Neu-Jahrs- Gratulation an einen vorneh- men Minister

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Johann Georg Gressel: Neu-Jahrs- Gratulation an einen vorneh- men Minister (1716)

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Das kluge Alterthum/ von dessen guten Sitten
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Noch keine dieser Zeit so gar verloschen ist/
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Ist recht mit Vorbedacht ins neue Jahr geschritten/
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Wenn
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Und vor den holden West die rauhen Winde-wehen/
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Daß jene muß betrübt nach ihrem Buhlen sehen.
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Die Felder sind dann leer von Früchten und von Leuten
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Der ungestühme
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Und seine Ritter-Schaar will nach den harten Streiten
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So wie ihr Führer still/ und nicht blut-gierig seyn.
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Es ruht zu solcher Zeit/ was diese Welt umschliesset
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Was
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In diese frohe Zeit da Dolch und Degen liegen
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Da lauter Lieblichkeit die stoltze Ruhe reicht/
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Da hat das Alterthum zu jedermanns Vergnügen/
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Das neue Jahr gesetzt/ und dadurch angezeigt/
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Daß denn mit bestem Recht die Wünsche können fliessen/
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Weil
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Jhr Absehn war dabey den Göttern Danck zu geben
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Vor die verliehne Ruh/ sie wünscheten zu gleich
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Daß ferner ihre Huld sie friedlich liesse leben/
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So wären sie so wol am Glück als Gütern reich.
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Am meisten liessen sich dieselbe wünschend hören
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Die vorgenoßne Gunst die Gönner musten ehren.
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Weil nun die neue Welt auch diesen Brauch beliebet/
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So stellt sich meine Pflicht Hoch-Wohlgebohrner ein/
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Mein Arm-seyn aber nichts von Gold und Silber giebet/
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Mein Unvermögen läst mich nicht frey-gebig seyn.
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Der Wille ist zwar da/ doch das Vermögen fehlet/
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Ohn das der Wille todt und gleichsahm ist entseelet.
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Doch seiner Großmuth wird der Wille auch gefallen/
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Denn hohe Leute sind mit solchem offt vergnügt
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Ein
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Wenn ein getreuer Knecht mit Wasser vor ihm liegt/
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Er schaute an das Hertz/ und nicht Geschenck und Gaben/
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Weil unter solchen offt das schärffste Gifft vergraben.
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Ich lege mich nun selbst zu seinen Füssen nieder/
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Und stimme meinen Wunsch mit diesen Worten an:
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Der Himmel schencket uns den frohen Tag jetzt wieder/
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An dem ein jeder jauchtzt/ der nur zwey Worte kan.
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Was von Vergnügen ist in dieser Welt zu finden/
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Hoch-Wohlgebohrner Herr/ das muß sich ihm verbinden.
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Sein Alter steige so wie Noahs seine Jahre/
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Husai beuge sich vor seinen klugen Raht/
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Sein Reichthum wachse so wie Jacobs Haabe ware
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Der Fürst mach’ ihn so groß wie man dem Joseph that.
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Kein Unfall müsse ihm niemahls beschwerlich werden/
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Bis ihm der Himmel wird gegeben vor die Erden.
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Zwar da die Gaben schlecht und kein Geschenck zu nennen/
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So müste wol die Pracht der Worte grösser seyn/
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Doch was verstellet ist/ ist leichtlich zu erkennen
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Prahl-Worte geben nichts als über-tünchten Schein/
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Ein steinern Schau-Gericht und Wind-erfüllte Torten
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Reicht der/ der seine Pflicht bringt in geschminckten Worten.
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Ich bring ein treues Hertz/ das heisse Wünsche reichet/
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Das/ grosser Gönner/ ihm auf ewig ist geschenckt/
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Wenn seine hohe Gunst nur niemahls von mir weichet/
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So bin ich stets vergnügt/ und bleibe ungekränckt.
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Nun Himmel mache wahr was meine Wünsche haben/
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So wird mit froher Lust sein hohes Hertz sich laben.

(Celander [i. e. Gressel, Johann Georg]: Verliebte-Galante/ Sinn-Vermischte und Grab-Gedichte. Hamburg u. a., 1716.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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