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Du hast, vor mehr als sieben Jahren,
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Da wir im Neuen Jahr, wie jetzt, beysammen waren,
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Mir einen grossen Dienst gethan,
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Und von der duncklen Zweifels-Bahn
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Mich abgeleitet, unterwiesen,
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Und mir, des grossen Schöpfers Macht,
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So überzeuglich beygebracht,
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Daß ich dir oft gedauckt, den Schöpfer oft gepriesen,
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Ich bin demnach von GOttes ew’gem Wesen
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Von seiner Grösse Herrlichkeit,
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Von seiner seeligen Vollkommenheit,
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Genugsahm überführt. Das Welt-Buch läßt mich lesen:
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Wie unbegreiflich-wunderbar
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Sein Göttlich All an allen Orten sey.
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Allein mir fällt noch oft ein alter Zweiffel bey.
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Mich deucht, es sey noch lange nicht so klar,
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Daß die Unsterblichkeit von unsern Seelen
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Ohn Ungewißheit sey. Ich kann dir nichts verheelen,
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Ich fühle daß mich noch verschiedne Zweiffel qvälen,
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Und wünscht’ ich inniglich,
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Daß du, aus Mitleid, dich
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So viel beliebtest zu bemühen,
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Mich aus des Zweifels Meer noch einst heraus zu ziehen,
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In welchem ich noch treib’.
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Die überzeuglich gnug. Doch, da es GOtt zu Ehren
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Vermuthlich auch gereicht, wenn ich, zu dieser Zeit,
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Von seiner Liebe Größ’ und Unermäßlichkeit,
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In Ansehn unsers Geists, was deutliches zu lehren
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Mich jetzt beschäftige;
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So will ich, auf dein Fragen,
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Dir nicht allein hier meine Meynung sagen;
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Ich will nachher, wie ich mir vorgenommen,
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So, wie wir einst von der Materie
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Verschiedne Kräft’, erstaunt, erwogen,
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Durch einen neuen Trieb darzu gezogen,
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Auch auf der Seelen Kräfte kommen,
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Und, wo nicht mehr, doch minstens, eine Kraft
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Und sonderbahre Eigenschaft
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Der Menschen auf der Welt vorhandnen Seel’, erwegen,
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Die deine Zweifel auch daneben
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Vielleicht geschickt am kräftigsten zu heben.
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Gieb, grosser Schöpfer, doch zu beydem deinen Seegen!
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Was die Unsterblichkeit der Seelen nun betrift,
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Bedaur’ ich zwar, daß dich von dieser Wahrheit,
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So wenig mein Gespräch, als auch die Schrift,
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Die doch hievon mit solcher Klarheit
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Uns zeugt, dich überzeugt. Drum will ich mich bequehmen,
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Nebst ihnen die Vernunft zu Hülff’ zu nehmen.
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Um dieses nun noch ferner zu erklären,
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Selbst aus der weisen Heyden Lehren,
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Von unsrer Seelen Daur, hier ihre Meynung für.
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Es saget hievon Cicero,
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In Scipionis Traum, also:
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Die Gründe haben zwar von Wahrheit einen Schein;
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Wenn man sie näher überleget,
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Und ihre Würcklichkeit erweget;
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Verlieren sie von ihrem Schimmer viel.
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Sie sind mir wol bekannt, ich habe sie gelesen,
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Sie sind mir lange nicht mehr unbewust gewesen;
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Doch sind’ ich jetzt, sie gehn nur gar zu weit vom Ziel.
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Wir wollen, nach der Reihe, gehn,
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Und sie mit Fleiß und Achtsamkeit besehn.
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Dein ersterer Beweis wär’ herrlich, wär es nur
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Von ihr, als einer Creatur,
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Erweißlich, daß der Seelen Kraft
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Und der Bewegung Eigenschaft
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Bloß von ihr selbst, und nicht vielmehr
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Entstanden und erhalten wär.
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Denn wäre dieß; käm’ es ja gantz und gar
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Auf GOttes Willen an, wie lang’ er gönne,
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Daß sie sich so bewegen könne.
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Der andre Grund ist noch so kräftig nicht,
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Als wie der erste war.
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Ans diesem folget zwar
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Daß unsrer Seel’ es nicht an Kraft gebricht,
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Daß sie ein herrliches, vortreflichs Wesen.
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Doch daraus folget nicht, daß sie dazu erlesen,
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Daß sie unsterblich sey. Weil die Erfahrung lehrt,
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Daß oft das treflichste so lange, lange nicht,
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Als etwas, so geringer, währt.
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Der dritte wäre gut, wofern nur dieser Trieb
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In aller Menschen Seelen brennte,
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Und man denn die Versichrung haben könnte,
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Daß GOtt, durch die Natur, ihn uns ins Hertze schrieb,
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Nicht, aber daß vielmehr er überall
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Sich ausgebreitet, durch den Fall,
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Daß er vielleicht nur eine Schwärmerey
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Und eine taube Frucht der eitlen Ehrsucht sey.
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Auf deinen vierten ist die Antwort leicht zu finden:
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Daß Seelen in der That
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Oft, was zukünftig ist, im Schlaf empfinden,
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Ist, was ein weiser Mann, noch nie geläugnet hat.
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Ob aber das, was wir vom Künftigen erlangen,
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Nicht durch Empfindungen geschieht,
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Von Dingen, welche man hier gegenwärtig sieht,
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Die auf das Künft’ge schon zu wircken angefangen,
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Ist gantz ein’ andre Frag? Und wenn es gleich geschehe,
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Daß eine Seel auf andre Weise
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Jm Traum zukünftge Dinge sehe;
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So folgte zwar daraus, daß, an Beschaffenheit
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Sie gar vortreflich, herrlich, schön;
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Doch könnte man ihr die Unsterblichkeit,
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Allein hieraus, jedoch nicht zugestehn.
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Dein Fünfter setzt voraus der Alten Lehren,
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Die Aristoteles absonderlich gegläubt,
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Daß alles Himmlische beständig bleibt,
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Und daß die himmlischen Geschöpf’ ohn’ Ende währen;
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So aber doch nicht zu erweisen.
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Ja, wenn auch endlich diese Lehre
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So würde doch, was sie dahero schliessen,
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Daraus nicht fliessen.
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Denn, hätten gleich mit jenen Himmels-Kreisen,
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Die Seelen die Bewegungs-Kraft gemein;
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So folget doch noch nicht,
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Sie müsten all gleich unvergänglich seyn.
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Es fehlt der Schluß ja weit,
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Und ist durchaus nicht einerley,
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Daß die Bewegungs-Kraft das erste Wesen,
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Und daß die Unvergänglichkeit
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Desselben Wesens Wirckung sey.
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Dein sechster Schluß hat auch viel minder Kraft, als
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Mit der Erfahrung stimmt zwar dieses überein:
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Je länger Seelen hier im Leib’ und auf der Erden;
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Je reicher sie, an Witz und an Erfahrung, werden.
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Hieraus nun scheint zu folgen, daß die Seelen
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Vor sich nicht können untergehn,
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Denn alles, was verdirbt (wie wir an Cörpern sehn)
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Dem fängt es allgemach an Kräften an zu fehlen.
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Ein Wesen aber, das sich stets an Kräften mehret,
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Je länger daß es währet,
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Scheint, weil es immer wächst und nimmer ab-
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Zum Ende nie zu kommen.
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Allein es zeigt sich auch,
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Daß bey Veralteten die Kraft verrauch’,
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Und sich verringere durch allerley Beschwehrden,
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Da alte Leute kindisch werden.
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Es kömmt, wenn dieß geschicht,
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Bloß von Veränderung der Lebens-Geister her,
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Nicht von Verändrung unsrer Seelen.
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Denn wenn dem also wär;
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So könnte dieß nicht fehlen:
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Es sey, wenn Seelen zugenommen,
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Von Aenderung der Lebens-Geister auch,
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Nicht von der Aenderung der Seelen, hergekommen.
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Ich muß es zwar gestehn,
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Von diesen Gründen, giebt
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Ein jeder zwar insonderheit,
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Nicht gültigen Beweiß von der Unsterblichkeit.
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Doch, wenn man sie zusammen bindet,
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Und, als Erfahrungen betrachtet; so befindet
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In ihr, ohn’ alle Dunckelheit,
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Sich mehr doch als Wahrscheinlichkeit.
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Absonderlich, wenn man noch andre dazu füget,
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Als nemlich: man muß ja gestehen,
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Daß Cörper nicht einmahl vergehen.
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Zu nichts wird nichts, und mit Verändrung
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Vergnügt sich die Natur, nicht mit Vernichtigung.
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Vergehen nun nicht einst die Cörper, die von Erden,
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Wie können Seelen denn vernichtigt werden?
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Und ferner: Daß der Mensch des höchsten Willen,
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Auf manche Art, geschickt sey, zu erfüllen,
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Daß wir, vor allen Thieren,
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So viele Vorzüg’ in ihm spühren,
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Daß GOtt sich ihm, auf so bekannte Art,
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Bekannt gemacht und offenbahrt;
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Aus allen diesen folgt, in einer heitern Klarheit,
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Die Himmel-feste Warheit:
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Man kann durchaus nicht sehen,
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Noch auf die minste Weise’ nur
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Die Ursach, und den Grund, verstehen,
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Wie und wozu die Seelen solche Gaben,
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So manchen Vorzug doch, vor aller Creatur,
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Von GOtt, erhalten haben.
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Da wir, so gar in der Gestirne Prangen,
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Und, in derselben Wissenschaft,
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Von seiner Majestät und Herrlichkeit
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Noch allererst, vor kurtzer Zeit,
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Solch eine grosse Prob’ empfangen.
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Wenn GOtt an selbiger vor andern allen
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Nicht hätt’ ein gnädiges Gefallen
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Und sie nicht liebete; was man nun liebt, erhält
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Und schützt man, wenn man kann. Da GOTT, ein
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Unstreitig alles kann; erhält er, was er liebet,
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Und weil er ewig liebt; so kann es ja nicht fehlen,
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Daß er ein’ ew’ge Daur auch unsern Seelen,
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Die seiner Liebe sich nicht unwehrt machen, giebet.
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Weil aber GOtt jedoch nun auch gerecht,
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Und die so seine Huld, die ewig ist, verachten,
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Auch ewig straffen kann; so scheint es wahr zu seyn
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Daß böse Seelen auch, um ihren Fehl zu büssen,
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Unsterblich seyn und lange dauren müssen.