So schweigt der Jüngling lang

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Friedrich Gottlieb Klopstock: So schweigt der Jüngling lang Titel entspricht 1. Vers(1768)

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So schweigt der Jüngling lang,
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Dem wenige Lenze verwelkten,
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Und der dem silberhaarigen thatenumgebenen Greise,
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Wie sehr er ihn liebe! das Flammenwort hinströmen will.

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Ungestüm fährt er auf um Mitternacht,
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Glühend ist seine Seele!
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Die Flügel der Morgenröthe wehen, er eilt
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Zu dem Greis', und saget es nicht.

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So schwieg auch ich. Mit ihrem eisernen Arm
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Winkte mir stets die strenge Bescheidenheit!
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Die Flügel wehten, die Laute schimmerte,
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Und begann von selber zu tönen, allein mir bebte die Hand.

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Ich halt es länger nicht aus! Ich muss die Laute nehmen,
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Fliegen den kühnen Flug!
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Reden, kann es nicht mehr verschweigen,
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Was in der Seele mir glüht.

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O schone mein! dir ist dein Haupt umkränzt
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Mit tausendjährigem Ruhm! du hebst den Tritt der Unsterblichen,
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Und gehest hoch vor vielen Landen her!
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O schone mein! Ich liebe dich, mein Vaterland!

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Ach sie sinkt mir, ich hab' es gewagt!
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Es bebt mir die Hand die Saiten herunter;
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Schone, schone! Wie wehet dein heiliger Kranz,
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Wie gehst du den Gang der Unsterblichen daher.

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Ich seh ein sanftes Lächeln,
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Das schnell das Herz mir entlastet;
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Ich sing es mit dankendem Freuderuf dem Wiederhall,
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Dass dieses Lächeln mir ward!

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Früh hab ich dir mich geweiht! Schon da mein Herz
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Den ersten Schlag der Ehrbegierde schlug,
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Erkohr ich, unter den Lanzen und Harnischen
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Heinrich, deinen Befreyer, zu singen.

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Allein ich sah die höhere Bahn,
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Und, entflamt von mehr, denn nur Ehrbegier,
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Zog ich weit sie vor. Sie führet hinauf
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Zu dem Vaterlande des Menschengeschlechts!

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Noch geh ich sie, und wenn ich auf ihr
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Des Sterblichen Bürden erliege;
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So wend' ich mich seitwärts, und nehme des Barden Telyn,
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Und sing, o Vaterland, dich dir!

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Du pflanzetest dem, der denket, und ihm, der handelt!
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Weit schattet, und kühl dein Hain,
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Steht und spottet des Sturmes der Zeit,
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Spottet der Büsch um sich her!

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Wen scharfer Blick, und die tanzende glückliche Stunde führt,
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Der bricht in deinem Schatten, kein Märchen sie,
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Die Zauberruthe, die, nach dem helleren Golde,
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Dem neuen Gedanken, zuckt.

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Oft nahm deiner jungen Bäume das Reich an der Rhone,
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Oft das Land an der Thems' in die dünneren Wälder.
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Warum sollten sie nicht? Es schiessen ja bald
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Andere Stämme dir auf!

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Und dann so gehörten sie ja dir an. Du sandtest
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Deiner Krieger hin. Da klangen die Waffen! da ertönte
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Schnell ihr Ausspruch: Die Gallier heissen Franken!
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Engelländer die Britten!

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Lauter noch liessest du die Waffen klingen. Die hohe Rom
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Ward zum kriegerischen Stolz schon von der Wölfin gesäugt;
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Lange war sie Welttyrannin! Du stürzetest,
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Mein Vaterland, die hohe Rom in ihr Blut!

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Nie war, gegen das Ausland,
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Ein anderes Land gerecht, wie du!
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Sey nicht allzugerecht. Sie denken nicht edel genung,
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Zu sehen, wie schön dein Fehler ist!

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Einfältiger Sitte bist du, und weise,
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Bist ernstes tieferes Geistes. Kraft ist dein Wort,
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Entscheidung dein Schwert. Doch wandelst du gern es in die Sichel, und triefst,
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Wohl dir! von dem Blute nicht der andern Welten!

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Mir winket ihr eiserner Arm! Ich schweige,
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Bis etwa sie wieder schlummert;
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Und sinne dem edlen schreckenden Gedanken nach,
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Deiner werth zu seyn, mein Vaterland.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Gottlieb Klopstock
(17241803)

* 02.07.1724 in Quedlinburg, † 14.03.1803 in Hamburg

männlich, geb. Klopstock

deutscher Autor und Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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