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Mein GOtt, ich habe lang auf dieser Welt gelebet,
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Ich hab’ auch in der Welt auf deiner Wercke
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Mit Freuden dann und wann gedacht,
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Und, in Verwunderung, dich zu erhöhn gestrebet;
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Wie hab ich doch so unempfindlich, ja
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Unfühl- und folglich auch undanckbar können seyn,
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Für eins, das, da ichs jetzt bemercke,
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Der allergrösten Wunder-Wercke
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Ohn allen Zweifel eins. Es ist mir dieß so nah,
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Als sonst fast keines ist,
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Es wird kein Augenblick
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Von mir zurück geleget,
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Daß es nicht meine gantze Brust,
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Und zwar zugleich voll Nutz und Lust,
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Mit einer sanften Macht beweget.
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Mein Leben selbst besteht in diesem Wunder bloß;
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Je mehr es mich betrift, je öfter ich es brauche,
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Wenn ich den Othem zieh’ und stets ihn von mir hauche.
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Je mehr es wunderbar und groß:
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Je mehr und öfter sollt’ auch ich daran gedencken,
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Und dem, der es mich würdigt, mir zu schencken,
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Und der es mir erhält, mit recht gerührter Seelen,
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Lobsingen, ihn erhöhn, und auf besondre Weise,
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Zu seiner Weisheit, Lieb’ und Allmacht Preise,
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Der Wunder Meng’ und Größ’ erwegen und erzehlen.
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Es ist zwar unsers Cörpers Bau,
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Und alles, was ich an ihm schan,
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Erstaunens-würdig, wunderbar;
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Doch welcher Kiel und welche Zunge
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Ist, die das Wunder-Werck der Lunge
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Auf eine solche Art besunge,
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Wie es die Würdigkeit, wie es derselben Wehrt
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Jhr Wesen, ihre Lag’, ihr Ampt, ihr Nutz, den wir
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In unserm Cörper stets von ihr
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Empfinden können und verspühren,
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Muß uns zu näherer Betrachtung billig führen.
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Wer das künstliche Gewächs unsrer Lungen recht
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Wird, wo er ein Mensch, sich wundern, wie es zube-
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Aus viel tausend kleinen Blasen, die geschickt sind Luft zu
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Und sich von derselben willig aus einander dehnen lassen,
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Aber die, wenn jene weicht, alsbald sich zusammen ziehn,
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Ist ihr Wesen zugericht! und die Luft-Röhr’ liegt in ihr
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Wunderbarlich eingesenckt,
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Und zuerst mit grossen Adern = = = aber, was beschreib ich hier?
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Weil man es unmöglich besser, als es
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Abzubilden fähig ist, und sie besser schildern kann,
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Führ’ ich diese schöne Stelle, aus desselben Schriften an:
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„nunmehr auch zu dem andern Theile,
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„der sanft ums Hertz herumgelegt,
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„und, zu des Cörpers gröstem Heile,
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„sich, wie dasselbe, stets bewegt!
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„die Lungen sinds, die wir verstehen,
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„die immer auf- und niedergehen,
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„und, durch dieß stetige Bemühn,
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„beständig frischen Othem ziehn.
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„sie, gleichend einem Huf der Pferde,
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„doch mehr noch einer Klau der Kuh,
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„weh’n, als ein Blasebalg, dem Heerde
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„des Hertzens Luft und Nahrung zu.
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„doch, da sie diesen Zweck erzielen,
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„so pflegen sie zugleich zu kühlen;
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„gleich wie, bey Titans heisser Glut,
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„ein ausgespanter Fecher thut.
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„die Kraft, so starck sich aufzutreiben,
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„und unaufhörlich aufzublehn,
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„ist denen Bläsgen zuzuschreiben,
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„woraus sie eigentlich bestehn;
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„als welche füglich mit den Zellen
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„der Bienen in Vergleich zu stellen:
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„wie schon Hippocrates erkannt,
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„eh’ es Malpighius erfand.
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„aus diesen Luft-erfüllten Hölen
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„pflegt sich das schwärtzliche Geblüt
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„aufs neue gleichsam zu beseelen,
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„daß es in frischem Purpur glüht.
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„denn wenn es matt zurücke kehret,
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„nachdem es jedes Glied ernähret,
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„so wird ihm die verlohrne Kraft
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„hier wiederum herbey geschafft.
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„dahero hängt vor ihrer Städte
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„gar eine künstliche Tapete,
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„die, als im alten Testament,
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„das Heiligste vom Heil’gen trennt.
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Erwege, deinem GOtt und Schöpfer doch zur Ehre,
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Wenn nur allein die Lung’ in dir nicht richtig wäre,
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Wie elend würde doch dein armes Leben seyn!
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Ein jeder Augenblick würd’ immer neue Pein,
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Mit Husten, Keichen, Seiten-Stechen,
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In deiner fast zerfleischten Brust,
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Die voller Schleim und Wust,
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Als wenn sie immer wolte brechen,
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Erregen; da du jetzt, wenn du’s erwegst, mit Lust
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Den Athen in dich ziehst, dein heisses Blut erfrischest,
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Der Luft gesunde Theil’ in deinem Cörper mischest,
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Und frölich leben kannst; wenn du nur selber wilt
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Die Kräfte deiner Seel’ auf dieses Wunder lencken,
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Und, daß du sanfte lebst,
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Beym sanften Athen-ziehn,
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Doch öfters als du thust, bemüht bist zu bedencken.
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Ach mögten wir dieß Wunder oft betrachten
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Und, wie es in der That, es für ein Wunder achten,
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So würden wir bey jedem Athem-ziehn,
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Dem grossen GOtt zu dancken uns bemühn,
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Und uns zu gleicher Zeit bestreben,
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In unsrer Lust zu seiner Ehr’ zu leben!