Anderen Sterblichen schön, kaum noch gesehn von mir

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Friedrich Gottlieb Klopstock: Anderen Sterblichen schön, kaum noch gesehn von mir Titel entspricht 1. Vers(1748)

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Anderen Sterblichen schön, kaum noch gesehn von mir,
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Ging der silberne Mond vorbey.
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Thränend wandt' ich von ihm mein melancholisches
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Müdes Auge dem Dunklen zu.
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Dreymal schlug mir mein Herz; dreymal erbebtest du,
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Tochter des ewigen Hauchs, in mir,
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Seele, zur Liebe gemacht; dreymal erschreckte dich
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Deiner Einsamkeit bang Gefühl.
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Hätte die dich gesehn, welcher du zittertest,
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Der du seufzend, Unsterbliche,
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Thränen weintest, wie sie wehmuthsvoll edlere
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Weinen, wäre vielleicht sie nicht
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Durch die Thränen gerührt; hätte vielleicht sie nicht
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Eine Thräne mit dir geweint!
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Aber süssere Ruh deckte mit Fittigen
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Ihres friedsamen Schlummers sie,
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Und ihr göttliches Herz über mein Herz erhöht,
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Hub gelinder des Mädchens Brust.
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Mich nur flohe die Ruh, und mein Gespiele sonst,
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Mein geselliger sanfter Schlaf,
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Ging dem Auge vorbey, und dem getrübteren
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Ihm zu wachen und bangen Blick.
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Tief in die Dämmerung hin sah es, und suchte dich,
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Seiner Thränen Genossin auf,
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Dich, des nächtlichen Hains Sängerin, Nachtigall!
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Doch du sangest mir jetzo nicht.
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Dein mitweinender Ton, dein melancholisch Ach,
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Selbst die Linderung fehlte mir!
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Endlich schlummert' ich ein, und ein Unsterblicher
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Schloss mitleidig das Auge mir.
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Hast du mich weinen gesehn, o du Unsterblicher,
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Der mitleidig mein Auge schloss;
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O so samle sie ein, samle die heiligen
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Thränen in goldene Schalen ein,
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Bring sie, Himlischer! dann zu den Unsterblichen,
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Denen zärtlich ihr Herz auch schlug:
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Zu der göttlichen Rowe, oder zur Radikin,
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Die in Frühlinge sanft entschlief:
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Oder zu Doris hinauf, die noch ihr Haller weint,
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Wenn er die jüngere Doris sieht,
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Dass dann Eine vielleicht, hat sie mein Schmerz bewegt,
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Aus den holden Versamlungen
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Niedersteige, das Herz jener, die inniger
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Mein unsterblicher Geist verlangt,
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Zu erweichen, und sie zu den Empfindungen
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Gleicher Zärtlichkeit einzuweihn!
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Also dacht' ich und schlief. Und der Unsterbliche
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Gab mitleidig mir einen Traum.
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Laura sah ich im Traum, bey ihr den fühlenden,
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Liedervollen Petrarka stehn.
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Sie war jugendlich schön; nicht wie das leichte Volk
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Rosenwangichter Mädchen ist,
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Die gedankenlos blühn, nur in Vorübergehn
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Von der Natur, und in Scherz gemacht,
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Leer an Empfindung und Geist, leer des allmächtigen
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Triumphirenden Götterblicks.
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Laura war jugendlich schön, ihre Bewegungen
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Sprachen alle die Göttlichkeit
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Ihres Herzens, und werth, werth der Unsterblichkeit,
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Trat sie hoch im Triumph daher,
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Schön wie ein festlicher Tag, frey wie die heitre Luft,
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Voller Einfalt, wie du, Natur.
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An ihr klopfendes Herz legte Petrarka sich.
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Also sagte der Glückliche:
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»ach! dein klopfendes Herz, was vor Empfindungen
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Schlägt's mir in den bewegten Geist!
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Jeder wallende Hauch deiner beseelten Brust
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Hebt mich zu den Unsterblichen!
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Ach! wie ruh ich so süss! lass mich! die Seele fasst
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Deiner Liebe Gewalt nicht mehr!
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Laura, Laura! mein Geist hebt sich, voll hoher Lust,
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Auf die Hügel der Seligen!
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Auf die Hügel der Ruh, wo's von Entzückungen
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Taumelnd schwebt um mein trunknes Haupt!
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Singet, Söhne des Lichts, meiner Empfindungen
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Unaussprechliche süsse Lust!
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Singt sie, ich weine sie nur, ja, die Unsterblichkeit
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Wein' ich froh von der Liebe durch!«
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Mein Petrarka! Sie sprachs; aber nun redeten
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Frohe Seufzer und Thränen nur.
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Ach! wie fliesst ihr so sanft, unter Umarmungen,
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Ewigkeiten voll Ruh, vorbey!
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Dass wir dort uns geliebt, ach! wie belohnt uns diess
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Unsrer Namen Unsterblichkeit
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Auf der unteren Welt! Unserer Zärtlichkeit
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Folgt dort Enkel und Enkelin.
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Enkel, die ihr uns folgt, euch soll die goldne Zeit
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Lächelnd Blumen und Kränze strenn!
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Ihr sollt glücklicher seyn, als es die Herscher sind,
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Mehr als siegende Könige!
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Euch gehorche das Spiel, das von der Leyer tönt,
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Singet, würdig der Ewigkeit,
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Würdig der, die euch lieht; gebt sie den folgenden
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Späten Tagen zum Muster hin!
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Enkelinnen, die ihr Laura's Empfindung habt,
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Euch verfliesse die goldne Zeit.
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Wie ein ewiger May, wie ein gefeyrter Tag,
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Unter süssen Umarmungen!
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Ihr sollt glücklicher seyn, als des Eroberers
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Braut! die Tochter des Siegenden!
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Euch nur singe das Spiel, das von der Leyer tönt,
102
Seyd unsterblich, wie Laura ist!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Gottlieb Klopstock
(17241803)

* 02.07.1724 in Quedlinburg, † 14.03.1803 in Hamburg

männlich, geb. Klopstock

deutscher Autor und Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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