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Der Morgen goß schon Thau auf Hain und Fluren nieder;
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Die Bilder der Natur entwickelten sich wieder;
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Die Blume hob die Stirne, entschläfert, in die Höh;
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Der Schatten war verloschen, die Schöpfung wachete.
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Und itzt verschlang mein Blick der Gegenden Gestalten,
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Die ihm die Nacht verbarg, und fiel auf einen Alten,
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Der zu dem Stern der Venus sein Aug empor gewandt,
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Mit aufgehabnen Händen nah an der Grotte stand.
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Ich riß mich hin zu ihm: vielleicht in dieser Grotte,
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So dacht ich, dienet er, als Priester einem Gotte;
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Vielleicht bracht er, als Jüngling, die Opfer zum Altar,
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In diesem heilgen Schutte, der sonst ein Tempel war;
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Vielleicht auch hat sein Herz, das stiller Kummer quälet,
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Wo nicht die Liebe selbst, die Einsamkeit gewählet:
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Die Menschen, seine Brüder, die Henker unter sich,
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Verfolgten seine Jugend, und Unschuld, und er wich,
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Floh in die Einsamkeit, und nahm von den Barbaren
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Die Götter mit sich fort, die ihr Gespötte waren.
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Allein, er sey ein Priester, er sey ein Eremit;
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So wird er Mitleid fühlen, wenn er mich bitten sieht.
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Ein langer Priesterrock bedeckte seine Glieder,
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Des Bartes Silberhaar floß auf die Brust hernieder;
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Das Alter, das die Jugend von seiner Stirn gewischt,
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Gab ihr dafür die Würde, mit sanftem Ernst vermischt,
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Ich sprach ihn also an: Wenn dich ein Jüngling rühret,
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Den Irrthum, oder auch ein Gott hieher geführet,
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Ehrwürdigster der Menschen! so offenbare mir:
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Wo bin ich? welche Gottheit wohnt, oder wohnte hier?
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Betrügt nicht mein Gefühl, so herrschte hier
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Und wo der Staub itzt liegt, da rauchten ihr Altäre?
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Du irrst nicht, sprach der Alte; dort lieget der Altar
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Im Schutte seines Tempels, bey dem ich Priester war.
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Die Grotte war der Ort, als
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Wo eine beßre Welt von ihr Orakel hörte.
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Glückseligs edles Alter! eh dieß Orakel schwieg,
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Als unter bessern Menschen noch Dampf vom Altar stieg!
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Als Knabe sah ich nur die heiligen Gepränge:
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Der Tempel war damals den Opfernden zu enge;
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Es floß aus tausend Städten die halbe Welt hieher;
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Und nun, welch eine Wüste! ach! schau, mein Sohn, wie leer!
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Das Land liegt still, und todt; in die vergeßne Fluren
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Drückt fast kein andrer Fuß, als meiner, Menschenspuren.
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Ich nur, ich walle einsam zum sinkenden Altar,
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Und bring ihm, statt des Weihrauchs, zum Opfer Thränen dar;
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Und wenn dich länger nicht des Greises Füße treten,
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Du heiliger Ruin! so wird kein Mensch hier bethen.
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Von Opfern war schon lange der öde Tempel leer;
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Doch dann fließt, dir zu Ehren, auch keine Thräne mehr!
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Er stand, zum Schutt gekehrt, schwieg und bestarrt ihn lange,
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Und eine Thräne rann ihm zitternd von der Wange.
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Ich wagt es, ihn zu stören, und sprach: o! sage mir,
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Die Wollust, sprach der Greis: der Welt von edlen Vätern
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Folgt eine schlimmre Welt von Lästrern, und Verräthern;
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Die von der Pflicht entfesselt, die ihr Gesetz befahl,
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Aus Liebe Handel machte, und den Altar bestahl;
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Sich selbst die Schönheit gab, der Wangen Rosen malte,
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Geld für die Liebe nahm, Gunst feil both, und bezahlte,
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Verführt ward, und verführte; und diese niedre Schaar
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Erbauete der Göttinn, bey
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Die Erde, wo itzo die Marmorsäulen blinken,
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Trug die verfluchte Last, und wollte nicht versinken!
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Doch nimmer hat die Göttinn den neuen Bau besucht,
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Ein Gräul war ihr das Opfer, und der Altar verflucht.
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Hier blieb nur noch der Kern der Söhne und der Töchter;
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Ein kleiner dünner Rest der edelsten Geschlechter,
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Der von der Lust verführet, die jene Schaar genoß,
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Zuletzt aus diesem Tempel nach
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So wächst, von einem Strand der Erde weggezogen,
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Am anderen das Meer, und wälzet seine Wogen
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Weit über neue Inseln, und läßt da, wo es wich,
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Ein sandiges Gestade, und Wüsten hinter sich.
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So sah ich hier die Fluth der Opfernden verlaufen,
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Und unsre dünnre Schaar verschlang der größre Haufen:
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Wie eine kleinre Quelle, die dürftiger entspringt,
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Ein mächtiges Gewässer in seinen Strom verschlingt.
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Nun war die Gegend öd, verlassen diese Wälder,
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Und einsam übersah der Tempel todte Felder;
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Nur selten, selten glimmten, nach wenger Jahre Lauf,
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Von seinem kalten Altar die Flammen einmal auf.
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Die tiefre Stille brach kein festliches Getümmel,
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Und selten wallte noch ein heilger Rauch gen Himmel.
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So öde, so verlassen, stand Tempel und Altar,
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Als ich sein Priester wurde, der eben männlich war.
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Und noch nicht Schimpf genug für beyde! nein, die Frechen
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Beschleunigten den Fall durch größere Verbrechen.
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Das Laster war zu wenig, das keine Augen sehn;
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Es mußt im Angesichte der Götter selbst geschehn.
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Noch nicht vergnügt damit, die Erde zu entehren,
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Im Sitz der Götter selbst, an heiligen Altären –
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O! kann ichs auch erzählen! – welch Laster am Altar!
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Der schreckliche Gedanke erhebt voll Gram mein Haar!
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Doch euch, Entsetzliche! traf an der heilgen Stelle
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Die Rach, und eure That versank mit euch zur Hölle! –
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Die Göttinn floh im Grimme den tief entweihten Sitz?
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Die Veste ward erschüttert; die Schänder schlug ein Blitz,
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Wovon die Zinne sank, in ihrem Laster nieder,
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Und stürzte den Ruin auf die zerschlagnen Glieder.
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So, Jüngling, sank der Tempel, und ward der Schänder Grab,
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Und ihre schwarze Seele fuhr schnell zum Styx hinab,
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Wo alle Furien den Auswurf von der Erden,
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Durch eine Ewigkeit mit Flammen geißeln werden.
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So lieget nun der Tempel, der Elemente Raub;
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Kein Gott beschützt ihn ferner, und weckt ihn aus dem Staub.
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Mit mir nur steht sie noch, und wird mit mir vergehen.
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Er schwieg: wir giengen weiter, und meine Neubegier
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Zwang mich, ihn mehr zu fragen: Mein Vater, sage mir,
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O! sag mir, kann ich hier mein Schicksal nicht erfahren?
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Zu lange gab die Göttinn mich meiner Sorge Preis,
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Der tödtlichsten der Sorgen, die nichts zu lindern weis!
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Ein nächtliches Geschick entriß mich von
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Vergebens sucht ich sie; ach! soll ich sie verlieren?
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Die Göttinn, sprach der Priester, kehrt oft hieher zurück,
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Und sagt hier manchem Edlen sein künftiges Geschick.
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Oft reißt noch aus dem Strom der Wollust ihre Gnade,
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Und wirft ein edles Herz von dort an dieß Gestade.
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Ein Jüngling hat sich neulich von da hieher verirrt,
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Und wartet, bis die Göttinn sich offenbaren wird.
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Du kannst hernach ihn sehn, tritt erst in diese Höhle,
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Vielleicht ertheilt durch mich die Göttinn dir Befehle.
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Ich folgt; indem der Priester am Altar bethend stund,
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Bebt unter meinem Füßen dreymal der Erden Grund;
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Voll seiner Gottheit, sank der Greis aufs Antlitz nieder;
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Das Opfer flammete, die Grotte tönte wieder:
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Zwar pochte itzt mein Busen, allein, ich bebte nicht;
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Nun folgte eine Stille; todt auf sein Angesicht,
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Lag schweigend vorm Altar der Priester hingegossen,
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Und eine Stunde war also vorbey geflossen,
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Wo die entzückte Seele dem todten Leib entwich.
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Nun kam das Leben wieder; und jetzt erhub er sich,
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Und sprach: Getreuer Knecht, und Liebling der
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Den sie gewürdiget, sein Opfer zu erhören,
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Er fodert erst von dir das Opfer einer Tauben,
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Dann soll sie deinem Arm kein Schicksal wieder rauben.
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Durch eine bessre Schöne wird ihr Verlust ersetzt;
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Er schwieg: Entzückung floß durch alle meine Glieder;
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In mein sonst finstres Herz kam nun der Himmel wieder.
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Ich warf, in Freudenthränen, mich vor den Altar hin;
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Dank strömten meine Lippen; o du, für die ich bin,
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Und die Olympier im Himmel glücklich werden;
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Dir will ich, Göttinn, hier mich feyerlich ergeben,
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Für dich, o Königinn, und für
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Kein Alter löst die Fessel von unsern Händen ab,
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Zugleich steigt unser Schatten zum Strand der Ruh hinab.
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Ein Geist vereine uns, ein Wunsch, ein Herz, ein Wille,
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Bis unsre Asche dann nur eine Urne fülle!
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Ich hatte mich erhoben, und als ich vorwärts gieng,
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Riß mich ein Arm zurücke, der zärtlich mich umfing.
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Schnell goß sich über mich ein angenehmer Schrecken:
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Ich riß mich mächtig los, den Fremdling zu entdecken,
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Um seine werthe Schultern, und drückt ihn, schwieg, und stand:
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Mein Herz beginnt sich nun in Strömen auszugießen,
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Die Lippe wird beredt, und meine Worte fließen;
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Ich frag ihn tausend Fragen: Geliebter! seh ich dich?
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Aus welcher Gegend kömmst du? Ach! von
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Verlangen, mich zu sehen? war sies, die dir befahl –
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Ach! alles muß ich wissen, und alles auf einmal!
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Nichts gleichet ihrer Furcht, sprach er, als ihr Verlangen.
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Ach! Freund, mit was für Schrecken vernahm sie am Altar,
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Auf Zufall sucht ich dich, durch ihren Gram gerühret;
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Wie glücklich hat mich doch ein Gott hieher geführet!
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Komm, eile; rette itzo den kleinsten Augenblick,
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Der sie noch quälen würde, bring ihr die Ruh zurück.
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Gern folgt ich seinem Rath: wir segneten den Alten;
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Und itzo hätte mich kein Gott hier fest gehalten.