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Als von meinen Söhnen einer neulich Seiffen-Blasen
machte,
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Und ich über den Betrieb seiner Einfäll’ anfangs lachte;
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Ward ich endlich, da er eine, die vor andern groß und
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Und von wandelbaren Farben unbeschreiblich herrlich war,
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Durch den wunderschönen Glantz, der recht unvergleichlich
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Fast gezwungen, mit Bedacht, ihre Schönheit anzusehn.
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Ich erstaunte, wie ich hier ein so bunt-gefärbtes Licht,
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In fast über-ird’schem Schimmer, ein fast brennend Roht,
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Das den reinesten Smaragd, so wie jenes den Rubin,
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Würcklich übertraf, erblickte. Aber ein Sapphirner
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Und ein helles Purpur-Feuer, eine mehr als güldne Glut
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Nahm, mit einem schnellen Wechsel, augenblicks die Stel-
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Die erst grün und roth gewesen. In dem Glantz, der nim-
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Sah ich mit erstarrten Blicken, als im Diamantnen Spiegel,
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Himmel, Erde, Häuser, Fenster, Wälder, Felder, Thal
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Sich in schnellen Farben bilden, als ein neues Wunder, an,
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Welches alles übertraf, was man seh’n und dencken kann.
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Alles stand in buntem Schimmer, alles war gedoppelt
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Weil, was auf der obern Fläche, sich auch auf der untern
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Und, als wie die Luft im Wasser, alles doppelt sehen ließ;
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Formen, Farben, Glantz und Licht waren rund, auch hohl zu
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Mich bedünckt, indem ich scharf auf die Farben in der
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Mit geschärften Blicken, sehe;
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Daß ich eine nach der andern kommen, scheinen und vergehn,
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Und, an ihren vor’gen Stellen, andre schwinden und
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Und auch die sich ändern, finde. Weil fast nichts beständig
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Was erst weis war, färbt sich grün; dieses roth; das
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Denn erschien das weisse wieder, und die Aenderung war
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Dieser Kugel Farben-Wechsel kam, wie ichs bedachte,
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Da im Sommer, Herbst, und Winter und in dem be-
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Gelb und Roth und Weiß und Grün, wechsels Weise,
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Alle Jahres-Zeiten sind auf der Welt zu gleicher Zeit,
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Und sie ändern ihren Ort zwar in mindrer Schnelligkeit,
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Aber doch auch schnell genug. Ferner ward ich noch gewahr
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Wie von allen Elementen gleichfals die gevierte Schaar
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In dem kleinem Raum sich zeigte. In dem Grünen, in
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In dem Weissen, in dem Rohten, war die Erde, war die
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War die Luft und war die Glut,
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In besonderm Glantz, zu schauen.
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Durch den bunten Wunder-Schein und durch gleichsam
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Inniglich gerühret, zog alsbald meine Seele gantz,
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Und mit allen ihren Kräften, in mein Auge sich zusammen.
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Welches, mit geschärftem Blick, den durchsicht’gen Kreis
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Wie sie nun, halb selbst verklähret, gantz im Lichte schwebt’,
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Alles: Kugel, Glantz, Figuren, Glut und Schimmer,
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Ich erschrack, da, statt des Gläntzens und statt eines hellen
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Blick und Seele, wie der Blitz, in ein dunckel, leeres Nichts
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Plötzlich sich versencket fand. Dieß zeugt’ ernstliche
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Und auf einem neuen Wege fand ich eine neue Spur,
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Durch die so veränderliche, als beständige, Natur,
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Zum unwandelbarem All, der ohn End’ und sonder
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Was bey uns der Blasen-Kreis, ist für GOtt der Kreis
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Aller Jrrstern’ Kreis und Circkel, ja der allgemeinen Welt,
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Grosser Circkel, den er schuf, den er durch ein Wort ließ
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Und den blos sein Will’ allein, und sein grosses Wort
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Aber den auch blos sein Wort schnell zertheilen, schnell
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Schnell verändern, schnell verderben, in ihr vorigs Chaos
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Ja (wie Blasen gar vergehn) gar in Nichts verwandeln kann.
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Dieses ist unwiedersprechlich; darum wenn wir Blasen sehen,
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Die bald in vollkommner Ründe, Farb’ und Glantz stehn,
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Und in einem Huy zerstieben, denck ein jeder doch daran!