt, ich seh' es, es gilt, wie um's Leben!
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Seyd ihr gerecht? »O du bliebest wohl es selbst nicht,
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Wenn, stets heisser im Streit, wir Sandkorn
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Endlich auch wögen, und Haar!«

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Meint ihr? Da liegt noch eine vor euch von den ernsten
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Wagen! »Und die?« Auch der Nutzen wird gewogen!
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An sich selbst, und zugleich: Oh längrer
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Etwan auch grösserer sey?

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Gottlieb Klopstock
(17241803)

* 02.07.1724 in Quedlinburg, † 14.03.1803 in Hamburg

männlich, geb. Klopstock

deutscher Autor und Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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