Ich lernt' es im innersten Hain

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Friedrich Gottlieb Klopstock: Ich lernt' es im innersten Hain Titel entspricht 1. Vers(1766)

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Ich lernt' es im innersten Hain,
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Welche Lieder der Barden ah!
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In die Nacht deines Thals sinken, Untergang
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Welch' auf den Höhen der Tag bleibend umstrahlt.

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Ich sahe, noch beb' ich vor ihr!
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Sah der richtenden Norne Wink!
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Ich vernahm, hör' ihn noch! ihres Fluges Schlag,
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Dass bis hinauf in des Hains Wipfel es scholl!

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Gekühlt von dem wehenden Quell,
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Sass und hatt' auf die Telyn sanft
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Sich gelehnt Braga. Jetzt brachte Geister ihm,
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Die sie, in Nächten des Monds, Liedern entlockt,

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Die Norne Werandi, und sie
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Hatt' in Leiber gehüllt, die ganz
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Für den Geist waren, ganz jeden leisen Zug
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Sprachen, Gebilder, als wärs wahre Gestalt;

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Zehn neue. Sie nahten. Nur Eins
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Hatte Minen der Ewigkeit!
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Vom Gefühl seines Werths schön erröthend! voll
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Reize des Jünglings, und voll Stärke des Manns!

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Mit Furchtsamkeit trat es herzu,
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Als es stehen die Norne sah,
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Die allein nach des Tags fernen Hügeln führt,
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Oder hinab, wo die Nacht ewig bewölkt.

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Nachdenkender breitete schon
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Skulda schattende Flügel aus;
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Doch es sank nieder noch ihr der Eichenstab,
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Dessen entscheidender Wink Thoren nicht warnt.

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Die Neune betraten den Hain
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Stolz, und horchten mit trunknem Ohr
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Dem Geschwätz, welches laut Stimmenschwärme schrien,
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Und von dem wankenden Stuhl Richter am Thal.

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Sie schreckte das Lächeln im Blick
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Skulda's nicht, und sie schlummerten
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Noch getäuscht, ahndungsfrey auf den Kränzen ein,
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Welche jetzt grünen ihr Traum, welken nicht sah.

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Ah Norne! ... Sie hub sich im Flug,
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Schwebt', und wies mit dem ernsten Stab'
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In das Thal! Taumellos endlich, schlichen sie
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Kürzeren, längeren Weg, aber hinab!

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Dem Einen nur wandte sie sich
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Nach den schimmernden Hügeln hin!
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Es entfloss Lautenklang ihrer Flügel Schwung,
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Da sie sich wandt', und der Stab Ewigkeit wies!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Gottlieb Klopstock
(17241803)

* 02.07.1724 in Quedlinburg, † 14.03.1803 in Hamburg

männlich, geb. Klopstock

deutscher Autor und Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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