Vernünftig-sinnlicher GOttes-Dienst

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Barthold Heinrich Brockes: Vernünftig-sinnlicher GOttes-Dienst (1736)

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Wie ist doch das Geschenck der Sinnen so herrlich, wenn mans recht ermißt!
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Ach, daß die Menschheit GOtt, dem Geber, dafür so un-

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Ich finde, daß auch Hunde riechen; ich sehe, wie auch
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Der Sonnen Licht und Gras und Blumen, so wol als
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Was machst du denn für Wercks davon?
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Und zwar noch wol so gut als wir, auch ofters besser
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Soll zwischen uns und ihnen denn so gar kein Unterschied
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Daß willst du ja wol eben nicht. Nun kann ja der in
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Als eben darin nur bestehen,
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Daß wir auf andre Weis’, als sie, empfinden, schmecken,
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Gebrauchen wir durch die Vernunft die Sinnen anders
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So folgt der Schluß von selbst: der Mensch ist auch nicht
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Will man sich aber von demselben, wie es ja unsre Pflicht,
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Laßt uns die Sinnen, GOtt zum Ruhm, der sie uns
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Dieß kann nun GOtt-gefälliger auf andre Weise nicht
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Als wenn durch des Verstandes Licht wir würcklich sehen,

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Empfinden
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Nicht
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Alsdann wird man durch Seel’ und Leib, die GOtt uns bei-
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Weil wir so dann in allem Weisheit und Liebe, ja ihn
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Durch nichts wird unser GOtt auf Erden in unsren See-
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Dieß heißt, nach Davids Regel:

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Barthold Heinrich Brockes
(16801747)

* 22.09.1680 in Hamburg, † 16.01.1747 in Hamburg

männlich, geb. Brockes

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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