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Kein Tag war aufgegangen, kein Abendstern war da,
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Der mich, nach dieser Stunde, nicht bey
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Wenn sie zu spät erschien, ihr Götter, was für Sorgen!
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Ich sucht, und meiner Lieb hielt sie kein Wald verborgen:
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Hat sie, mich zu versuchen, mein Herz mit Fleiß gequält.
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Wie leer mir alles war, und wie dieß Herz geschlagen,
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O Freund, das kann ich dir mit keinen Worten sagen!
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Oft dacht ich, wenn ich schmachtend den tiefen Wald durchstrich;
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Unglücklicher, wen suchst du?
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Verlangt sie dich zu sehn? – Wo willst du sie wohl suchen?
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Kein Wald erzählt es dir, es schweigen diese Buchen,
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Die sie, indem du schmachtest, vielleicht vorüber gehn,
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Vielleicht an werthern Händen vergnügter wandeln sehn!
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Vielleicht hielt sie ein Arm, ein glücklicher Verlangen,
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Hier, oder dort im Busch vertraulicher gefangen!
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O rauschten diese Haine dir alle Küsse zu;
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Wer würde minder hoffen, Betrogener! als du?
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Wer heißt dich, wenn du auch an ihrer Stirn gelesen,
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Als Liebe zu verstehn, was Freundlichkeit gewesen?
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Die Hand, die sie dir raubet, dem werthern Freunde dar!
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Geh, statt um dein Geschick ihr Auge zu befragen,
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Laß ein Orakel dir dein Unglück deutlich sagen!
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War niemand sonst, der liebte? wie viele drängten sich,
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So quälte sich mein Herz. Einst warf ich meine Glieder,
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Vom langen Suchen matt, an einer Quelle nieder.
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Damals hab ich das Schicksal in Ahndungen gefühlt,
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Indem ich also saß, und sich die Seele müde
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Mit tausend Zweifeln rang, erweckte mich
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Er rannte mir entgegen, glückseliger als ich,
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Ganz voll von seinem Siege, und sprach: Umarme mich,
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Ach angenehmer Freund, dort fand ich sie im Haine.
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Mir sey sein Schatten heilig! es starre jede Hand,
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Die dieser Buche drohet, bey der ich überwand.
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O! hättest du gesehn, wie zärtlich sie gerungen,
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Wie schön sie weigerte, und halb von mir bezwungen,
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Mit matten Händen kämpfte, indem ich sie umfing,
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Und trunken in Empfindung an ihren Lippen hing! –
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Ach! Freund, ich sahe sie die Geister mühsam sammlen;
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Erröthen sah ich sie, und – könnt ich dir doch stammlen,
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Wie sie in schöner Unschuld die Augen niederschlug,
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Und sanft die Hand mir drückte, als ich mein Schicksal frug,
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Allein, du liegest hier? Stumm, tief in dich versenket!
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Wie hat die heiße Liebe so plötzlich aufgehört?
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O! Freund, wie wird sie sich um diesen Wechsel grämen!
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Du gabest ihr dein Herz, willst du es wieder nehmen?
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Ich nehmen? o ihr Götter!
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Rief ich; ach Freund! wie wenig erkennst du meinen Schmerz!
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Wer weis, von welcher Hand sie durch den Hain geführet,
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In dem vertraulichsten Gebüsch sich gern verliehret!
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Wer weis, in welchen Schatten, sie angenehm gekränkt,
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Nach dem Beglückten seufzet, dem sie ihr Herz geschenkt!
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Mir aber macht die Furcht Jahrhundert aus Minuten;
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Und einsam laß ich hier mein Herz im Stillen bluten.
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Vom Morgen ist die Sonne zum Abend hingerannt,
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Seit dem ich sie schon suche, und nirgend, nirgend fand.
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Ach! wenn ein ander Herz – Freund, müßt ich sie verlieren!
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Komm, sprach er zärtlicher, ich will dich zu ihr führen!
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Ihr Auge voller Sehnsucht, womit sie itzt mich bath,
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Sie dir nicht zu verrathen, befielht mir den Verrath.
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Sie frug: wen suchst du hier? Der Tag ist fast vergangen,
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Geh, zu Zephisen, geh; sie wartet mit Verlangen!
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Für mich soll dieser Abend in Einsamkeit vergehn;
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Solch ein Verboth, dem schon die Augen widersprechen,
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Will übertreten seyn, und fodert ein Verbrechen!
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Oft wünscht das Herz der Schönen, gar nicht gehorcht zu seyn;
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Wie schön sind die Verbrechen, die sie so gern verzeihn!
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Wie willig folgt ich ihm! In diesem Myrthenhaine,
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Sprach er, verließ ich sie, hier werde sie die Deine.
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Ich fliege zu Zephisen. Ihr Götter! ach wie schön
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Soll mir an ihrer Seite der Mond vorüber gehn!
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Ich schwebte durch den Hain, erbebend, unentschlossen,
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Und meine ganze Seel in Zärtlichkeit ergossen.
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Ob hier mein Herz, das bebte, von Liebe nur entbrannt,
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Ob es von Ahndungen des Künftigen geschlagen,
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Und Gram geweißagt hat, das kann ich dir nicht sagen.
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Ich fand sie unter Schatten: nachsinnend saß sie da;
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Mir alle Stunden schöner, so oft ich sie nur sah.
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Die Myrthen schienen ihr die Zweig herab zu biegen,
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Und düfteten um sie, und lispelten Vergnügen.
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Der Scherz flog um ihr Antlitz, ein athmender Zephyr
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Spielt um die schönen Locken; Entzückung strömt aus ihr
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Weit in die Gegend aus; und Phöbus sah herunter,
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Hing staunend auf dem Meer, und ging erröthend unter.
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Die Gegend, die ihr Auge neu zu beleben schien,
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Ließ junge Blumen düften, empfing ein frischers Grün.
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Die Silberfluth des Bachs floß aus der Urn der Quellen
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Mit lieblicherm Geräusch, und schlug verliebte Wellen.
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So herrscht im güldnen Morgen
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Die Nebel von den Hügeln, und weckt ein schlummernd Thal:
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Die Rose öffnet sich, und trinkt den frischen Segen,
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Und eine Welt erwacht, und lächelt ihr entgegen.
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Ach! Freund, in der Verwirrung noch tausendmal so schön!
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Unmöglich war es mir, der Liebe Stand zu halten;
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Von mehr, als menschlichen, von göttlichen Gewalten
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Zu mächtig hingerissen, stürz ich auf meine Knie,
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Nehm ihre Hand, ich seufze, ich drück, ich küsse sie;
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Zu stammeln heb ich an, und ringe mit der Sprache,
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Und häng an ihrem Aug, und weis nicht, was ich sage,
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Die Worte werden Seufzer; doch was mein Antlitz spricht,
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Das reden hundert Zungen in ganzen Tagen nicht.
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Ich merke Aengstlichkeit, sie wollte mich verlassen:
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Ich flehe, bey den Göttern,
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Soll mein verwundet Herz mit steten Zweifeln ringen?
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Soll ich zu dem Altar der
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Allein, verdient dich Liebe, recht heiße Liebe – ich!
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Da, wo ich dich nicht seh, da seh ich schwarze Bilder,
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Nur Klagen hört der Hain, und wiedertönt sie wilder.
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O! Angebetete, versuche dieses Herz;
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Ganz soll es dir gehören, ganz – oder auch dem Schmerz!
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Ach! würdest du dein Herz an einen andern geben,
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Wie, große Götter! wie wird dann
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Mein Blick hing an dem ihren: die Stimme ward zu schwach,
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Zu bebend, und ein Seufzer floß meinen Bitten nach.
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Sich zärtlicher auf mich, und ihre Wange brannte;
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Sie drückte mir die Hände; ich merkte schönen Zwang,
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Indem ihr voller Busen mit einem Seufzer rang:
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Ein Lächeln sprach für sie; indem ich sie betrachte,
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Glaubt ich, daß mich auf eins ein Amor kühner machte:
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Mich dünkt, ich merkte Liebe, und schlug die kühne Hand
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Voll Feur um meine Schöne, schwach war ihr Widerstand:
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Ich riß sie an mein Herz, und hielt sie fest umfangen,
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Ihr Busen kochete, und Gluth stieg in die Wangen.
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Ach! Freund hier hab ich endlich den ersten Kuß geraubt;
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Was sie nicht geben durfte, hat sie doch schön erlaubt.
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Die Myrthen rauscheten, der sanfte Westwind spielte
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Liebkosender um uns; ich glaubte, alles fühlte.
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Ach! dort steht das Gebüsche,
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Mein Glück bemerkt den Schatten, und zeichnet mir den Ort.
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So soll Verzweifelung, und Schrecken ihn bewohnen!
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Mein Herz fühlt hier noch blutend sein glückliches Geschick,
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Hat Falschheit ihn entweiht, der Zärtlichkeit zu spotten,
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Das Denkmaal eines Meineids, das
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O wo ist nun mein Glück? Freund, was ich um mich sehe,
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Der Tempel, dieser Hain, das Thal, und wo ich gehe,
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Ist öde, schrecklich öde, ein Denkmaal meiner Pein,
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Steht traurig, ohne Leben, und jagt mir Schrecken ein.
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Welch Land, ihr Götter! trägt den Schatz, den ich verliere,
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Und welch ein Himmel sieht den Meineid der
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Wo sie in einem Arme, der alles sich erkühnt,
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Vielleicht der Seufzer spottet, die sie nicht mehr verdient!
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O! wo sie immer sey, kann Reu sie noch erschüttern,
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So schrecke sie mein Bild, und strafe sie mit Zittern!
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Freund, als sie mich noch liebte, wie zärtlich liebten wir!
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Sie nur bey mir zufrieden, und ich allein bey ihr.
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Durch alle Gegenden, die nur den Lenz gezieret,
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Hab ich an meiner Hand die Zärtliche geführet:
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Mit jungen Morgenrosen, so bald
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Bezahlt ich ihr die Küsse, die ich nicht selber nahm.
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Oft, wenn die Jünglinge ihr aufzuwarten stritten,
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Und wenn sie freundlich war, was hat mein Herz gelitten!
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Ich wurde eifersüchtig, vor Furcht, und Misgunst schlug
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Das Herz in meinem Busen; ein Lächeln war genug:
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Dann riß ich mich von ihr; verrätherische Thränen,
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Durch euch erniedrigt uns die falsche Kunst der Schönen!
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Sie kannte meine Schwäche; in Zähren warf sie sich
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An meine Seite nieder, umfing, und küßte mich:
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So kalt? du liebst mich nicht, du kannst nicht mehr umfangen!
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Vergnügst dich, mich zu quälen, bist kalt, verachtest mich:
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Und ich, gerechte Götter! wie zärtlich lieb ich dich!
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Ich fiel um ihren Hals, in langen, starken Küssen
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Schien meine Brust erschöpft das Leben auszugießen.
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Ich hasse meinen Argwohn, und mein unruhig Herz:
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Nie liebt man mich genug – Geliebteste, verzeihe!
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Furcht schaffet Eifersucht, und Argwohn quält nur Treue.
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O! wenn du mich noch liebest, so liebe so, wie ich,
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So ganz, so stark, so einzig; sonst bitt ich, hasse mich!
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Ich will ein ganzes Herz; und kein Tyrann der Erden,
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Der Kronen geben kann, muß mir verglichen werden!
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Und zankten, mehr zu lieben, und Zwist war Zärtlichkeit.