Der Donner traf mich recht; dem Schmerze ganz gelassen

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Johann Jakob Dusch: Der Donner traf mich recht; dem Schmerze ganz gelassen Titel entspricht 1. Vers(1756)

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Der Donner traf mich recht; dem Schmerze ganz gelassen,
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Wußt ich nicht, was ich that, noch welch ein Schluß zu fassen,
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Bald trieb mich eine Hoffnung, bald meine Rachbegier;
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Und endlich mußt ich folgen: denn sprich, was sollt ich hier?
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Das, was ich um mich sah, erweckte meinen Kummer,
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Mein Fuß fand keine Ruh, mein Auge schloß kein Schlummer,
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Gram schwärzte mir den Schauplatz der Gegend fürchterlich,
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Und dieß Gebieth der Göttinn ward viel zu eng für mich.
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Nach
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Ich wünscht ihm Flügel an, und daß ein Sturm sie triebe.
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Die Stunden wurden Jahre; ich sahe unmuthsvoll,
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Daß kaum ein Hauch der Lüfte die breiten Segel schwoll.
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O!
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Eh diese Stille herrscht, eh mag ein Sturmwind rasen!
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Und du, der uns zu langsam auf seiner Fläche trägt,
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Gebiethe, daß die Tiefe sich hebt und Wellen schlägt;
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Sorg für mein Leben nicht, wenn sich die Wogen thürmen,
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Sorg für die Ungeduld,
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Umsonst, kein Gott erhörte die Bitten meiner Wuth;
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Wir kämpften mit den Rudern, und krochen auf der Fluth.
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Mein ungeduldig Herz verlängerte die Stunden;
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Ich sank in Unmuth hin, und reizte meine Wunden.
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Bald stellt ich mir
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Die ich in ihr besessen, und die ich nun verlohr;
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Bald schlug Verzweifelung mich, wie ein Donner nieder;
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Itzt sprach mein Herz sie los, und itzt verdammt es wieder!
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Dann stillte meine Seele ein Augenblick von Ruh,
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Und lispelte mir Liebe, und süße Hoffnung zu:
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Nein, man entriß sie mir! Verräther, und Barbaren,
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Die hart bey ihrem Flehn, hart gegen Thränen waren,
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Die Bosheit grausam machte, und niedre Geldbegier
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Zu Peinigern der Unschuld, die rissen sie von mir! –
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Ich seh, wie voll von Angst im Arm, der sie entführte,
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Die Schöne rang, und bath, und seufzt, und niemand rührte;
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Wie sie mit Aug und Händen dem Himmel zugewandt,
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Zu allen Göttern flehte, und keine Hülfe fand –.
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Wie sie in diesem Arm, voll Schrecken, und Verlangen,
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Mich oft bey Namen rief, wie auf die blassen Wangen
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Ihr Auge Thränen ausgoß – wie sie vom Schiff empor,
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Die Hände streckte, seufzte, und diesen Strand verlor. –
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O schändliches Geschlecht! – wie innig thut mirs wehe,
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Wenn ich der Menschen Herz so schwarz, und boshaft sehe! –
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Wo waren denn die Götter? Mit ihren Seufzern stieg
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Die Grausamkeit zum Himmel, allein der Himmel schwieg:
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Taub saßen im Olymp, taub auf der Welt die Götter;
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Ach! wo ist nun Themire? In welchem Ocean
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Trägt dieses Schiff die Beute, und zeichnet keine Bahn?
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Ihr Götter, die sie rief, und die den Schutz versagten,
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Schätzt doch, wenn sie euch fleht, die Tugend der Verzagten,
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Jagt dem, der sich erkühnet, die Unschuld zu entweihn,
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Wie Schändern eurer Tempel, die Angst der Höllen ein!
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So dacht ich ruhiger: dann stürmten schwärzre Bilder
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Die kurze Ruh dahin, und meine Seele wilder:
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Verrath, Betrug, und Untreu trat vor mir auf, und rief
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Die Qual aus ihrem Schlummer, die nur zu leise schlief.
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Wem folgst du? dacht ich dann; wem? – einer Ungetreuen!
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Zur Rache? – schwaches Herz, was kannst du, als verzeihen!
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Denkst du sie zu verachten, warum so viele Müh?
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Ach findest du sie wieder, anbethen wirst du sie.
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Elender! folge nur, und ring mit Fluth, und Winden,
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Womit ein Gott dich hielt, die Falsche nicht zu finden:
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Und sink vor einer Thräne entwaffnet auf die Knie,
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Und statt sie zu verachten, o Sklav, erbettle sie;
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Daß ihr verräthrisch Herz dereinst zum andernmale
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Die schwache Zärtlichkeit mit neuem Schimpf bezahle!
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Längst war sie dir schon treulos; und deiner Eifersucht,
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Und deines Vorwurfs müde, ergriff sie selbst die Flucht. –
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O wenn die Götter sie dich wiederfinden lassen,
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O zweifle nicht daran, so müssen sie dich hassen!
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Itzt näherte sich
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Der Gipfel des Gebirges empor, und schimmerte.
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So glänzt ein Schneegewölk in frühen Frühlingstagen,
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Das an den Horizont die Wind herüber jagen.
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Wir traten an die Insel! kaum trug mich dieser Strand;
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So grüßt ich seinen Schutzgott, und segnete das Land,
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Wo
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Zu erst beglücket hat, den
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Hier wurde
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Beschattender Cypressen in seinen Grotten ein.
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Ihm ist der
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Glänzt zu gewisser Zeit noch in
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Oft sehn sie die
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Wenn sie leicht aufgeschürzt in angenehmen Tagen
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Die Morgenröthe weckt, ein flüchtig Wild zu jagen.
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Oft hat sie ihre Herrschaft in Schrecken ausgeübt.
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Hier mußte
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Mit dem geschenkten Pfeil der
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Der dreymal in die Flammen des
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Der schrecklichste der Pfeile traf hier
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Die Sitten sind hier wild, das Volk, verwöhnt zu Schlachten,
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Lernt würgen, um die Macht der
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Ich suchte den
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Sie sind nicht hier, sprach ich; soll ich noch weiter eilen?
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Auf welcher Bahn? wohin? – wohin bis Herkuls Seulen,
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Bis an den Rand der Erde, und wenn noch weiter fort
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Die Sonne Inseln siehet, so such ich sie auch dort!
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Die zwölfte Sonn erschien, und sahe mich begriffen
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Auf unbekannter Bahn, auf Zufall, fortzuschiffen.
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Der
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Indem ein Wetter aufstieg; schon schauerte das Meer.
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Ein nächtliches Gewölk verbarg den Abendhimmel;
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Die Wogen schwollen auf, und schlugen mit Getümmel
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Das tanzende Gebäude; bald flogen wir empor,
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Bald schien es, daß die Welle sich unter uns verlor.
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Der Wind pfiff um den Mast, und Blitz auf Blitz zerrissen
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Die siebenfache Nacht sichtbarer Finsternissen;
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Die Elemente donnern, der Sturm von Westen her,
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Und über uns der Himmel, und unter uns das Meer.
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Für Laster kämpfte so das mächtige Geschicke,
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Mit mir Unglücklichen, und riß mich stets zurücke!
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Kaum brachten wir das Leben, das nur ein schmaler Rand
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Vom Untergange trennte, an der
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Ich warf mich kummervoll, und matt am Ufer nieder,
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Und
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Betrügerische Ruhe! ein süsses Traumgesicht,
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(gewiß sandt es
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Entzückte nach der Last, die ich ertragen hatte,
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Mein sorgenvolles Herz – was war es? leerer Schatte!
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Es sey, daß unsrer Seele ein angenehmes Bild
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Die Phantasey, im Schlafe geschäfftiger, enthüllt;
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Es sey, daß
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Und dieß Gesicht gewählt, sich mir zu offenbaren:
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Genug, ich sah die Göttinn, in aller Pracht vielleicht,
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Wie sie sich der Versammlung der obern Götter zeigt;
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So schön erscheint sie nicht, in einer Silberwolke
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Um ihren Wagen her, in
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So oft der Sonnen Rückkehr die Gegenden verjüngt,
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Und mit dem heilgen Monat den Lenz zurücke bringt.
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Du fliehest, sagte sie, und ist der
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Zum Ton des Grimms geschickt, so sprach sie es im Grimme
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Du fliehest meinen Altar, kein Opfer bringst du mir;
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Ich schenkte dir
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Kennst du noch nicht die Hand, die über dir erhoben,
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Dem Wind dort schweigen hieß, und itzt geboth zu toben?
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O! fleh nur andre Götter, durchsuche Erd, und Meer,
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Und hole nun Themiren von Herkuls Säulen her!
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Sey klüger, Sterblicher, und lerne mich verehren;
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Halt deine Prüfung aus, kein Flüchtling von
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Wer gab dir erst
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Geh, lerne sie verdienen, dann fodre sie von mir!
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Sie floh: ein heiligs Graun floß über meine Glieder,
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Und Thränen öffneten die festen Augenlieder.
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Noch wachend schlug mein Busen; doch fand ich tief in mir,
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Beruhigung, und Hoffnung: was, sprach ich, soll ich hier?
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Vielleicht erwartet mich
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O Göttinn, laß sie mich, doch unentweiht, umfangen,
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O laß sie mich umfangen! das Meer hab ich durchpflügt,
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Und mit der Fluth gerungen, und mit dem Sturm gekriegt,
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Den Tod hab ich gesehn, begraben in den Schlünden
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Des wilden Oceans, sie wieder aufzufinden:
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Doch, wenn mein langer Kummer, wenn Schrecken und Gefahr,
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So zeig nur, wo sie ist: die unbekanntsten Wellen
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Durchstreich ich gern nach ihr; vom letzten Rand der Höllen
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Will ich sie wiederholen! – doch sagt ein Traumbild wahr,
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So find ich sie in
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Dieß göttliche Gesicht ist nicht umsonst erschienen;
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Was wartest du,
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Fort, zum Altar der Göttinn! – geheiligt sey der Baum,
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An dem ich eingeschlafen! geheiligt dieser Traum!
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Der Tag, an dem der Sturm mich an dieß Land verschlagen,
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Sey einst der glücklichste von allen meinen Tagen.
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An ihm soll einst
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Und
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Ach! aber lügt der Traum? – ich zittre, dieß zu denken!
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O! war er ein Gesicht, das
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Zu mir herabgesendet? Verflucht sey dann der Traum,
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Der Strand, worauf ich einschlief, die Nacht und dieser Baum!
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Ihn müsse
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Sturm und Gewitter wälzt, im Donner niederschlagen.
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Ich kehre itzt nach
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Die Göttinn mich betrogen, find ich
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So leb ich ohne sie, zum Hohn für ihre Triebe;
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Verflucht sey auch alsdann ihr Tempel, und die Liebe!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Jakob Dusch
(17251787)

* 12.02.1725 in Celle, † 18.12.1787 in Hamburg

männlich

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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