Insel der froheren Einsamkeit

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Friedrich Gottlieb Klopstock: Insel der froheren Einsamkeit Titel entspricht 1. Vers(1767)

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Insel der froheren Einsamkeit,
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Geliebte Gespielin des Wiederhalls
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Und des Sees, welcher itzt breit, dann, versteckt
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Wie ein Strom, rauscht an des Walds Hügeln umher,

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Selber von steigenden Hügeln voll,
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Auf denen im Rohr die Moräne weilt,
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Sich des Garns Tücke nicht naht, und den Wurm
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An dem Stahl, leidend mit ihm, ferne beklagt.

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Flüchtige Stunden verweilt' ich nur
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An deinem melodischen Schilfgeräusch;
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Doch verlässt nie dein Phantom meinen Geist,
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Wie ein Bild, welches mit Lust Geniushand

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Bildete, trotzt der Vergessenheit!
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Der Garten des Fürsten verdorrt, und wächst
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Zu Gesträuch, über des Strauchs Wildniss hebt
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Sich der Kunst meisterhaft Werk daurend empor.

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Neben dir schattet des Sachsen Wald,
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Sein Schwert war entscheidend, und kurz sein Wort!
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Und um dich glänzeten nie Schilde Roms,
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Sein Despot sendete nie Adler dir zu!

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Ruhiger wandelt' in deinem Thal
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Der Göttinnen beste, die sanfte Hlyn.
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Es erscholl freudiges Klangs Braga's Lied
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Um dich her, mischte nicht ein Rufe der Schlacht.

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Über dem stolzeren Strome nur,
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Der Ham sich vorüber ins Meer ergiesst,
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Da umgab Blut den Bardiet, liess den Speer
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Mit des Lieds schreckendem Drohn fliegen der Gott!

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Aber wenn Hertha zum Bade zog,
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So eilete Braga zu dir zurück,
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So begann Lenzmelodie, liess der Gott
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Bey des Lieds Tanze dahin sinken den Speer.

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Seines Gesanges erschallet noch;
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Mich lehret er älteren deutschen Ton,
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Wenn entwölkt wallet der Mond, und es sanft
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Um das Grab derer ertönt, welchen er sang.

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Horchend dem lehrenden Liede, säng'
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Ich deinen Bepflanzer, o Insel, nähm'
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Ich des Hains Flügel, nnd eilt', heilig Laub
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In der Hand, ihm, wo der Ruhm ewiget, nach!

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Aber entweihet, entweihet ward
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Die Leyer, die Flüge des Lobes flog!
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Dem Verdienst selten getreu, rauschte sie
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Um das Ohr dess, der an That dürftig, verschwand.

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Leyer des heiligen Bardenhais,
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Verwünsche des Ehreverschwenders Lied,
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So zuerst, trügenden Glanz, den besang!
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Und der That lautes Verbot, das nicht vernahm!

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Kühner Verschwender! nun glauben sie
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Der edleren Dichter Gesange nicht;
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(es verweh, so wie der Staub jenes Maals,
52
Dess Ruin sinket, es geh unter dein Lied!)

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Täuschen sich, kältere Zweifler noch,
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Wenn jeden geflügelten Silberton,
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So den Schwung über des Hains Wipfel schwingt,
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Das Verdienst dessen gebot, welchen ihr sangt.

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Ja du Verschwender! nun strömt mein Herz
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In höheren wahren Gesang nicht aus!
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Es verweh, so wie der Staub jenes Maals,
60
Dess Ruin sinket, es geh unter dein Lied!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Gottlieb Klopstock
(17241803)

* 02.07.1724 in Quedlinburg, † 14.03.1803 in Hamburg

männlich, geb. Klopstock

deutscher Autor und Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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