Da steht der übrige Stamm des alten Haines umher, Da enget das Thal der Fels herüberragend

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Friedrich Gottlieb Klopstock: Da steht der übrige Stamm des alten Haines umher, Da enget das Thal der Fels herüberragend Titel entspricht 1. Vers(1771)

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Da steht der übrige Stamm des alten Haines umher, Da enget das Thal der Fels herüberragend,
2
Auf dem das einzige Maal der Urjahrhunderte Deutschlands
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Der pfadverlierende Wanderer sieht.

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Der Weidner fabelt ihm her: Ein Riesenross
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Ein hoher Ritter darauf, sprang über das Thal
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Der schönen fliehenden Riesin nach!
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Oben auf der Klippe liess den Fusstritt das Riesenross.

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Druiden haben und Barden, mit erobertem
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Eisen, in den Felsen gehaun das einzige Maal
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Der Urjahrhunderte Deutschlands,
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Den Huf des heiligen weissen Rosses,

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Mit dem Flammenblick, mit der dichten
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Niederströmenden Mähne, dem Sturme selbst
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Zu heben schwer, mit der schmetternden, (es stampfte dann,
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Dass die Erde scholl) mit der zukunftwiehernden Stimme.

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Der begeisterte Barde trat in den Umkreis
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Des nachgebildeten Hufes, und so durch die Weihe
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Der Götter geweiht, weissagt' er, aus des stürzenden Bachs
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Mannichfalten Welle, die Wechsel der feinen Tage;

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Oft blutige: Dass in Winfeld Hermann sich einst
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Ein Maal erbaut' aus Legionengebein!
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Dass Bojokal, der zu treue Deutsche,
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(er weigert' es Hermann, am Maal mitzubaun;

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Und der verbot ihm grössere Treu durch die Fessel)
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Bojokal einst, belohnt von den Welttyrannen, weinete:
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O Wodan! Und Mana! und all' ihr Götter! fehlt zu der Hütt' uns
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Erde; so soll doch Erde zum Grab' uns nicht fehlen!

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Ein Barde weissagt's. O Zukunftwisser!
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Bach in dem Hain,
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Dess übriger Stamm
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Dem weihenden Hufe schüttet,

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An dir, o du der schönen Öde Bach,
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Ging oft mein Cramer, wo du
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Entflohen ihr warest, nicht mehr bergunter rauschetest,
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Ging mein Giseke, ging mein Resewiz dem Haine zu.

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Geboren wurde nicht fern von dir mein Gleim;
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Ich ward an dir geboren. Die Tage nach mir
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Sollen entscheiden, ob aus dir, o mütterlicher Bach,
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Auch ich geweissagt habe.

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Was säumst du? fang an, ich sehe den Schaum,
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Bardiet, fang an, des stürzenden Bachs!
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Vernehme, wie in der Felskluft!
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Das Rauschen der redenden Wog' ertönt!

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Sein Name lebt, welche Thaten er auch gethan hat,
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Hinsiechendes Leben einst, in des Ruhmvergeuders Buch', in dem eignen,
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Schmück' es der Griffel auch, deck' es ein goldener Schild, und steh's
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Im gemähldebehangenen Säulensaal', hinsiechendes Leben!

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Denn betrit er nicht noch
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Die Bahn des vaterländischen Mannes; so schweigt
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Von ihm die ernste Wahrheitsbezeugerin,
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Die Vertraute der Unsterblichkeit, Deutschlands Telyn.

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Sein Name lebt, welche Thaten er auch thun wird,
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Hinsiechendes Leben einst, in des Ehrevergeuders Buch,
54
Schmück' es der Griffel auch, deck' es ein goldener Schild, und steh's
55
Im gemähldebehangenen Säulensaal', hinsiechendes Leben!

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Denn dein ehrenvoll Wort (des Worts Ankündiger trauret!)
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Hältst du das dem Vaterlande nicht; so schweigt
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Auch von dir die ernste Wahrheitsbezeugerin,
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Die Vertraute der Unsterblichkeit, Deutschlands Telyn

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Ah Zukunft! Dampf steigt nun von dem Bach' empor!
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Die beyden Namen,
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(es ist spätere Zukunft, und die
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Scheidet ganz von der edlen Handlung die glänzende!)

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Sie leben, gebückt, gekrümt, eisgrau,
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Starräugig, noch kaum ihr sieches Leben.
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So seh ich sie wallen umher mit des Bachs Dampfe,
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Schattengestalten.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Gottlieb Klopstock
(17241803)

* 02.07.1724 in Quedlinburg, † 14.03.1803 in Hamburg

männlich, geb. Klopstock

deutscher Autor und Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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