Vergraben ist in ewige Nacht

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Friedrich Gottlieb Klopstock: Vergraben ist in ewige Nacht Titel entspricht 1. Vers(1764)

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Vergraben ist in ewige Nacht
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Der Erfinder grosser Name zu oft!
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Was ihr Geist grübelnd entdeckt, nutzen wir;
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Aber belohnt Ehre sie auch?

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Wer nannte dir den kühneren Mann,
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Der zuerst am Maste Segel erhob?
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Ach verging selber der Ruhm dessen nicht,
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Welcher dem Fuss Flügel erfand!

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Und sollte der unsterblich nicht seyn,
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Der Gesundheit uns und Freuden erfand,
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Die das Ross muthig im Lauf niemals gab,
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Welche der Reihn selber nicht hat?

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Unsterblich ist mein Name dereinst!
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Ich erfinde noch dem schlüpfenden Stahl
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Seinen Tanz! Leichteres Schwungs fliegt er hin,
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Kreiset umher, schöner zu sehn.

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Du kennest jeden reizenden Ton
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Der Musik, drum gieb dem Tanz Melodie!
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Mond, und Wald höre den Schall ihres Horns,
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Wenn sie des Flugs Eile gebeut,

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O Jüngling, der den Wasserkothurn
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Zu beseelen weiss, und flüchtiger tanzt,
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Lass der Stadt ihren Kamin! Kom mit mir,
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Wo des Krystalls Ebne dir winkt!

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Sein Licht hat er in Düfte gehüllt,
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Wie erhellt des Winters werdender Tag
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Sanft den See! Glänzenden Reif, Sternen gleich,
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Streute die Nacht über ihn aus!

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Wie schweigt um uns das weisse Gefild!
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Wie ertönt vom jungen Froste die Bahn!
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Fern verräth deines Kothurns Schall dich mir,
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Wenn du dem Blick, Flüchtling, enteilst.

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Wir haben doch zum Schmause genung
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Von des Hahnes Frucht? und Freuden des Weins?
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Winterluft reizt die Begier nach dem Mahl;
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Flügel am Fuss reizen sie mehr!

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Zur Linken wende du dich, ich will
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Zu der Rechten hin halbkreisend mich drehn;
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Nim den Schwung, wie du mich ihn nehmen siehst:
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Also! nun fleug schnell mir vorbey!

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So gehen wir den schlängelnden Gang
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An dem langen Ufer schwebend hinab.
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Künstle nicht! Stellung, wie die, lieb' ich nicht,
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Zeichnet dir auch Preisler nicht nach.

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Was horchst du nach der Insel hinauf?
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Unerfahrne Läufer tönen dort her!
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Huf und Last gingen noch nicht übers Eis,
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Netze noch nicht unter ihm fort.

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Sonst späht dein Ohr ja alles; vernim,
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Wie der Todeston wehklagt auf der Flut!
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O wie tönts anders! wie hallts, wenn der Frost
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Meilen hinab spaltet den See!

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Zurück! lass nicht die schimmernde Bahn
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Dich verführen, weg vom Ufer zu gehn!
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Denn wo dort Tiefen sie deckt, strömts vielleicht,
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Sprudeln vielleicht Quellen empor.

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Den ungehörten Wogen entströmt,
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Dem geheimen Quell entrieselt der Tod!
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Glittst du auch leicht, wie diess Laub, ach dorthin;
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Sänkest du doch, Jüngling, und stürbst!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Gottlieb Klopstock
(17241803)

* 02.07.1724 in Quedlinburg, † 14.03.1803 in Hamburg

männlich, geb. Klopstock

deutscher Autor und Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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