Von meiner Jugend auf ergab ich mich der Ehre

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Johann Jakob Dusch: Von meiner Jugend auf ergab ich mich der Ehre Titel entspricht 1. Vers(1756)

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Von meiner Jugend auf ergab ich mich der Ehre,
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Und fühlte die Gewalt der Göttinn von
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Die Liebe meiner Aeltern, die auch der Zeit nicht wich,
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Ergoß sich auf die Kinder, und erbte mild auf mich.
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Das Unglück meines Stamms den Enkeln zu vergüten,
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Schien
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Nie hat wohl eine Liebe ein Alter mehr beglückt,
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Und minder
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Sonst hasset sie den Zwang, wenns Pflicht wird, sich zu lieben,
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Und beut Gesetzen Trotz, die
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Auf Freyheit eyfersüchtig, zieht sie die Flügel los,
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Und reißt sich aus den Ketten, worein sein Zwang sie schloß.
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Mit Tagen ohne Furcht vergehn die schönsten Triebe;
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Und Sicherheit ist schon der Todeskampf der Liebe.
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Gewohnheit dämpft die Flammen; das Alte wird verhaßt,
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Die Schönheit unbemerket, und Tugend selbst zur Last:
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Zu sicher, daß wir noch mit unsern Fehlern streiten,
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Bricht die Natur hervor, und zeigt die schwachen Seiten.
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Die Fehler werden sichtbar; denn unsre erste Treu,
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Und unsre Kunst zu lieben, war oft Verrätherey.
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Ein Trieb reißt uns dahin, und der, von der wir hoffen,
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Steht unser heimlich Herz am allermindsten offen.
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Wir nehmen uns die Larve, die leicht ein Herz gewinnt,
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Worinn wir reizen können, und uns nicht ähnlich sind.
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Nicht von Vernunft geführt, geleitet vom Vergnügen,
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Gilt Großmuth, wie die List; genug, wenn wir nur siegen.
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Die Schöne kehrt betrüglich die schönste Seite für,
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Lernt unsre Kunst zu reizen, und wird so falsch, wie wir.
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Sie straft uns mit der List, die wir erfunden hatten,
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Ergiebt sich unserm Schein, wie wir uns ihrem Schatten;
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Bis ein vertrauter
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Und unsre wahre Bildung zu unsrer Schaam entblößt.
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Und eine Zähre floß von ihren Rosenwangen.
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Mein Sohn, war ihre Lehre, der besten Ehe Pfand,
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Die am Altar der
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O! wenn du jemals liebst (und hast du von den Trieben
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Der Aeltern einen Theil, wie zärtlich wirst du lieben!)
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Wofern du also liebest, ach! Sohn, so merke dir
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Das Beyspiel deiner Aeltern, und liebe so, wie wir!
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Sey stets der Falschheit feind; die Falschheit lohnt mit Reue;
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Auf Tugend sieh zuerst, und weih ihr ewge Treue.
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Verachte jene Sklavinn, die für die Weichlichkeit
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Wollüstig ihren Weihrauch auf
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Flieh die Betrügerinn, die bald verschwendrisch liebet,
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Kein Herz von dir verlangt, und dir keins wiedergiebet.
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Verschwendung zeuget Mangel: wer nicht zu sparen weis,
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Sorgt nur für Augenblicke, und giebt die Zukunft preis:
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Dann wird dein ekles Herz im späten Mangel schmachten,
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Und die, die alles gab, wirst du zuerst verachten.
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Ein zärtlich Herz voll Tugend ist mit Verstande schwach,
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Spart Liebe für die Zukunft, und giebt dir edel nach;
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Es läßt dich, um dein Herz sich fester zu verbinden,
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In mehr, als einem Kampf, und mühsam überwinden.
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Ein täglich neuer Reiz mehrt deine Neubegier.
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Je mehr du sie erforschest, je schöner wird sie dir.
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Mit Freuden wirst du sehn, daß sie dir viel versage:
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Sie liebt mit Sparsamkeit, und sorgt für viele Tage.
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So, wie die süße Veilche mit Sittsamkeit sich schließt,
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Indem sich stolz am Tage die Lilie vergießt;
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Wenn dann ihr mattes Haupt im Schlummer niederhanget,
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Gießt sie Geruch ins Thal, eröffnet sich und pranget.
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O! Göttinn, sey ihm gnädig! sein Herz sey dir geweiht!
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Ich zog es für die Tugend, die Treu, die Zärtlichkeit;
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Ich segnete den Tag, an dem ich ihn gebohren:
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Doch war mein Wunsch umsonst, und aller Fleiß verlohren;
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Reißt jemals ihn die Wollust nach
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So sey der Tag verwünschet, an dem ich ihn gebahr!
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O! führe dieses Herz in unschuldvollen Trieben
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Der besten Schönen zu, und laß ihn edel lieben!
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So pflanzte meine Mutter in meine junge Brust
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Den Saamen ihrer Tugend, und Abscheu vor der Lust.
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Bald ward ich stark genug, Gefahren zu ertragen,
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Und mein unschuldig Herz im Sturm der Welt zu wagen.
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Kaum zählt ich achtzehnmale der Sonnen Wiederkehr,
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So wandt ich mich von
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Im heiligen April, die Göttinn zu verehren,
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Sah ich zum erstenmal die Insel der
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Ich weis nicht, was ich fühlte; doch welch ein Trieb es war,
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Ein Schicksal, oder Zufall, er riß mich zum Altar.
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Es sey, daß Seelen schon sich unbekannt verbinden,
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Daß ein Instinkt sie treibt, sich irgend wo zu finden;
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Es sey, daß auch die Göttinn, von meiner Treu gerührt,
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Durch Sympathie der Seelen mich selbst dahin geführt.
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Im Tempel drängte sich der Kern von jungen Schönen;
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Ich aber sahe nur die Töchter der Cylenen.
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Ach! könnt ich dir doch sagen, wie sich mein Herz empört,
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Wie – – doch ich wills vergessen; sie war der Treu nicht werth!
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O! wäre bey dem Reiz, den wir so zärtlich lieben,
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Auf jeder Stirne doch sein Laster angeschrieben!
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Ich sahe mit Entzücken dieß Muster der Natur;
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Ja Freund, ich wollte reden, zum Glücke seufzt ich nur,
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Und alles sah auf mich; ich hatte mich vergangen,
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Und Schaam trieb mir jetzo die Röthe in die Wangen
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Ein Jüngling von
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Bemerkte die Verwirrung, ergriff mich bey der Hand,
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Und sagte voll Vertraun: aus was für einer Erden
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Du kommst, so fühl ich schon, daß wir uns lieben werden:
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Ich sehe, du bewunderst, die Zierde von
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Die Anmuth dieser Bildung, und diese Majestät.
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Doch würdest du zugleich
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O! angenehmer Freund, du müßtest für sie brennen.
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Doch merkst du auch die Schöne, mit der sie so vertraut
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Sich lächelnd unterredet? Freund, die ist meine Braut.
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O! Göttinn, werd ich sie von deiner Hand empfangen,
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So wollt ich auch das Glück der Götter nicht verlangen!
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Ich merkte mir den Namen; und durch sein Lob entzückt,
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Hab ich ihn voll Empfindung an meine Brust gedrückt:
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Freund, sagt ich da zu ihm, ein Gott hat uns getrieben,
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Ich fühle seine Macht, ja, Werther, laß uns lieben!
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O! kennest du die Schöne? Geliebter, sage mir,
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Was hat dein Freund zu hoffen! mein Herz gehört schon ihr:
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Ein redlich, zärtlich Herz, ganz für die Freundschaft offen,
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Rein, wie, das deinige, o! sprich, was kann es hoffen?
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Ich sehe sie mit Opfern an
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Wird sie den Dienst verachten, und hier ein Herz verschmähn?
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Ich bath ihn, seinen Freund der Schönen zu zu führen,
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Und ihm verdankt ich auch mein Glücke bey
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Was für ein Glück, o Göttinn! welch eine Stunde! – – ach!
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Ich will den Tag verwünschen, wo ich die Falsche sprach;
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Verwünschen will ich ihn, – – Pein, die ich kaum ertrage,
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Und Gram und Thränen sind die Frucht von diesem Tage.
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Einst, als in göldner Röthe die Sonne niederstieg,
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Und vor dem Glanz der Himmel in tiefer Ehrfurcht schwieg,
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Im düftenden Gebüsch der stille Westwind lauschte,
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Die Wasserebne stand, und keine Ceder rauschte,
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Verlor ich mich in Tiefsinn, und Hoffnungen versenkt,
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Von Liebe unterhalten, und angenehm gekränkt,
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In jenen krausen Hain, wo wir in bessern Tagen,
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Oft froher wandelten, oft an der Quelle lagen;
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Ich hörte, und verfolgte den Ton der Nachtigall,
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Ich nahte mich dem Hügel; und an dem Wasserfall – –
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Es mögen Ahndungen den Schritt Verliebter führen,
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Es mochte Zufall seyn, fand ich, am Strand,
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Doch eher könnt ich glauben, daß mich mit Vorbedacht
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Ein Amor, der mich haßte, in diesen Hain gebracht!
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Freund, wenn der junge Lenz, vor dem der Sturmwind schweiget,
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Und Nebel sich verziehn, vom Himmel niedersteiget:
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So breitet sich die Freude in heitre Thäler aus;
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Die Erde ist verwandelt, ein Himmel wird daraus;
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Entzückung strömt herab, wie Bäche nieder rinnen,
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Man schöpft sie durch Verstand, und trinkt sie mit den Sinnen!
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Doch Freund,
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Sie saß, wie eine Göttinn, der Himmel um sie her.
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Ein Veilchen blühte da, wohin ihr Haupt sich bückte,
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Das auf die Hand gelehnt die Bank von Rasen drückte;
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Indem die Rosenbüsche, um sich der Fluth zu nahn,
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Vom Strand hinunter hängend, mit Mistraun sich besahn.
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Der West flog um sie her, den Aether zu erfrischen,
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Und fachte ihr den Duft von schwankenden Gebüschen.
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Doch Freund, wie soll ich sagen, was ich empfand und litt,
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Wie mich die Liebe fortriß, und Ehrfurcht widerstritt!
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Ich kämpfte mit mir selbst; und kann mich nicht entschließen,
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Voll Furcht klopft mir das Herz, und will doch überfließen.
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Ich wurde stets verwirrter, und oft mir unbewußt
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Entwischen tiefe Seufzer aus meiner vollen Brust:
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Ich trete furchtsam hin, will reden, und verblöde,
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Und stammle wieder fort, und weis nicht, was ich rede.
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Sie lächelt, und ich drücke, bey schwachem Widerstand,
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Beherzt die heißen Lippen auf die geliebte Hand,
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Und hang an ihrem Blick, und ringe im Entzücken
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Mit Worten, meine Lieb ihr würdig auszudrücken.
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Dem Zärtlichsten gebildet, so fleh ich, liebe mich!
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O! daß der Liebe doch, wovon wir überfließen,
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Die Göttersprache fehlt, ihr Herz ganz auszugießen!
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Mit einem tiefen Seufzer stieg meine Brust empor,
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In dem sich, wie erschöpfet, mein letztes Wort verlor.
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Holdselig sah sie mich an ihrer Hand noch hangen,
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Und ein entzückend Roth durchströmete die Wangen.
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Was fehlte meinem Glücke? Freund, was sie mir verschwieg,
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Verrieth mir diese Farbe, die in ihr Antlitz stieg.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Jakob Dusch
(17251787)

* 12.02.1725 in Celle, † 18.12.1787 in Hamburg

männlich

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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