Goldener Traum, du, den ich nie nicht erfüllt seh

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Friedrich Gottlieb Klopstock: Goldener Traum, du, den ich nie nicht erfüllt seh Titel entspricht 1. Vers(1767)

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Goldener Traum, du, den ich nie nicht erfüllt seh,
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Strahlengestalt, wie der Tag schön, wenn er aufwacht,
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Kom du dennoch zurück, und schwebe
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Mir vor dem trunkenen Blick!

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Decken sie denn Kronen umsonst, dass des Traumes
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Himlisches Bild sie ins Daseyn nicht verwandeln?
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Soll ihr Marmor sie auch schon decken,
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Wenn die Verwandlung geschieht?

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Königessohn! Edelster! dir, ja die schönste
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Leyer ertönt zu dem schönsten der Gesänge
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Dir, der einst es vollführt! Dein warten
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Ehren der Religion!

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Liess mich das Grab; säng ich von dir! Zu der schönsten
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Leyer ertönt mein Gesang nicht; doch begeistert
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Säng' ich! schöpft aus der Freude tiefsten
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Strömen, Vollführer, dein Lob!

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Gross ist dein Werk! jetzo mein Wunsch. O es weiss der
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Nicht, was es ist, sich verlieren in der Wonne!
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Wer die Religion, begleitet
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Von der geweihten Musik,

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Und von des Psalms heiligem Flug, nicht gefühlt hat
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Sanft nicht gebebt, wenn die Schaaren in dem Tempel
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Feyrend sangen! und, ward diess Meer still,
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Chöre vom Himmel herab!

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Täusche mich lang, seliger Traum! Ach ich höre
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Christengesang! Welch ein Volkheer ist versammelt!
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So sah Kephas vordem fünf Tausend
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Jesus auf Einmal sich weihn.

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Hört ihr? den Sohn singet sein Volk! mit des Herzens
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Einfalt vereint sich die Einfalt des Gesanges!
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Und mehr Hoheit, als alle Welt hat,
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Hebt sie gen Himmel empor!

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Wonnegefühl hebt sie empor, und es fliessen
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Thränen ins Lied! Denn die Kronen an dem Ziele
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Strahlen ihnen! sie sehn um Sion
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Palmen der Himlischen wehn!

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Oben beginnt jetzo der Psalm, den die Chöre
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Singen, Musik, als ob kunstlos aus der Seele
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Schnell sie ströme! So leiten Meister
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Sie, doch in Ufern, daher.

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Kraftvoll, und tief dringt sie ins Herz! Sie verachtet
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Alles, was uns bis zur Thräne nicht erhebet!
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Was nicht füllet den Geist mit Schauer!
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Oder mit himlischem Ernst.

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Himlischer Ernst tönet herab mit des Festes
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Hohem Gesang. Prophezeiung! und Erfüllung!
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Wechseln Chöre, mit Chören. Gnade!
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Singen sie dann, und Gericht!

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Ach von des Sohns Liede beseelt, von der Heerschaar
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Sions entflamt, wie erheben sie ihr Loblied!
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Eine Stimme beginnet leise,
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Eine der Harfen mit ihr.

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Aber es tönt mächtiger bald in dem Chor fort!
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Chöre sind nun in dem Strom schon des Gesanges!
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Schon erzittert das Volk! schon glühet
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Feuer des Himmels in ihm!

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Wonne! das Volk hält sich noch kaum! Die Posaune
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Donnerte schon! und itzt donnert sie von neuem!
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Aller Chöre Triumph erscholl schon!
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Schallt, dass der Tempel ihm bebt!

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Länger nun nicht, länger nicht mehr! Die Gemeine
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Sinket dahin, auf ihr Antlitz zum Altare,
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Hell vom Kelche des Bundes! eilt, eilt!
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Strömt in der Chöre Triumph!

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Ruhet dereinst dort mein Gebein, an der Tempel
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Einem mein Staub, wo der Chorpsalm den Gemeinen
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Tönt; so bebet mein Grab, und lichter
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Blühet die Blume darauf,

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Wenn, an dem Tag', als aus dem Fels der Entschlafne
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Strahlte, der Preis in dem Jubel sich ihm nachschwingt!
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Denn ich hör' es, und: Auferstehung!
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Lispelt ein Laut aus der Gruft.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Gottlieb Klopstock
(17241803)

* 02.07.1724 in Quedlinburg, † 14.03.1803 in Hamburg

männlich, geb. Klopstock

deutscher Autor und Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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