Lied, werde sanfter, fliesse gelinder fort

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Friedrich Gottlieb Klopstock: Lied, werde sanfter, fliesse gelinder fort Titel entspricht 1. Vers(1763)

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Lied, werde sanfter, fliesse gelinder fort.
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Wie auf die Rosen hell aus des Morgens Hand
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Der Thau herabträuft, denn dort kömt er
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Fröhlicher heut und entwölkt mein Gellert.

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Dich soll der schönsten Mutter geliebteste
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Und schönste Tochter lesen, und reizender
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Im Lesen werden, dich in Unschuld,
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Sieht sie dich etwa wo schlummern, küssen.

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Auf meinem Schooss, in meinen Umarmungen
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Soll einst die Freundin, welche mich lieben wird,
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Dein süss Geschwätz mir sanft erzählen,
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Und es zugleich an der Hand als Mutter

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Die kleine Zilie lehren. Des Herzens Werth
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Zeigt auf dem Schauplatz keiner mit jenem Reiz,
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Den du ihm gabst. Da einst die beyden
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Edleren Mädchen mit stiller Grossmuth,

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Euch unnachahmbar, welchen nur Schönheit blüht,
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Sich in die Blumen setzten, da weint' ich, Freund,
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Da flossen ungesehne Thränen
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Aus dem gerührten entzückten Auge.

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Da schwebte lange freudiger Ernst um mich.
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O Tugend! rief ich, Tugend, wie schön bist du!
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Welch göttlich Meisterstück sind Seelen,
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Die sich hinauf bis zu dir erheben!

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Der du uns auch liebst, Olde, kom näher her,
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Du Kenner, der du edel und feuervoll,
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Unbiegsam beyden, beyden furchtbar,
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Stümper der Tugend und Schriften hassest!

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Du, der bald Zweifler, und Philosoph bald war,
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Bald Spötter aller menschlichen Handlungen,
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Bald Miltons, und Homerus Priester,
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Bald Misanthrope, bald Freund, bald Dichter,

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Viel Zeiten, Kühnert, hast du schon durchgelebt,
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Von Eisen Zeiten, silberne, goldene!
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Kom, Freund, kom wieder zu des Britten
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Zeit, und zurück zu des Mäoniden!

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Noch zween erblick' ich. Den hat vereintes Blut,
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Mehr noch die Freundschaft, zärtlich mir zugesellt,
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Und den des Umgangs süsse Reizung,
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Und der Geschmack mit der hellen Stirne.

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Schmidt, der mir gleich ist, den die Unsterblichen
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Des Hains Gesängen neben mir auferziehn!
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Und Rothe, der sich freyer Weisheit
44
Und der vertrauteren Freundschaft weihte.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Gottlieb Klopstock
(17241803)

* 02.07.1724 in Quedlinburg, † 14.03.1803 in Hamburg

männlich, geb. Klopstock

deutscher Autor und Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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