Weht sanft auf ihren Grüften, ihr Winde!

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Friedrich Gottlieb Klopstock: Weht sanft auf ihren Grüften, ihr Winde! Titel entspricht 1. Vers(1760)

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Weht sanft auf ihren Grüften, ihr Winde!
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Und hat ein unwissender Arm
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Ausgegraben den Staub der Patrioten,
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Verweht ihn nicht!

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Veracht' ihn, Leyer, wer sie nicht ehrt!
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Und stamt' er auch aus altem Heldenstamme, veracht' ihn!
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Sie entrissen uns der hundertköpfigen Herschsucht,
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Und gaben uns Einen König!

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O Freyheit,
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Silberton dem Ohre!
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Licht dem Verstand', und hoher Flug zu denken!
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Dem Herzen gross Gefühl!

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O Freyheit! Freyheit! nicht nur der Demokrat
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Weiss, was du bist,
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Des guten Königes glücklicher Sohn
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Der weiss es auch.

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Nicht allein für ein Vaterland,
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Wo das Gesetz, und Hunderte herschen,
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Auch für ein Vaterland,
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Wo das Gesetz, und Einer herscht,

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Ersteiget, wem diesen Tod sein grosses Herz verdient,
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Ein hohes Thermopylä,
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Oder einen andern Altar des Ruhms,
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Und locket sein Haar, und stirbt!

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Unsterblichkeit dir!
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Mit Blumenkränzen umwindet
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Die Muse dein heiliges blutiges Haar!
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Und weinet Mutterthränen dir nach!

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Süss und ehrenvoll ist es, sterben für's Vaterland!
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Für Friederich!
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Und für des edlen Vaters
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Glückliche Kinder, sein Volk!

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Ich seh', ich seh', ein Geist der Patrioten
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Entflammet der Krieger Schaar!
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Du fliessest, fliessest,
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Blut für das Vaterland!

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Namen jetzt nicht bekanter, als andere Namen sind,
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Fliegen wie Adler empor!
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Die Mutter, die Braut trocknen die bebende Thräne schnell,
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Denn des Todten Verdienst entweihten Thränen!

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Allein mit Weisheit, die männlicher,
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Mit Vaterliebe, die edler, als Muth zu kriegen, ist,
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Hält Friederich sein Schwert zurück;
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Europa donnert! er schweigt.

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Dank dir! unser Vater,
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Dass wir dein Fest, und unser Fest,
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Unter des segentriefenden Friedens
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Beschattendem Fittige feyren!

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Nicht mit der lärmenden Pracht
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Der Freude, welche nur schimmert, und tönt,
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Nein, deiner würdiger, Friederich,
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Mit tiefanbetendem Preise des Weltbeherschers,

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Der uns dich, und deine Väter gab,
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Mit stiller Ruh feyren wir,
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Mit Freude tief in dem Herzen,
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Und ihrer entzückenden Thräne!

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Entschlafnes Jahrhundert!
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Hebe dein niedergesunkenes Haupt noch Einmal empor,
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Und gieb dem neuen Jahrhundert
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Den Segen, welchen du hattest!

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Es hebt aus seinem Grabe sich auf,
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Und segnet:
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Nur Friederich und Christian
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Sollen das neue Jahrhundert beglücken!

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Das flehen wir, und unsre Kinder,
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Vorsehung, dich an!
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Dich an, die jetzo die Völker
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Mächtig erinnert, sie hersche!

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Hört ihr der Herscherin donnernde Wage nicht klingen?
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In ihren furchtbaren Klang
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Schreyen Blut und Elend!
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Nur wenige singen von Friedlen darein!

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Die donnernde Wage tönet fort, und wägt!
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Ein Sandkorn mehr, jetzt in die Eine,
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Dann in die andere Schaale,
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Ist Sieg voll Blut und Elend!

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Noch werden der Krieger Stolzeste sagen: Nicht deine brüllenden Tode
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Schrecken mich, nicht deine Wetter, Schlacht!
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Aber das Sinken und Steigen der göttlichen Wagschaal,
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Und ihr Todeston schrecken mich!

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O Vorsehung, beschleuss doch endlich,
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Endlich die blutigen
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Wieder besiegten Siege,
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Mit Einem, der Frieden gebeut!

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So wollen unser Vater, und wir,
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Er, dass er uns liebet!
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Wir, dass wir ihn lieben!
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Ohne Wehmuth uns freun!

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Wie glücklich sind wir!
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Weht über der Patrioten Gebein, ihr Winde, sanft!
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Auch an Friederichs ungehinderter Liebe
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Haben sie Theil!

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O du, das uns mit jeder fröhlichen Hofnung umlächelt,
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Festliches erstes Jahr!
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Mit dem Flügel der Sommermorgenröthe,
96
Schwebst du dem Tage voran!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Gottlieb Klopstock
(17241803)

* 02.07.1724 in Quedlinburg, † 14.03.1803 in Hamburg

männlich, geb. Klopstock

deutscher Autor und Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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