Unbekannter Titel

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Justus Friedrich Wilhelm Zachariae: Unbekannter Titel(1763)

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Erwarte nicht, verehrungswürdger
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Held,
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Du Zier der ietzigen, du Ruhm der
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spätsten Welt,
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Der Muse schwaches Lob. Wie könnt’
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es ihr gelingen,
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O Ferdinand, Dich würdig zu besin-
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gen,
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Da Deine Thaten selbst ein größrer
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Lobspruch sind,
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Als alles, was der Witz der Dichter
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sich ersinnt.
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Wofern indes den Beyfall später
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Zeiten
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Die Muse hoffen darf: so sollen ihre
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Saiten
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Bekräftigen, wie Du ein ganzes Land,
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Gefesselt schon von seiner Feinde Hand,
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So schnell befreyt, daß schon vor Dei-
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nem Drohen
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Vom Elbstrand an des Feindes Fah-
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nen flohen
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Bis zum erstaunten Rhein. Die klei-
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ne Kriegerschaar,
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Die kaum bey Stade noch ein Spott
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des Feindes war,
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Schlug nun bey Creveld schon den Kern
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von Frankreichs Kriegern,
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Und ward, geführt durch Dich, ein
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furchtbar Heer von Siegern.
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O Tag bey Minden! Du, uns ewig
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theurer Tag!
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Wie vom Olymp ein schneller Don-
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nerschlag
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Herniederfährt: so sah in wenig Stun-
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den
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Der Gallier von dir sich überwunden;
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Contades floh. Du gabst zum zwey-
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tenmal
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Die Freyheit uns durch Deinen Hel-
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denstahl.
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Doch wie das Meer, das durch die
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Dämme dringet,
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Auf neuem Sturm auch neue Wellen
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bringet;
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So drang aus Gallien, auf ein ge-
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schlagnes Heer,
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Ein stärkeres herzu. Welch eine Ge-
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genwehr
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Von Dir, o Ferdinand, in Fielinghau-
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sens Flächen!
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Die Feinde konnten nicht in Deine
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Schaaren brechen;
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Du standest Tage lang in Arbeit,
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Dampf und Gluth;
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Der Feind entfloh, und hier auch siegte
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Muth.
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So eiltest Du von Siegen fort zu
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Siegen;
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Schienst oft dem Feind mit Deinem
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Heer zu fliegen,
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Wenn er bedeckt im sichern Lager stand,
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Und auf einmal Dein Rächerschwerdt
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empfand.
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Sprich, Grebenstein, wie er bey dir ge-
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stritten!
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Sein Heer zog fort mit festgeschloßnen
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Schritten;
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Die Fahnen flatterten, die Feldmusik
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erklang,
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Als er den Gallier vor sich zu fliehen
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zwang.
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Dies thatest Du mit einem schwa-
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chen Heere;
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Mit Jünglingen erhieltst Du Deutsch-
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lands Ehre.
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So macht ein Geist wie Ferdinand,
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allein
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Sein kleines Kriegsheer groß, des
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Feindes Heersmacht klein.
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Der Lorbeerkranz hat Deine Stirn
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umflochten.
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Doch nicht allein der Ruhm, den sich
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Dein Schwerdt erfochten,
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Macht Dich so groß. In welchem hel-
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len Licht
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Erscheinest Du dem Menschenfreunde
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nicht!
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Nimm, Ferdinand, das Lob, so Dir
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mit Recht gebühret.
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Wenn hat man je so edel Krieg ge-
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führet,
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Als Du, o Held? Nicht Raubsucht,
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nicht Gewalt
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Entvölkerte das Land. Die schreckliche
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Gestalt
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Verlohr der Krieg durch Dich. Man
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sah die feinern Sitten
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Jm Lager auch. Du herrschtest über
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Britten,
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Und über Gallier; ein allgemeines Lob,
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Womit der Feind aufrichtig Dich er-
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hob,
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Drang oft zu Deinem Ohr, und die
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Gefangnen giengen
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Ungern von Dir zurück.
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Von diesen Wunderdingen
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Soll bey der Nachwelt einst dies Lied
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ein Zeuge seyn.
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Die Muse darf es Dir mit freyer
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Stirne weyhn,
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Denn Du siehst auch auf diese deut-
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schen Lieder
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Mit Gütigkeit und mit Ermuntrung
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nieder.
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Sie fürchtet nicht Staub und Verges-
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senheit;
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Dein Name schon allein giebt ihr Un-
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sterblichkeit.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Justus Friedrich Wilhelm Zachariae
(17261777)

* 01.05.1726 in Bad Frankenhausen/Kyffhäuser, † 30.01.1777 in Braunschweig

männlich, geb. Zachariae

deutscher Schriftsteller, Übersetzer, Herausgeber und Komponist

(Aus: Wikidata.org)

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