An Sr. Hoch-Edl. Herrn Lic. Brockes, Würdigsten Mit-Glied des Hoch-Weisen Rahts- Collegii zu Hamburg, Bey der zweyten Ausgabe des dritten Theils Seines Jrrdischen Vergnügens in GOTT. D. B. B. Richter, Jhro Hoch-Fürstl. Durchl. des Hrn. Bischoffs zu Lübeck Hoff-Raht und Leib- Medicus

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Barthold Heinrich Brockes: An Sr. Hoch-Edl. Herrn Lic. Brockes, Würdigsten Mit-Glied des Hoch-Weisen Rahts- Collegii zu Hamburg, Bey der zweyten Ausgabe des dritten Theils Seines Jrrdischen Vergnügens in GOTT. D. B. B. Richter, Jhro Hoch-Fürstl. Durchl. des Hrn. Bischoffs zu Lübeck Hoff-Raht und Leib- Medicus (1730)

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Lasse, Zierde Teutscher Musen, lasse deine Saiten ruhn,
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Weil der Eifer längst erloschen, Dir es jemahls gleich
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zu thun.
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Unsre Tichter werden nie den erhaltnen Vorzug schwächen,
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Noch ein Wettstreit mit Vernunfft die gewundnen Palmen
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brechen.
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Laß uns Zeit, Dich zu begreiffen, setze deinem Ruhm ein Ziel,
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Unsers Lichtes ist zu wenig, Deiner Strahlen sind zu viel.
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Doch ich höre meinen Rath von den meisten überstimmen,
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Sollen Funcken dieser Gluth in gedämpffter Asche glimmen?
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Sollen diese Schrifften schweigen, die man für ein Muster
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schätzt,
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Und woran man nur die Kürtze, statt der Fehler ausgesetzt?
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Hält man dessen Kiel zurück, der uns, wenn er will, beweget,
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Hoffnung, Freude, Traurigkeit, Liebe, Furcht und Haß erreget,
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Die Begierden lenckt und bessert, auf der Sachen Ursprun
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führt,
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Und den Reichthum der Gedancken mit der Worte Nachdr
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ziert?
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Nein, ihr Eifrer, irrt euch nicht! Das, was
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sungen,
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Ist noch nicht im innern Theil eures Hertzens eingedrungen.
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Welcher sieht, wie rein Er dencket, welcher denckt, wie nett E
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schreibt,
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Wird im Fortgang seines Urtheils durch den Uberfluß betäub
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Die Verwunderung erstickt, und verliehrt sich in der Menge,
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Unser Umfang des Gemühts ist für diesen Schatz zu enge.
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Das Gefühl geübter Ohren wird durch die Gewohnheit schwach
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Und die lauter Wunder hören, die ermüden allgemach.
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Da die Wercke der Natur hier im schönsten Riß zu finden,
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Kömmt uns Furcht und Schwindel an, diese Tieffe zu ergründen
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Diesen Abgrund auszumessen, diese Weite durchzugehn,
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Diese Herrlichkeit zu schauen, diese Führung zu verstehn.
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Und man fordert dennoch mehr? Kan man auch noch mehr ver
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tragen?
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Kan man bey so reicher Kost über Durst und Hunger klagen?
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Wo die Weisheit ihre Taffel mit so viel Gerichten deckt,
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Und den Nectar ihrer Quellen jeder ohne Mangel schmeckt.
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Ist nicht, wo man mehr verlangt, als man sähig zu geniessen,
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Billig Undanck oder Geitz, oder Unverstand zu schliessen?
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Wie denn selbst die Lehr-Begierde sich in gleicher Schuld be
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findt,
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Wenn die Gräntzen die sie setzet, ausser ihren Kräfften sind.
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Forscht was man euch vorgelegt, prüft was euch zu sich gezogen,
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Was ihr annoch obenhin mehr bewundert als erwogen.
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Glaubet, daß ein Trieb der Sehnsucht hier ein eitler Vorwitz ist,
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Der in Hoffnung neuer Dinge sich bey seinem Glück vergißt
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Folgt der Wahrheit auf der Spuhr, und bekennet ihr zur Ehre,
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Daß zu ihrem Unterricht mehr Gedult und Zeit gehöre.
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Welcher sich in
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Den erquickt der Lohn der Mühe, den ergötzt der Arbeit Frucht.
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Dem, der hier bereits den Kern ihrer Lehren angetroffen,
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Steht bey wiederholtem Fleiß, endlich ihr Geheimniß offen.
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Er durchgrübelt Wort und Zeilen, und wenn dieses offt ge-
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schehn,
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Werden ihm die Augen klärer, und er fängt erst an zu sehn.
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Jeder Satz gleicht einem Stamm voller Blüthen, Frucht und
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Säffte,
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Jede Redens-Art enthält neue Zierlichkeit und Kräffte,
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Jeder Blick gewährt Vergnügen, alles stimmt dem Zeugniß
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bey,
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Daß ein Schacht von diesen Adern tieff und unerschöpflich sey.
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Wie ein Kora auf fettem Land sich in hundert Aehren breitet,
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Wird aus einer engen Fluht hier ein gantzes Meer geleitet,
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Wie die Hydra zehen Köpffe statt des einen von sich streckt,
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Wachsen hier zehn Gründe, wenn man einen Grund ent-
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deckt.
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Alles scheint von Geist und Feuer, nur der Titul scheint zu trügen,
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Denn es ist kein irdisches sondern himmlisches Vergnügen.
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GoTT in der Natur erkennen, die in ihrem Schooß beschleust,
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Was den Arm des grossen Schöpffers durch viel tausend Zun-
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gen preißt.
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Dieses macht, daß sich der Geist dem, was irdisch ist, entziehet,
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Und das Auge der Vernunfft näher in die Sonne siehet,
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Daß die Schärffe der Erkänntniß sich in jenem Licht verliehrt,
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Wo der Ausfluß alles Seegens die entzückten Sinne rührt.
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Solches heist, schon in der Welt GOTT in seinem Licht erkennen,
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Solches heist recht inniglich gegen ihn in Liebe brennen,
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Ob gleich vieler Aberglauben diesen Schimmer nicht verträgt,
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Und vor GOTT und seinen Wercken Hertz und Augen nieder-
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schlägt.
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Aller Schein verblendet sie, aller Glantz setzt sie in Schrecken,
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Moses muß sein Augesicht vor so blöden Augen decken.
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Was Natur und Wort eröffnet, scheint ein unbeseelter Laut,
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Dem die Schiffahrt ihres Lebens Mast und Ruder anvertrant
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Dieser Jrrthum schwächt den Muht, daß er ohne Kräfft
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ringet,
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Und nur bey der Demmerung die gelähmten Flügel schwinget,
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Daß er keinen Vorschmack fühlt der versprochnen Ewigkeit,
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Die den Saamen der Betrachtung in uns allen ausgestreut.
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Dieser Saame wuchert nun,
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Schrifften,
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Uns so wohl als jene Welt weydest Du auf diesen Trifften,
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Seit Du zum Behuff der Andacht ein unsterblich Werck ve
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faßt,
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Und zum Bau des innern Tempels Kalck und Stein geliefe
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hast.
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Tadelt nun, ihr Lästerer, der Poeten Sitten-Lehre,
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Daß ihr Weyhrauch den Altar reiner GOttes-Furcht entehre,
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Nennet sie ein Spiel der Worte, nennet sie der Jugend Pest
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Die das Unkraut schnöder Lüste bey der Unschuld wurtzel
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läßt.
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Nennt sie ein Sirenen-Lied, eine Zauberey der Ohren,
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Wo die Wahrheit auf der Fahrt offt ihr Ancker-Seil verlohren
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Sprecht, daß Plato diese Klippen schon zu jener Zeit erkann
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Und die Tichter aus den Gräntzen seiner neuen Welt ve
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bannt,
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Schaut hieher, und denn versucht, ob diß möglich sey zu glauben
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Jedes Blatt des
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chel rauben,
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Als auf dessen netten Zeilen man ein offnes Feld erblickt,
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Wo die Wahrheit mit der Tugend in Gesellschafft Bluhme
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pflückt.
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Jede schmückt und krönet ihn, jede sucht ihn liebzukosen,
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Sie bestreuen ihn mit Laub, sie bedecken ihn mit Rosen,
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Jhre Hände winden Kräntze, ihre Stimmen ruhen nie,
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Und durch so bewährte Zeugen steigt der Preiß der Poesie.
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Diese lenckt durch süßen Zwang, sie verbindet Ernst mit Schertzen,
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Jhrer Lehren sanffter Zug locket und gewinnt die Hertzen,
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Nichts ist so gelehrt und gründlich, nichts so sinnreich und
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beliebt,
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Dem die Wahl gebundner Worte nicht ein neues Leben giebt.
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Brocks dient völlig zum Beweiß, da wo dieser Nahme kämpffet,
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Wird der Thorheit Gegen-Satz gleich in der Gebuhrt gedämpffet,
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Seine Bücher voll Erbauung grünen wie ein Cedern-Wald,
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Wo ein Danck-Lied froher Stimmen zu des Höchsten Lob er-
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schallt.
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Zur Erhohlung kanst Du nun,
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gönnen,
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Weil wir doch im stärcksten Tritt Dich nicht mehr erreichen
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können.
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Sieh Dich um, wie Dein Exempel auch ein kaltes Blut erhitzt,
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Und wie mancher auf dem Wege seinen Arm mit Krücken
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stützt,
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Wie Dich viel in ihrem Lauff als ihr wahres Ziel betrachten,
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Und, was Dir nicht ähnlich ist, keiner Folge würdig achten.
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Tritt man in den Hayn der Musen, in Apollens Heiligthum,
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So erklingt Dein wehrter Nahme durch so vieler Zeugen
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Ruhm.
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Jeder wünscht, so groß er ist, daß er Dir in etwas gleiche,
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Wie viel Tichter weichen Dir, so wie ich vor ihnen weiche?
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Ruh demnach, weil aller Segen Deine Palmen grün erhält,
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Und kein Moder später Zeiten Deiner Wercke Glantz befällt.
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Ruhe, denn dem tieffsten Schatz Deiner Weisheit nachzugraben,
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Wird die Welt, die künfftig lebt, immer was zu schaffen haben.
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Und ich höre fremde Sprachen, wie ihr Eifer sich bemüht,
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Und in ihren wüsten Gärten Deine Bluhmen auferzieht.
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Schau den Gipffel, wo du stehst. Kan man auch noch höher
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steigen?
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Ruhe! Doch, soll Tugend ruhn? Schweige! Wie? soll Wahr-
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heit schweigen?
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Nein, ich irre! fleuch die Ruhe, schreibe, trage Deine Last,
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Nimm den Theil der Nacht zu Hülffe, gieb uns alles, was
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Du hast,
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Denn hier ist kein Wort umsonst. Können wir nicht alles fassen
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Must Du Dein gesegnet Feld darum nicht verblühen lassen.
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Uberfluß hebt unsern Mangel doch nicht Deine Pflichten au
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Deinem Trieb und unserm Wünschen gönne beyden freye
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Lauf,
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Denn Dein Vorraht sättigt so, daß wir stets nach mehrer
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streben,
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Auch den Augen muß man nie ein so schönes Recht vergeben.
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Fahre fort, sie zu entzücken. Die Erstaunung selbst erbaut,
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Und die Hertzen sind schon frömmer, die man in Bewegung
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schaut,
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Lehre, bessre, laß uns nie ohne neuem Zunder bleiben,
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Teutscher Musen Schmuck und Zier! fahre täglich fort zu
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schreiben!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Barthold Heinrich Brockes
(16801747)

* 22.09.1680 in Hamburg, † 16.01.1747 in Hamburg

männlich, geb. Brockes

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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