Auf die Christnacht

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Andreas Gryphius: Auf die Christnacht (1640)

1
Die seelge Nacht der Wunsch der ersten Zeit
2
Des Hoffens Zweck/ des Lebens Zuversicht/
3
Der Thränen Ziel/ das Pfand der Ewigkeit
4
Die alle Macht der Finsternüß zubricht;

5
Die schöne Nacht begrüst die müde Welt/
6
Die Adam hat in grimster Angst begehrt/
7
Als Gott ob ihm ein schweres Urtheil fällt/
8
Und ihn die Glut des rauen Gri is verzehrt.

9
Die Nacht tritt ein/ nach welcher Heva rufft
10
Schon jenen Tag/ als sie den Garten ließ
11
Aus dem nach Angst nach Schmertzen Pein und Grufft
12
Der Schöpffer sie in langes Elend stieß.

13
Die Nacht bricht an und bringt des Höchsten Kind
14
Mit in das Licht das GOTT und Licht von Licht
15
Doch als ein Mensch für aller Menschen Sünd
16
Sich opffert und vom Fluch uns ledig spricht.

17
Die Schlang erschrickt/ der Grund der Höll erkracht:
18
Die Erdeni it des Weibes Saamen an:
19
Der Himmel reist; was hi ilisch singt und wacht/
20
Weil der nun da/ der GOTT versöhnen kan.

21
Weil der nun da/ der auf der Schlangen Haupt
22
Ob sie die Zähn auf seine Fersen wetzt
23
Ob schon der Gri i des Abgrunds raßt und schnaubt/
24
Den steiffen Fuß mit starcken Kräfften setzt.

25
Weil der nun da/ der ihren Kopff zutritt
26
Und/ was uns hielt/ in Band und Ketten legt.
27
Weil der nun da/ der durch Verdienst und Bitt
28
Des Vatern Hertz zu erster Huld bewegt.

29
Weil der nun da/ der uns des Himmels-Thor
30
Eröffnet/ und den Weg ins Leben weist/
31
Durch den uns Gott vergönnt ein gnädig Ohr/
32
Durch den uns Gott selbst seine Kinder heist.

33
Weil der nun da/ der in mein Fleisch verhüllt
34
Mein Bruder ist und mir das Heil erwirbt/
35
Der Noth und Angst und Schmertz und Wehmuth stillt/
36
Ja selbst vor mich/ damit ich lebe/ stirbt.

37
Willkommen Nacht! du Schmuck der letzten Zeit
38
Der müden Trost/ der Zweck begreister Jahr.
39
Willkommen Nacht! du Quell der Ewigkeit
40
Der Väter Wunsch/ Verlangen Heilger Schaar.

41
Willkommen Fürst! du Mann/ du Horn/ du Port
42
Gewünschter Ruh/ du Trost der grossen Welt/
43
Des Abrahms Wonn/ und Jacobs Heil und Hort
44
Der Kirchen Haupt/ des Davids Sohn und Held.

45
Du Kind und Herr/ der keuschen Jungfer Frucht
46
Messia/ Freund und Retter in der Noth;
47
Des Höchsten Wort/ und Uhrsprung heilger Zucht;
48
Erlöser/ Felß; Willkommen Mensch und Gott!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Andreas Gryphius
(16161664)

* 02.10.1616 in Głogów, † 16.07.1664 in Głogów

männlich, geb. Gryphius

natürliche Todesursache | Schlaganfall

Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.