Bekränzt mein Haar, o Blumen des Hains

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Friedrich Gottlieb Klopstock: Bekränzt mein Haar, o Blumen des Hains Titel entspricht 1. Vers(1766)

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Bekränzt mein Haar, o Blumen des Hains,
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Die am Schattenbach des bardischen Quells
3
Nossa's Hand sorgsam erzog, Braga mir
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Brachte, bekränzt, Blumen, mein Haar!

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Es wendet nach dem Strome des Quells
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Sich der Lautenklang des wehenden Bachs.
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Tief, und still strömet der Strom; tonbeseelt
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Rauschet der Bach neben ihm fort.

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Inhalt, den volle Seel', im Erguss
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Der Erfindung, und der innersten Kraft,
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Sich entwirft, strömet; allein lebend muss,
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Will es ihm nahn, tönen das Wort.

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Wohllaut gefällt, Bewegung noch mehr;
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Zur Gespielin kohr das Herz sie sich aus.
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Diesem säumt, eilet sie nach; Bildern folgt,
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Leiseres Tritts, ferne sie nur.

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So säumet, und so eilt sie nicht nur:
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Auch empfindungsvolle Wendung beseelt
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Ihr den Tanz, Tragung, die spricht, ihr den Tanz,
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All ihr Gelenk schwebt in Verhalt.

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Mir gab Siona Sulamith schon
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An der Palmenhöh den röthlichen Kranz
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Sarons. Ihr weiht' ich zuerst jenen Reihn,
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Welcher im Chor hallt des Triumphs,

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Nun rufet seinen Reihen durch mich
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In der Eiche Schatten Braga zurück.
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Hüllte nicht daurende Nacht Lieder ein,
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Lyrischen Flug, welchem die Höhn

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Des Lorberhügels horchten; o schlief'
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In der Trümmer Graun Alzäus nicht selbst:
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Rühmt' ich mich kühneres Schwungs, töne, stolz
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Rühmt' ichs, uns mehr Wendung fürs Herz,

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Als Tempe's Hirt vom Felsen vernahm!
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Und der Kämpfer Schaar in Elis Gefild!
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Als mit Tanz Sparta zur Schlacht eilend! Zeus
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Aus des Altars hohem Gewölk!

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Der grosse Sänger Ossian folgt
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Der Musik des vollen Baches nicht stets.
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Taub ihm, zählt Galliens Lied Laute nur!
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Zwischen der Zahl, schwankt und dem Maass,

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Der Britte; selbst Hesperien schläft!
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O sie wecke nie die Sait' und das Horn
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Braga's auf! Flögen sie einst deinen Flug,
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Schwan des Glasoor; neidet' ich sie!

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Nachahmer, wie Nachahmer nicht sind,
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Du erwecktest selbst, o Flakkus, sie nicht!
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Graue Zeit währet' ihr Schlaf! O, er währt
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Immer, und ich neide sie nie!

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Schon lange mass der Dichter des Rheins
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Das Getön des starken Liedes dem Ohr;
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Doch mit Nacht decket' Allhend ihm sein Maass,
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Dass er des Stabs Ende nur sah.

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Ich hab' ihn heller blitzen gesehn
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Den erhabnen, goldnen, lyrischen Stab!
55
Kränze du, röthlicher Kranz Sarons, mich!
56
Winde dich durch, Blume des Hains.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Gottlieb Klopstock
(17241803)

* 02.07.1724 in Quedlinburg, † 14.03.1803 in Hamburg

männlich, geb. Klopstock

deutscher Autor und Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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