Die Göttinn, die im Stillen der halbe Erdkreis ehrt

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Johann Jakob Dusch: Die Göttinn, die im Stillen der halbe Erdkreis ehrt Titel entspricht 1. Vers(1756)

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Die Göttinn, die im Stillen der halbe Erdkreis ehrt,
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Die hier Tyrannen flehen, dort Schäfer seufzen hört,
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Der jede Nation, in jedem Erdstrich dienet,
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Wo ewger Winter wohnt, und wo ein Frühling grünet,
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Herrscht sichtbar zu
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Nimmt hier für seine Göttinn der Völker Weihrauch an;
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Und jährlich steiget hier von schimmernden Altären
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Der Rauch von Opfern auf, die ihre Gottheit ehren;
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Wenn sich ein neues Leben in die Natur ergießt,
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Und hier die edle Jugend um sie zusammenfließt.
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Zwar auch
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Und
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Doch
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Hat sie von den Altären ihr Aug hinweggewandt.
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Die Wollust nimmt da Lohn von niederträchtgen Händen,
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Und Opfer der Altar, die ihre Gottheit schänden.
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Die Schaam, die Ehr und Treue, die Sittsamkeit und Zucht
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Vertilgen Frechheit, Wollust, Betrug und Eifersucht;
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Man kennt sie hier nicht mehr; es scheint, als wenn Cythere
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Der Schande und des Grimms furchtbare Göttinn wäre.
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Kein Erdstrich zeigt den Menschen so mancher Götter Spur;
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Selbst
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Wenn mit geschäfftigen, und eifervollen Händen,
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Der Erden Göttinnen verschönern, und verschwenden.
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Auch
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Erwecket ihn zur Liebe, und küsset feuriger.
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Sie denkt nicht an den Zank, der den Olymp empörte.
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Noch wie sie voller Schaam vom
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Der Groll stirbt in dem Busen, von ihrer Stirn der Streit,
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Und ihr verschönert Auge winkt Ruh und Zärtlichkeit.
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Und schürzet ihr noch einst den Gürtel um die Hüften.
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Der Erden Untergötter, die Mächte der Natur,
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In Wassern, auf Gefilden, in Hainen, auf der Flur,
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Vereinigen den Fleiß, erwecken, und beleben
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Den kleinen Theil der Welt, den ihnen
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Der güldne Gott des Tages nimmt einen weitern Lauf,
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Und jagt die Rosse schneller vom Ocean herauf;
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Dann glüht die Liebe noch auf seinen Rosenwangen;
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Und
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Schaut in den ebnern Wellen, wenn ihm der längre Tag
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Die Laufbahn weiter zeichnet, dem Gott im Bilde nach;
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Ob er am Widder oft, auf seinen flüchtgen Wagen,
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Die Zügel schüttele, die Rosse fortzujagen.
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Der Frühling folgt dem Gotte; sein Athem haucht dem Hain,
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Und Thälern, und Gefilden ein neues Leben ein;
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Und Zephyrs führen ihn, und fachen sanft die Düfte
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Vom vollen Rosenbusch, und Veilchen durch die Lüfte.
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So zeichnen alle Mächte mit Wonne diesen Tag,
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Und Götter eifern Göttern, und Nymphen Nymphen nach;
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Die ganze Schöpfung scheint
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Ein feyerlicher Stolz erscheint in allen Werken.
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Kaum trat zum erstenmale mein Fuß an ihren Strand,
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So rief ich, voll Entzückung: ihr Götter! welch ein Land!
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Ist hier Elisien? – und sah von allen Höhen
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Auf Thal und Wald umher, und ward nicht satt im Sehen.
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Dann strich ich durch die Gegend, worauf mein Auge lief,
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So wie mich die Entzückung durch ihre Sinnen rief.
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Hier kränzt ein Wald von Buchen das Veilchenvolle Thal,
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Und deckt mit kühlen Schatten vorm heißen Mittagsstrahl.
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Du sprächst, es streckte hier die Buche, mit Verlangen,
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Den grünen Arm von sich, Verliebte zu empfangen.
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Hier strömt von schwanken Aesten das Lied der Nachtigall
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Das tiefe Thal hinunter; der ganze Hain wird Schall;
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Des Baumes Dryas horcht, mit angenehmer Trauer,
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Und durch den stillen Wald geht ein geweihter Schauer.
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Die Nymphen, und Dryaden beschäfftigt eine Müh,
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Und diese zieht die Buchen, und jene tränket sie.
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Sie baun den Rasensitz, und lassen, hier im Kühlen,
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Um den verliebten Gast die schönsten Träume spielen;
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Sie beugen um den Schäfer der Schatten grünes Dach,
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Und seufzen süße Seufzer ihm leis im Busche nach;
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Sie polstern beym Geräusch vorüberfliehnder Quellen,
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Mit sanft geschwollnem Moos, der Schönen Lagerstellen;
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Sie schmeicheln mit den Wellen der stillen Phantasey,
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Und führen, wenn sie seufzet, den blöden Freund herbey;
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Umsonst fährt sie dann auf, zu spät will sie entfliehen,
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Und ringt, und läßt sich gern ans Ufer niederziehen.
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Doch wenn die Sänger schlummern, wenn in der kältern Nacht,
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Aus Silberwolken,
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So sammlet sich ihr Chor, den Reihen aufzuführen,
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Und Nymphen tanzen dann mit Faunen und Satyren:
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Bald fliegt der Schwarm durchs Thal hin, bald in den schwärzern Hain,
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Bald haschen sie einander, und springen bald im Reihn.
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Dort zittert von der Höh, die dieses Thal umschließet,
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Ein Bach, den hier
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Er windet sich geschäfftig, und irret tausendmal,
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Voll Ungeduld, durch Krümmen, und sucht den Weg ins Thal;
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Mit Sehnsucht wälzt er sich von schrägrer Höh herunter,
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Braust ungeduldiger, und stürzt vom Hang hinunter,
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Und drehet sich, und schäumet, und wälzet, sonder Bord,
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Durchsichtig über Blumen die weiten Kreise fort.
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Mit Wäldern an der Stirn, hängt hier ein stolzer Hügel
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Den Gipfel über ihn, und siehet sich im Spiegel.
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Sein Rauschen ladet oftmals die Nymphen aus dem Hain;
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Sie treten an sein Ufer, und spiegeln sich darein,
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Und stürzen in den Strom, und schlagen seine Wogen,
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Und schwimmen mit ihm fort, und spritzen Regenbogen.
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Wann dann ein schlauer Waldgott sie aus dem Schilf belauscht,
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So schwillt er eifersüchtig, tobt um ihn her, und rauscht;
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Und sie verstehen ihn, und tauchen schamhaft nieder,
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Und sein getreuer Strom verbirgt die schönen Glieder.
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Ein Wald von hohen Cedern steigt um den Hof hervor,
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Und trägt bis in die Wolken sein prächtig Haupt empor.
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Gigantisch strecket hier des
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Aus ihrer Finsterniß ihr irrendes Gesträuche.
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Enthusiastisch-zarte, verliebte Phantaseyn,
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Und angenehmes Grauen erfüllt den dunklen Hain.
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Hier pflegt die Göttinn oft das Schicksal, ihren Willen,
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Und das Zukünftige in Träumen zu enthüllen.
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Ein Schauer, den der Schatten des Hains herunter gießt,
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Und Ehrfurcht sagt der Seele, wem er geheiligt ist.
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Der Ausgang führt den Fuß in eine grüne Enge,
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Durch labyrinthische, verwachsne Myrthengänge.
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Hier athmet man die Liebe, den Gram voll süsser Lust;
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Der Schäferinn entwischet der Seufzer aus der Brust;
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Sie hört gelehriger, will reden, und wird blöde;
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Erröthet, stammlet, schweigt, und Blicke werden Rede.
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Ihr Herz wird ausgedehnet, ihr Busen lebt und steigt,
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Und ein verräthrisch Lächeln sagt das, was sie verschweigt.
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Kein Ort der Welt ist schöner, als rund um dieß Revier!
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Entzückung, süsse Sehnsucht, und Hoffnung wohnen hier.
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Hier herrscht ein ewger Lenz im stetem Feyerkleide;
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Die Seele athmet Ruh, und das Gefühl ist Freude.
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Wenn anderswo ein Nebel die rauhe Luft erfüllt,
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Wenn
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Wenn er ein sträflich Land mit Sturmwinden erschüttert,
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Wenn er im Donner fährt, und bang ein Welttheil zittert:
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So eilt der Gott des Tages von diesem Himmel fort
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Und wendet ganz sein Antlitz auf diesen stillen Ort.
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Hier sieht man Grazien, in frischen Blumenkränzen
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Die Freuden und den Scherz, bald flüchtig, bald in Tänzen;
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Den Witz, die blöde Unschuld, die jugendliche Schaam,
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Den flatterhaften Leichtsinn, den angenehmen Gram,
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Den losen Eigensinn, auf Blumen, in Gebüschen,
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Mit Amors unter sich, sich jagen und erwischen.
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Sie werfen sich mit Rosen, sie tanzen Hand in Hand,
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Durchschlüpfen die Gebüsche, und schwärmen durch das Land;
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Die Veilchen biegen sich von ihren Tritten nieder.
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Doch wo ein Blümchen stirbt, da wachsen hundert wieder.
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Sie warten Florens Kinder, die hier der Jüngling pflückt,
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Um Küsse zu verdienen, wenn er sein Mädchen schmückt.
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Sie sorgen, sie der Hand des Schäfers zu erziehen;
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Sie dürfen nur im Haar, nur vor der Brust verblühen;
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Und bricht man seiner Schönen hier einen Blumenstrauß,
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So wählen sie die Farbe, und suchen selber aus.
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Ich kam zum zweytenmal in diese Gegend wieder,
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Und warf mich Kummervoll am Strand des
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Ach! was für eine Gottheit verschwärzte mir ein Land,
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Das ich so schön gefunden, und nun so traurig fand!
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Erstorben schien umher das weite That zu liegen;
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Ich glaubte sie verlohren, in eines Räubers Hand,
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Von dem ich sie zu retten, umsonst das Meer durchrannt.
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Ach! schrecklicher für mich! ich glaubte, daß
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Dem Laster günstig sey, und sie schon treulos wäre.
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Nach jenem Tag voll Unglück, dem Tag der Finsterniß,
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Der damals mit
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Sank unter meinem Gram zwölfmal die Sonne nieder;
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So mancher finstrer Tag gieng unter, und kam wieder!
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Das Herz, das mehr sich martert, indem es sich verschließt,
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Fühlt Wollust in der Klage, und Luft, wenns sich ergießt.
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So glücklich war ich noch! bey meinen tiefen Wunden,
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Hat bey
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Oft hat mir im Erzählen bey ihm der Tag gefehlt;
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Und was ich damals wußte, hab ich ihm so erzählt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Jakob Dusch
(17251787)

* 12.02.1725 in Celle, † 18.12.1787 in Hamburg

männlich

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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