Der Seraph stammelt, und die Unendlichkeit

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Friedrich Gottlieb Klopstock: Der Seraph stammelt, und die Unendlichkeit Titel entspricht 1. Vers(1750)

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Der Seraph stammelt, und die Unendlichkeit
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Bebt durch den Umkreis ihrer Gefilde nach
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Dein hohes Lob, o Sohn! wer bin ich,
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Dass ich mich auch in die Jubel dränge?

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Vom Staube Staub! Doch wohnt ein Unsterblicher
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Von hoher Abkunft in den Verwesungen!
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Und denkt Gedanken, dass Entzückung
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Durch die erschütterte Nerve schauert!

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Auch du wirst einmal mehr wie Verwesung seyn,
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Der Seele Schatten, Hütte, von Erd' erbaut,
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Und andrer Schauer Trunkenbeiten
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Werden dich dort, wo du schlummerst, wecken.

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Der Leben Schauplatz, Feld, wo wir schlummerten,
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Wo Adams Enkel wird, was sein Vater war,
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Als er sich jetzt der Schöpfung Armen
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Jauchzend entriss, und ein Leben dastand!

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O Feld vom Aufgang bis, wo sie untergeht
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Der Sonnen letzte, heiliger Todter voll,
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Wenn seh ich dich? wenn weint mein Auge
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Unter den tausendmal tausend Thränen?

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Des Schlafes Stunden, oder Jahrhunderte,
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Fliesst schnell vorüber, fliesst, dass ich aufersteh!
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Allein sie säumen, und ich bin noch
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Diesseit am Grabe! O helle Stunde,

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Der Ruh Gespielin, Stunde des Todes, kom!
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O du Gefilde, wo der Unsterblichkeit
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Diess Leben reift, noch nie besuchter
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Acker für ewige Saat, wo bist du?

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Lass mich dort hingehn, dass ich die Stäte seh!
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Mit hingesenktem trunkenen Blick sie seh!
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Der Erndte Blumen drüber streue,
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Unter die Blumen mich leg', und sterbe!

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Wunsch grosser Aussicht, aber nur Glücklichen,
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Wenn du die süsse Stunde der Seligkeit,
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Da wir dich wünschen, kämst; wer gliche
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Dem, der alsdann mit dem Tode ränge?

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Dann mischt' ich kühner unter den Throngesang
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Des Menschen Stimme, sänge dann heiliger
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Den meine Seele liebt! den Besten
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Aller gebohrnen, den Sohn des Vaters!

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Doch lass mich leben, dass am erreichten Ziel
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Ich sterbe! Dass erst, wenn es gesungen ist
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Das Lied von dir, ich triumphirend
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Über das Grab den erhabnen Weg geh!

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O du mein Meister, der du gewaltiger
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Die Gottheit lehrtest! zeige die Wege mir,
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Die du da gingst! worauf die Seher,
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Deine Verkündiger, Wonne sangen.

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Dort ist es himlisch! Ach, aus der Ferne Nacht,
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Folg' ich der Spur nach, welche du wandeltest:
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Doch fällt von deiner Strahlenhöhe
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Schimmer herab, und mein Auge sieht ihn.

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Dann hebt mein Geist sich, dürstet nach Ewigkeit,
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Nicht jener kurzen, die auf der Erde bleibt;
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Nach Palmen ringt er, die im Himmel
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Für der Unsterblichen Rechte sprossen.

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Zeig mir die Laufbahn, wo an dem fernen Ziel
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Die Palme wehet! Meinen erhabensten
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Gedanken lehr ihn Hoheit! führ ihm
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Wahrheiten zu, die es ewig bleiben!

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Dass ich den Nachhall derer, die's ewig sind,
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Den Menschen singe! dass mein geweihter Arm
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Vom Altar Gottes Flammen nehme!
64
Flammen ins Herz der Erlösten ströme!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Gottlieb Klopstock
(17241803)

* 02.07.1724 in Quedlinburg, † 14.03.1803 in Hamburg

männlich, geb. Klopstock

deutscher Autor und Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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