O du, der Traube Sohn, der im Golde blinkt

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Friedrich Gottlieb Klopstock: O du, der Traube Sohn, der im Golde blinkt Titel entspricht 1. Vers(1753)

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O du, der Traube Sohn, der im Golde blinkt,
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Den Freund, sonst Niemand, lad' in die Kühlung ein.
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Wir drey sind unser werth, und jener
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Deutscheren Zeit, da du, edler Alter,

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Noch ungekeltert, aber schon feuriger
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Dem Rheine zuhingst, der dich mit auferzog,
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Und deiner heissen Berge Füsse
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Sorgsam mit grünlicher Woge kühlte.

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Jetzt, da dein Rücken bald ein Jahrhundert trägt,
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Verdienest du es, dass man den hohen Geist
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In dir verstehen lern', und Kato's
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Ernstere Tugend von dir entglühe.

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Der Schule Lehrer kennet des Thiers um ihn,
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Kennt aller Pflanzen Seele. Der Dichter weiss
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So viel nicht; aber seiner Rose
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Weibliche Seele, des Weines stärkre,

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Den jene kränzt, der flötenden Nachtigall
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Erfindungsvolle Seele, die seinen Wein
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Mit ihm besingt, die kennt er besser,
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Als der Erweis, der von Folgen triefet.

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Rheinwein, von ihnen hast du die edelste,
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Und bist es würdig, dass du des Deutschen Geist
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Nachahmst! bist glühend, nicht aufflammend,
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Taumellos, stark, und von leichtem Schaum leer.

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Du duftest Balsam, wie mit der Abendluft
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Der Würze Blume von dem Gestade dampft,
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Dass selbst der Krämer die Gerüche
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Athmender trinkt, und nur gleitend fortschift.

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Freund, lass die Hall' uns schliessen; der Lebensduft
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Verströmet sonst, und etwa ein kluger Mann
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Möcht' uns besuchen, breit sich setzen,
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Und von der Weisheit wohl gar mit sprechen.

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Nun sind wir sicher. Engere Wissenschaft,
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Den hellen Einfall, lehr uns des Alten Geist!
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Die Sorgen soll er nicht vertreiben!
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Hast du geweinte, geliebte Sorgen,

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Lass mich mit dir sie sorgen. Ich weine mit,
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Wenn dir ein Freund starb. Nenn ihn. So starb er mir!
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Das sprach er noch! nun kam das letzte,
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Letzte Verstummen! nun lag er todt da!

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Von allem Kummer, welcher des Sterblichen
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Kurzsichtig Leben nervenlos niederwirft,
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Wärst du, des Freundes Tod! der trübste;
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Wär sie nicht auch die Geliebte sterblich!

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Doch wenn dich, Jüngling, andere Sorg entflamt,
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Und dirs zu heiss wird, dass du der Barden Gang
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Im Haine noch nicht gingst, dein Name
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Noch unerhöht mit der grossen Fluth fleusst;

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So red'! In Weisheit wandelt sich Ehrbegier,
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Wählt jene. Thorheit ist es, ein kleines Ziel
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Das würdigen, zum Ziel zu machen,
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Nach der unsterblichen Schelle laufen!

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Noch viel Verdienst ist übrig. Auf, hab es nur;
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Die Welt wirds kennen. Aber das edelste
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Ist Tugend! Meisterwerke werden
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Sicher unsterblich; die Tugend selten!

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Allein sie soll auch Lohn der Unsterblichkeit
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Entbehren können. Athme nun auf, und trink.
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Wir reden viel noch, eh des Aufgangs
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Kühlungen wehen, von grosseu Männern.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Gottlieb Klopstock
(17241803)

* 02.07.1724 in Quedlinburg, † 14.03.1803 in Hamburg

männlich, geb. Klopstock

deutscher Autor und Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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