An Lottchen

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Johann Wolfgang Goethe: An Lottchen (1775)

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Mitten im Getümmel mancher Freuden,
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Mancher Sorgen, mancher Herzensnot
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Denk ich dein, o Lottchen, denken dein die beiden,
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Wie beim stillen Abendrot
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Du die Hand uns freundlich reichtest,
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Da du uns auf reich bebauter Flur,
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In dem Schoße herrlicher Natur,
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Manche leicht verhüllte Spur
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Einer lieben Seele zeigtest.

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Wohl ist mir's, daß ich dich nicht verkannt,
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Daß ich gleich dich in der ersten Stunde,
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Ganz den Herzensausdruck in dem Munde,
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Dich ein wahres gutes Kind genannt.

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Still und eng und ruhig auferzogen,
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Wirft man uns auf einmal in die Welt;
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Uns umspülen hunderttausend Wogen,
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Alles reizt uns, mancherlei gefällt,
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Mancherlei verdrießt uns, und von Stund zu Stunden
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Schwankt das leichtunruhige Gefühl;
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Wir empfinden, und was wir empfunden,
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Spült hinweg das bunte Weltgewühl.

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Wohl, ich weiß es, da durchschleicht uns innen
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Manche Hoffnung, mancher Schmerz.
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Lottchen, wer kennt unsre Sinnen?
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Lottchen, wer kennt unser Herz?
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Ach, es machte gern gekannt sein, überfließen
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In das Mitempfinden einer Kreatur
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Und vertrauend zwiefach neu genießen
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Alles Leid und Freude der Natur.

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Und da sucht das Aug so oft vergebens
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Ringsumher und findet alles zu;
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So vertaumelt sich der schönste Teil des Lebens
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Ohne Sturm und ohne Ruh;
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Und zu deinem ew'gen Unbehagen
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Stößt dich heute, was dich gestern zog.
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Kannst du zu der Welt nur Neigung tragen,
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Die so oft dich trog
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Und bei deinem Weh, bei deinem Glücke
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Blieb in eigenwill'ger, starrer Ruh?
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Sieh, da tritt der Geist in sich zurücke,
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Und das Herz – es schließt sich zu.

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So fand ich dich und ging dir frei entgegen.
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»o sie ist wert, zu sein geliebt!«
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Rief ich, erflehte dir des Himmels reinsten Segen,
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Den er dir nun in deiner Freundin gibt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Wolfgang von Goethe
(17491832)

* 28.08.1749 in Frankfurt am Main, † 22.03.1832 in Weimar

männlich, geb. Goethe

natürliche Todesursache | Herzinfarkt

deutscher Dichter, Dramatiker, Naturforscher und Politiker (1749–1832)

(Aus: Wikidata.org)

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