Da Sie, ihr Name wird im Himmel nur genennet!

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Friedrich Gottlieb Klopstock: Da Sie, ihr Name wird im Himmel nur genennet! Titel entspricht 1. Vers(1752)

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Da Sie, ihr Name wird im Himmel nur genennet!
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Ihr sanftes Aug' im Tode schloss,
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Und, von dem Thron', empor zum höhern Throne,
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In Siegsgewande trat,

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Da weinten wir! Auch der, der sonst nicht Thränen Lannte,
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Ward blass, erbebt' und weinte laut!
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Wer mehr empfand, blieb unbeweglich stehen,
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Verstumt', und weint' erst spät.

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So steht mit starrem Blick, der Marmor auf dem Grabe;
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So schautest du ihr, Friedrich, nach!
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Ihr Engel sah, als er zu Gott sie führte,
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Nach deinen Thränen hin.

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O, Schmerz! stark, wie der Tod! Wir sollten zwar nicht weinen,
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Weil sie so gross und edel starb!
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Doch weinen wir. Ach, so geliebt zu werden,
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Wie heilig ist diess Glück!

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Der König stand, und sah, sah die Entschlafne liegen,
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Und neben ihr den todten Sohn.
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Auch er! auch er! o Gott! o unser Richter!
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Ein Friedrich starb in ihm!

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Wir beten weinend an. Weil nun nicht mehr ihr Leben
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Uns lehrt; so lehr uns denn ihr Tod!
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O himlische, bewundernswerthe Stunde,
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Da sie entschlummerte!

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Dich soll der Enkel noch, du Todesstunde, feyren!
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Sie sey ein Fest um Mitternacht!
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Voll heiliger tiefeingehüllter Schauer,
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Ein Fest der Weinenden!

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Nicht diese Stunde nur, sie starb viel lange Tage!
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Und jeder war des Todes werth,
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Des lehrenden des ehrenvollen Todes,
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Den sie gestorben ist.

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Die ernste Stunde kam, in Nebel eingehüllet,
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Den sie bey Gräbern bildete.
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Die Königin, nur sie, vernimt den Fusstritt
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Der kommenden, nur sie

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Hört, durch die Nacht herauf, der dunkeln Flügel Rauschen,
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Den Todeston! da lächelt sie.
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Sey ewig, mein Gesang, weil du es singest,
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Dass sie gelächelt hat!

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Und nun sind Throne nichts, nichts mehr der Erde Grössen,
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Und alles, was nicht ewig ist!
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Zwo Thränen noch! die eine für den König;
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Für ihre Kinder die,

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Und für die liebende, so sehr geliebte Mutter:
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Und dann wird Gott allein geliebt!
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Die Erde sinkt, wird ihr zum leichten Staube;
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Und, nun entschlummert sie.

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Da liegt im Tode sie, und schön des Seraphs Auge,
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Der sie zum Unerschaffnen führt.
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Indem erblasst' die Wang', und sinkt; es trocknen
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Die letzten Thränen auf!

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Schön sind, und ehrenvoll des Patrioten Wunden!
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Mit höhrer Schöne schmückt der Tod
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Den Christen! ihn die letzte Ruh, der sanften
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Gebrochnen Augen Schlaf!

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Nur wenige verstehn, was dem für Ehren bleiben,
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Der liegt, und überwunden hat,
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Dem ewigen, dem gottgeweihten Menschen,
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Der auferstehen soll!

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Fleug, mein Gesang, den Flug unsterblicher Gesänge,
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Und singe nicht vom Staube mehr!
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Zwar heilig ist ihr Staub; doch sein Bewohner
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Ist heiliger, als er!

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Die hohe Seele stand vor Gott. Ihr grosser Führer,
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Des Landes Schutzgeist, stand bey ihr.
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Dort strahlt' es auch, um sie, au ihrer Seite,
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Wo Karolina stand.

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Die grosse Tochter sah vom neuen Thron herunter,
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Sah bey den Königen ihr Grab;
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Der Leiche Zug. Da sah sie auf den Seraph;
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So sprach die glückliche:

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Mein Führer, der du mich zu dieser Wonne führtest,
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Die fern von dort, und ewig ist!
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Kehrst du zurück, wo wir, zum Tod', itzt werden,
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Dann bald unsterblich sind:

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Kehrst du dorthin zurück, wo du des Landes Schicksal,
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Und meines Königs Schicksal, lenkst;
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So folg' ich dir. Ich will sanft um dich schweben,
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Mit dir, sein Schutzgeist seyn!

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Wenn du unsichtbar dich den Einsamkeiten nahest,
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Wo er um meinen Tod noch klagt;
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So tröst' ich seinen Schmerz mit dir! so lispl' ich
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Ihm auch Gedanken zu!

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Mein König, wenn du fühlst, dass sich sein sanftres Leben,
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Und Ruh durch deine Seele giesst;
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So war ichs auch, die dir, in deine Seele,
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Der Himmel Frieden goss!

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O möchten diese Hand, und diese hellen Locken,
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Dir sichtbar seyn; ich trocknete,
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Mit dieser Hand, mit diesen goldnen Locken,
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Die Thränen, die du weinst!

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O, weine nicht! Es ist, in diesem höhern Leben,
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Für sanfte Menschlichkeit viel Lohn,
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Viel grosser Lohn! und Kronen bey dem Ziele,
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Das ich so früh ergrif!

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Du eilst mit hohem Blick, doch länger ist die Laufbahn!
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Mein König, diesem Ziele zu;
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Die Menschlichkeit, diess grösste Lob der Erde!
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Ihr Glück, ihr Lob ist dein.

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Ich schwebe jeden Tag, den du, durch sie, verewigst,
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Dein ganzes Leben, um dich her!
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Auch diess ist Lohn des früherrungnen Zieles,
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Zu sehen, was du thust.

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Ein solcher Tag ist mehr, als viele lange Leben,
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Die sonst ein Sterblicher verlebt!
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Wer edel herscht, hat doch, stürb' er auch früher,
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Jahrhunderte gelebt!

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Ich schreibe jede That, hier wurd ihr Antlitz heller,
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Und himlischlächelnd stand sie auf,
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Ins grosse Buch, aus dem einst Engel richten;
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Und nenne sie vor Gott!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Gottlieb Klopstock
(17241803)

* 02.07.1724 in Quedlinburg, † 14.03.1803 in Hamburg

männlich, geb. Klopstock

deutscher Autor und Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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