Lass unsre Fürsten schlummern in weichem Stuhl

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Friedrich Gottlieb Klopstock: Lass unsre Fürsten schlummern in weichem Stuhl Titel entspricht 1. Vers(1764)

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Lass unsre Fürsten schlummern in weichem Stuhl,
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Vom Höfling rings umräuchert, und unberühmt,
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So jetzo, und im Marmorsarge
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Einst noch vergessner, und unberühmter!

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Frag nicht des Tempels Halle; sie nennte dir
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Mit goldnem Munde Namen, die keiner kent:
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Bey diesen unbekränzten Gräbern
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Mag der Heralde, sich wundernd, weilen!

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Lass dann, und jetzt sie schlummern! Es schlummert ja
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Mit ihnen der selbst, welcher die blutigen
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Siegswerthen Schlachten schlug, zufrieden,
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Dass er um Galliens Pindus irrte.

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Zur Wolke steigen, rauschen, ihm ungehört,
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Der deutschen Dichter Haine, Begeisterer,
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Wehn nah am Himmel sie. Doch ihr auch
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Fremdling, erstieg er des Pindus Höh nicht.

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Schnell Fluss, und Strom schnell, stürzen, am Eichenstam,
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In deinem Schatten, Palme, zwo Quellen fort.
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Ihr seht die reinen tiefen Quellen,
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Seht der Dichtenden Grundanlagen.

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Weich, Ungeweihter! deinem zu trüben Blick
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Ist überschleiert Schönheit im Anbeginn;
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Bald rieselt sie nicht mehr als Quelle,
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Giesst in Gefilde sich, reisst das Herz fort!

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Wer sind die Seelen, die in der Haine Nacht
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Herschweben? Liesst ihr, Helden, der Todten Thal?
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Und kamt ihr, eurer späten Enkel
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Rachegesang an uns selbst zu hören?

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Denn ach wir säumten! Jetzo erschrecket uns
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Der Adler keiner über der Wolkenbahn.
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Des Griechen Flug nur ist uns furchtbar,
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Aber die Religion erhöhet

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Uns über Hämus, über des Hufes Quell!
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Posaun', und Harfe tönen, wenn sie beseelt;
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Und tragischer, wenn sie ihn leitet,
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Hebet, o Sophokles, dein Kothurn sich.

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Und wer ist Pindar gegen dich, Bethlems Sohn,
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Des Dagoniten Sieger, und Hirtenknab',
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O Isaide, Sänger Gottes,
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Der den Unendlichen singen konte!

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Hört uns, o Schatten! Himmelan steigen wir
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Mit Kühnheit. Urtheil blickt sie, und kent den Flug.
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Das Maass in sichrer Hand, bestimmen
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Wir den Gedanken, und seine Bilder.

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Bist du, der Erste, nicht der Eroberer
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Am leichenvollen Strom? und der Dichter Freund?
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Ja, du bist Karl! Verschwind, o Schatten,
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Welcher uns mordend zu Christen machte!

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Trit, Barbarossa, höher als er empor;
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Dein ist der Vorzeit edler Gesang! Denn Karl
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Liess, ach umsonst, der Barden Kriegshorn
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Tönen dem Auge. Sie liegt verkennet

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In Nachtgewölben unter der Erde wo
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Der Klosteröden, klaget nach uns herauf
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Die farbenhelle Schrift, geschrieben,
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Wie es erfand, der zuerst dem Schall gab

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In Hermanns Vaterlande Gestalt, und gab
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Altdeutschen Thaten Rettung vom Untergang!
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Bey Trümmern liegt die Schrift, des stolzen
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Franken Erfindung, und bald in Trümmern,

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Und ruft, und schüttelt (hörst du es, Cellner, nicht?)
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Die goldnen Buckeln, schlägt an des Bandes Schild
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Mit Zorn! Den, der sie höret, nenn' ich
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Dankend dem froheren Wiederhalle!

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Du sangest selbst, o Heinrich: Mir sind das Reich
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Und unterthan die Lande; doch misst' ich eh
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Die Kron', als Sie! erwählte beydes
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Acht mir und Bann, eh ich Sie verlöre!

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Wenn jetzt du lebtest, edelster deines Volks,
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Und Kaiser! würdest du, bey der Deutschen Streit
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Mit Hämus Dichtern, und mit jenen
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Am Kapitol, unerwecklich schlummern?

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Du sängest selber, Heinrich: Mir dient, wer blinkt
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Mit Pflugschaar, oder Lanze; doch misst' ich eh
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Die Kron', als Muse, dich! und euch, ihr
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Ehren, die länger als Kronen schmücken!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Gottlieb Klopstock
(17241803)

* 02.07.1724 in Quedlinburg, † 14.03.1803 in Hamburg

männlich, geb. Klopstock

deutscher Autor und Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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