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Wir lachen Ehrbarkeit/ ob deinen Kinder Sprechen/
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Und sehen/ daß du jetzt nicht mehr bey Sinnen bist.
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Du kanst die Satzung nicht der süssen Wollust brechen/
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Die alles Frauen-Volck ohn eintzigs weigern küßt:
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Was solte unser Leib in solchen Kleidern gehen/
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Davon der Teuffel nicht zu
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Was wollen wir einmahl das Alterthum besehen?
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So wird der nackte Leib erhalten Palm und Preiß.
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Drum gehe nur hinweg mit deiner Otter-Mütze/
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Wir brauchen nicht den Rock der unsern Pracht verdeckt/
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Der Schleyr und Kragen wird uns jetzo nichts mehr nütze/
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Noch das geschloßne Wamst so fast das Maul versteckt.
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Es ändert sich die Welt/ und diese setzt die Kleider/
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Die wir ihr Eigenthum zu unsern Schmuck anziehn:
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Wir brauchen dich nicht mehr zu einen
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Die Wollust will sich nur anjetzt damit bemühn.
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Wir mögen nun nicht mehr/ so wie die Alten gehen/
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Da uns die junge Welt stets frische Moden giebt
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Uns würde ja kein Mensch in solcher Tracht ansehen/
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Nun alles sich verneut/ und neue Moden liebt.
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Wir sind ein freyes Volck/ und leben nicht gebunden/
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Wir haben deine Macht schon längsten abgethan.
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Wie/ daß du den so keck dich wieder eingefunden?
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Wie/ daß dein scharffer Mund greifft unser Mittel an?
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Wer achtet dein Gesetz/ dein Gifft der frohen Zeiten
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Jetzt kahle Ehrbarkeit von deinen Kleidern mehr?
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Die Wollust lässet uns den Kleider-Schmuck bereiten
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Jhr klug-verschlagnes Haupt ist nie von Moden leer.
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Hingegen muß man stets nach einer Pfeiffen tantzen/
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Wenn man die Kleider noch dir zu Gefallen macht/
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Da muß die freye Brust sich lassen vest verschantzen/
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So daß kein Auge sieht der Liebes-Ballen-Pracht.
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Nun aber legen wir der Wollust reiche Waare/
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Sie braucht die blosse Brust zu einen Lust-Altare
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Wer ist der ihrer Macht wol wiederstehen kan.
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So macht die Blösse uns im minsten nicht verachtet/
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Wie deine Albernheit aus grosser Einfalt spricht/
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Nein/ sondern unser Schatz/ wird als ein Schatz betrachtet
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Worauf ein jedes Hertz den heissen Wunsch gericht.
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Daß aber du uns gar den Barbarn nach wilt setzen/
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Das sehn wir als ein Werck von grosser Dummheit an.
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Es mag die Ehrbarkeit an denen sich ergetzen/
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Da man das Heiligthum des Schoosses schauen kan.
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Wir machen nur die Brust/ und nicht des Schoosses Hallen/
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Einfältge Ehrbarkeit/ du tummes Weibgen/ bloß
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Und doch will dir die Art der Wilden mehr gefallen
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Da man den Augen zeigt durch seinen Gang den Schooß.
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Des aber lachen wir/ als groß’
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Ob würde unsre Brust durch ihre Blöß verletzt/
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Verachtung kan uns nicht mit ihrem Stachel tödten
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Der Brüste theurer Stoff so Aug’ als Hertz’ ergetzt.
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Die Waaren/ so man kan am allerersten lassen
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Die setzt man vor den Kram sie zu ersehen aus/
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Das andre aber muß in seinem Packen passen/
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Darum der Käuffer nicht geht in des Kramers Haus.
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Und o betrognes Weib/ man kan die Pracht erhalten
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Der Brust/ so man entblößt/ als
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Es muß das schöne Gut nicht vor der Zeit veralten/
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Die Kunst ersetzet das was Sturm und Wind einreißt.
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Und dieses lehret uns der uns gefälge Schreiber
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Der allen Damen lieb/ und werth geachtet wird/
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Er zeiget wie man schmückt/ die schon
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Und wie noch größre Pracht durch Kunst wird beygeführt.
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Und will ein Ehren-Dieb schon seine Feder wetzen/
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So bleibt dis unser Spruch: Ein Thor nicht schelten kan
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Und hat ein müß’ ger Kautz sonst nichtes nicht zu hetzen
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So fängst er mit der Brust des Frauen-Zimmers an.
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So dann muß dieser Ort ein über groß Gerüste
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Der bösen Lüste seyn/ und was der Possen mehr
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Uns aber ziert dennoch der Pracht der schönen Brüste
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Und sie erlangen nicht die sehr begehrte Ehr.
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Allein zu unsern Ruhm muß
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Wenn schon einander gleich vor ihn die Feder führt
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Und viele andre mehr die unbenennet bleiben/
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Nun albre Ehrbarkeit wir lachen zu den Dräuen/
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Wird gleich ein grosser Zoll auf unsre Waar gelegt
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Wir werden uns doch nicht sie auszulegen scheuen/
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Weil nach dem theuresten der beste Käuffer frägt.
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Allein wir leben nicht in solchen wilden Jahren
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Da man der Wollust-Frucht mit Zins und Zolle drückt;
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Die Fürsten lieben selbst die angenehmen Waaren
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Damit das Frauen-Volck den weissen Busen schmückt.
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So/ wie die neue Welt und ihre
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Doch wissen wir auch wol/ daß man vor Mannes-Lüste
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So Schrancken setzen muß/ als Gräntze/ Maaß und Ziel.