Das garstige Gesicht

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Johann Wolfgang Goethe: Das garstige Gesicht (1773)

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Wenn einen würdigen Biedermann,
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Pastorn oder Ratsherrn lobesan,
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Die Wittib läßt in Kupfer stechen
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Und drunter ein Verslein radebrechen,
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Da heißt's: »Seht hier mit Kopf und Ohren
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Den Herrn, Ehrwürdig, Wohlgeboren!
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Seht seine Augen und seine Stirn;
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Aber sein verständig Gehirn,
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So manch Verdienst ums gemeine Wesen
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Könnt ihr ihm nicht an der Nase lesen.«

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So, liebe Lotte! heißt's auch hier:
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Ich schicke da mein Bildnis dir.
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Magst wohl die ernste Stirne sehen,
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Der Augen Glut, der Locken Wehen;
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's ist ungefähr das garst'ge Gesicht:
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Aber meine Liebe siehst du nicht.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Wolfgang von Goethe
(17491832)

* 28.08.1749 in Frankfurt am Main, † 22.03.1832 in Weimar

männlich, geb. Goethe

natürliche Todesursache | Herzinfarkt

deutscher Dichter, Dramatiker, Naturforscher und Politiker (1749–1832)

(Aus: Wikidata.org)

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