Einen fröhlichen Lenz ward ich, und flog umher!

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Friedrich Gottlieb Klopstock: Einen fröhlichen Lenz ward ich, und flog umher! Titel entspricht 1. Vers(1748)

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Einen fröhlichen Lenz ward ich, und flog umher!
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Diesen fröhlichen Lenz lehrete sorgsam mich
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Meine Mutter, und sagte:
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Sing, Bardale, den Frühling durch!

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Hört der Wald dich allein, deine Gespielinnen
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Flattern horchend nur sie dir um den Schattenast;
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Singe dann, o Bardale,
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Nachtigallen Gesänge nur.

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Aber tritt er daher, der wie der wachsende
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Ahorn schlank sich erhebt, komt er der Erde Gott,
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Sing dann, glücklicher Sänger,
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Tönevoller, und lyrischer!

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Denn sie hören dich auch, die doch unsterblich sind!
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Ihren göttlichsten Trieb lockt dein Gesang hervor.
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Ach, Bardale, du singest
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Liebe dann den Unsterblichen!

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Ich entflog ihr, und sang, und der bewegte Hain
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Und die Hügel umher hörten mein flötend Lied!
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Und des Baches Gespräche
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Sprachen leiser am Ufer hin.

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Doch der Hügel, der Bach war nicht, die Eiche selbst
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War der Gott nicht! und bald senkte den Ton mein Lied.
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Denn ich sang dich, o Liebe,
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Nicht Göttinnen, und Göttern nicht!

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Jetzo kam sie herauf, unter des Schattens Nacht
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Kam die edle Gestalt, lebender, als der Hain!
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Schöner, als die Gefilde!
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Eine von den Unsterblichen!

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Welches neue Gefühl glühte mir! Ah der Blick
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Ihres Auges! Der West hielt mich, ich sank schon hin!
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Spräch die Stimme den Blick aus;
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O so würde sie süsser seyn,

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Als mein leisester Laut, als der gefühlteste,
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Und gosungenste Ton, wenn mich die junge Lust
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Von dem Zweige des Strauches
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In die Wipfel des Hains entzückt!

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Aug', ach Auge! dein Blick bleibt unvergesslich mir!
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Und wie nennet das Lied? singen die Töne dich?
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Nennt's dich, singen sie: Seele?
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Bist du's, das die Unsterblichen

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Zu Unsterblichen macht? Auge! wem gleich ich dich?
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Bist du Bläue der Luft, wenn sie der Abendstern
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Sanft mit Golde beschimmert?
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Oder gleichest du jenem Bach,

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Der dem Quell kaum entfloss? Schöner erblickte nie
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Seine Rosen der Busch! heller ich selbst mich nie
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Im Kristalle des Flusses,
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Niederschwankend am Frühlingsspross.

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O was sprach itzt ihr Blick? Hörtest du, Göttin, mich?
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Eine Nachtigall du? Sang ich von Liebe dir?
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Und was fliesset gelinder
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Dir vom schmachtenden Aug' herab?

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Ist das Liebe, was dir eilend vom Auge rinnt?
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Deinen göttlichsten Trieb lockt ihn mein Lied hervor?
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Welche sanfte Bewegung
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Hebet dir die beseelte Brust?

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Sag, wie heisset der Trieb, welcher dein Herz durchwallt?
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Reizt ohn' ihn dich Iduns goldne Schaale noch?
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Ist er himlische Tugend?
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Oder Freud' in dem Hain Walhalls?

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O gefeyert sey mir, blumiger zwölfter May,
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Da die Göttin ich sah! aber gefeyerter
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Seyst du unter den Mayen,
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Wenn ich in den Umarmungen

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Eines Jünglings sie seh, der die Beredtsamkeit
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Dieser Augen, und euch fühlet, ihr Frühlinge
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Dieser lächelnden Minen,
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Und den Geist, der diess alles schuf!

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Wars nicht, Fanny, der Tag? wars nicht der zwölfte May,
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Als der Schatten dich rief? wars nicht der zwölfte May,
71
Der mir, weil ich allein war,
72
Öd' und traurig vorüberfloss?

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Gottlieb Klopstock
(17241803)

* 02.07.1724 in Quedlinburg, † 14.03.1803 in Hamburg

männlich, geb. Klopstock

deutscher Autor und Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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