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Wie sieht es nun um uns, verweiste Brüder, aus?
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Die Reihen sind getrennt; der Tanz und Hirtenschmaus
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Ist leider uns und auch der Schäferinnen Orden
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Nach unsrer Phillis Flucht ein Klagelied geworden.
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Seit dem sie ihren Fuß aus unsrer Trift gesetzt,
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Entflieht auch alles das, was sonst das Aug ergetzt.
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So stark die Wiesen hier mit Blumen schwanger gehen;
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So fett und häufig auch man hier den Klee sieht stehen;
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So scheint doch alles todt. Der Blumen Kayserinn,
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Der Augen schönste Lust, die Phillis ist dahin!
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Die Lämmer gehen hier mit uns zugleich im Leide;
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Wie hängen sie den Kopf? sie hungern auf der Weide
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Vor lauter Schmerz und Gram. Warum? weil jedes sieht
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Daß ihre Schäferinn den Feldern sich entzieht.
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Kein Thal noch Wald kann uns nach solchem Raub erfreuen.
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Ihr allerschönster Platz gleicht wilden Wüsteneyen.
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Aurora weinet selbst. Seht ihr die Thränen nicht
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Auf allen Blätern stehn? das sonst so heitre Licht
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Des Titans scheinet Glanz und Ansehn zu verliehren,
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Da Phillis sich nicht läßt auf unsern Auen spüren.
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Unsäglicher Verlust! wer ruft nicht tausendfach?
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Wer sieht der Schönen nicht vor Wehmuth sehnlich nach?
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Ihr alle werdet es, ihr müßt es auch, bekennen,
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Daß man nichts liebers hört als ihren Namen nennen.
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Der Schäferinnen Chor wird ohne Zwang gestehn,
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Daß keine sich davon erkühnt ihr vorzugehn.
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Wer war der Phillis gleich, doch keine zu verachten,
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Wenn wir nach Hirtenart hier scherzten, tanzten lachten?
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Stellt euch, ihr Freunde, nur den Abriß noch von ihr,
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Und ihre Lieblichkeit in den Gedanken für.
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Mir ist, als säh ich sie noch in den Reihen sitzen,
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Und Huld und Ernst zugleich aus Stirn und Augen blitzen.
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Ihr Geist war aufgeweckt, doch sittsam auch dabey.
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Mag Himmel und Natur ein netter Conterfey
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Von einer Schäferinn auf allen Auen zeigen,
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So weit und breit man auch nur läßt sein Auge steigen?
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Reizt euch nicht die Gestalt, und ihrer Glieder Pracht?
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Wie schlank war nicht der Leib, wie schmal ihr Fuß gemacht?
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Wer tanzte zierlicher, als Phillis in den Reihen?
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Wer sang wohl lieblicher, die Hirten zu erfreuen,
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Wodurch sie aller Ohr und Sinn zugleich bethört?
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Ja selbst die Nachtigal hat ihr oft zugehört,
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Und in dem Busch gelauscht, um bey so schönen Dichten
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Sich nach der Phillis Schall und holden Ton zu richten.
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Gefährten! könnt ihr wohl, da dieser Raub geschehn,
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Vor Jammer, Leid, und Gram nach euren Heerden sehn?
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Sie mögen irren, fliehn, und sich im Wald verschlagen,
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O kommt! laßt uns dafür das Leid einander klagen.
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Am aller meisten mir, mir, dem zu weh geschicht;
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Dem Trost und Zuspruch fehlt. Wie Damon, wirst du nicht
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Vor Schaam und Schrecken roth? vergebt es mir, ihr Brüder!
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Schmerz, Sehnsucht und Verlust, schlägt mich dermassen nieder,
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Daß ich mich leider selbst vor Jammer und Verdruß,
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Nach meiner Phillis Flucht, nunmehr verrathen muß.
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Ich habe sie geliebt, und dies mehr als zu heftig;
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Ihr Wesen war zu schön, ihr Augenstral zu kräftig.
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Ists möglich? daß ihr nie die Glut an mir verspürt,
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Indem ich ganz verwirrt die Heerden oft geführt?
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Wie oftmals hab ich nicht, wenn ich bey ihr gesessen
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Freund, Lämmer, Haus und Hof, ja gar mich selbst vergessen?
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Bracht euch mein Aufzug, Putz, und meine Liverey
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Dergleichen Argwohn nicht, ihr blinden Schäfer, bey?
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Schloßt ihr nicht aus dem Gang, aus Stellung, Wort und Minen
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Was ich verborgen hielt? wenn bin ich wohl erschienen
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Daß nicht ein frischer Strauß, den ich mit Sorgfalt las
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In ungezwungner Pracht, auf meinem Hute saß?
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Es muste Strumpf und Schu stets knapp und glatt gebunden,
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Die Tasche bunt gestickt, die Flasche schön und rein,
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Die Wäsch auf meiner Haut schneeweis wie Phillis seyn.
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Kein Schäferstock ist wohl in unserm ganzen Orden
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So nett und rund gedreht, so reich bebändert worden.
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Mein Hirtenkleid das ich um Hüft und Lenden schlug,
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Und wie ihr selber wißt, doch alle Tage trug,
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Beschämt an Reinlichkeit auch eure Festtagsröcke:
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Wenn habt ihr einen Strich auch von dem kleinsten Flecke
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Auf selbigem gesehn? wie oft hab ich die Nacht
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Wenn ihr in Ruhe schlieft, mit Tanzen zugebracht!
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Die Misgunst gab mir selbst den Vorzug unter allen.
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Und warum that ich dies? der Schönen zu gefallen.
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Vergebner Putz und Müh! was hab ich denn erreicht?
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Dies, daß die Schäferinn aus unsrer Flur entweicht.
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Ach Phillis, meine Lust! nun aber mein Verlangen!
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Wie oft bin ich die Trift nicht auf und abgegangen,
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Nur was von dir zu sehn? auch deine blosse Spur
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Vergnügte meine Brust. Erblickt ich Armer nur
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Von deinem Schäferstock die weit entfernte Spitze,
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So ward ich schon entzückt, entbrannt von Glut und Hitze.
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Es war als böte mir der Schutzgott, unser Pan
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Sein ungezähltes Heer und seinen Reichthum an.
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Die Nacht, worauf doch sonst die andern Hirten hoffen,
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Die hat zu meiner Qual mich stets zu früh betroffen.
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Sie war mein gröster Feind. Die Hütte, wo ich lag,
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Glich einer finstern Gruft. Ich seufzte, wär es Tag!
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Wie hab ich oft vor dich den Schlaf mir unterbrochen
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Und vielmals vor Verdruß und Ungeduld gesprochen:
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Aurora säume nicht! weil Deck und Stroh zu hart,
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Und weil es mir zu bang auf meinem Lager ward,
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Ja, konnt ich gleich noch nicht Orions Glanz erblicken,
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So ließ ich aus dem Stall doch schon die Heerde rücken.
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Ich riß den Säugling selbst von seiner Mutter Brust,
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Er trunke sich nicht satt, ich störte seine Lust:
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Bloß um am ersten dich nach deiner Ruh zu fragen,
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Und meinen Beystand dir zum Hüten anzutragen.
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Hieß denn der Abend mich in meine Hütte gehn:
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So sah ich dich im Geist an meiner Seite stehn;
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Doch dieser Afterschein bethörte mich so nahe,
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Daß Damon nicht einmal bey seiner Anzahl sahe
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Das was er heimgebracht. Zehlt ich im Hof die Schaar
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Und das was in den Stall bereits gedrungen war,
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So traf sie niemals ein: das fehlte was vom Haufen,
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Da must ich armer Tropf mit Angst zurücke laufen.
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Du warst mein Morgenstern und auch mein Abendrot,
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Auch nur ein Blick von dir versüßte Trank und Brodt:
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Doch hab ich manches mal mein liebes bißchen Essen
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Aus Kümmerniß versäumt, und über dir vergessen.
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Schnitt ich den Bissen ab bey so verwirrten Sinn:
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So reicht ich unbewust ihn meinem Hector hin,
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In Meynung, daß ich ihn in meinen Mund gestecket,
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Und daß er mir so süß als Phillis Kuß geschmecket.
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Mein Haberrohr, das nichts als Phillis Namen rief,
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Wenn meine Schäferinn auf grünen Matten schlief,
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Worauf die Müdigkeit das Helfenbein der Glieder
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Bey schwülen Stunden warf, hat dir viel tausend Lieder
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Statt Opfers dargebracht. Was spielt ich, Schöne, dir,
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Doch in Entfernung nur, und in der Stille für?
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Was dir mein feiger Mund sich nicht erkühnt zu sagen,
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Daß muste dir mein Rohr verliebt und sehnlich klagen?
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Warum? dies wurde nicht dabey so roth, als ich.
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Sein freyer Ton und Schall hieß: Damon liebet dich.
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Kein Schäfer, sollten mich auch alle drum beneiden,
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Weis einen Namen leicht so künstlich einzuschneiden,
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Als ich den Deinigen verschlungen angebracht,
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Worüber ich auch oft manch Messer stumpf gemacht.
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Hier durfte weder Ficht noch Erl verschonet bleiben,
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Die Liebe hieß mich ihn auf Birk und Linde schreiben;
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Kein Eichenbaum blieb frey, kein Tannenbaum beschützt,
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In Buch und Weiden ward er hier und dar geschnitzt;
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Ich schnitte selbigen so tief in Schaal und Rinden,
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Daß ich dabey das Bast von Fingern konnte winden.
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Doch ist er nie so tief gekerbt und eingeprägt,
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Als Damons treue Brust ihn noch beständig trägt.
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Der hatte Hand und Herz dir unbewust verpfändet,
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Und nie von seinem Hauch und Odem mehr verschwendet,
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Als wenn er nur mit dir in den Gedanken sprach.
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So Berg als Hügel zeugt, das Echo rief es nach
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Durch Klang und Wiederschall. Nur dir blieb es verborgen,
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Daß Damon dich geliebt vom Abend bis am Morgen,
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Mit Sehnsucht dich genannt, zu seiner Lust erkiest,
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Und keine Schäferinn, so reizend sie auch ist,
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Dir vorgezogen hat. Du konntest dieses spühren,
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So oft man bey dem Spiel dich sah die Reihen führen,
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Wobey dein Schäfer zwar ein Auge voller Lust,
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Jedoch zur Pein geholt. Es durft aus meiner Brust
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Kein Seufzer, den die Furcht mich Armen hieß verschweigen,
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Bey deiner Gegenwart in freye Lüfte steigen.
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Mit meinen Augen selbst gieng ich ein Bündniß ein,
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Aus Furcht, sie möchten einst bey dir Verrähter seyn.
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Ich sahe dich wohl an, doch mit bescheidnem Blicke;
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Denn Nachsinn und Vernunft hielt Flamm und Blick zurücke.
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Ich bothe dir die Hand wenn mich die Ordnung traf,
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Doch tanzt ich ganz verwirrt, und gieng als wie im Schlaf.
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Bald kehrt ich dreymal um, bald schien ich selbst zu wanken,
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Bald fieng ich wieder an; doch alles in Gedanken.
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Ach, Phillis, liessen es die Sterne doch geschehn,
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Daß ich dein Augenlicht noch einmal solte sehn,
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Womit, da du nunmehr aus unserm Chor gegangen,
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Ein weit entferntes Land und fremde Triften prangen,
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Mein Seufzen ist gerecht, und doch auch scheltens werth,
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Ich habe nichts als dich, und doch zu viel begehrt.
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Ich sah es im voraus, daß wer dich, Schöne küßte,
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Der allerschönste Hirt und Schäfer heissen müste.
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Und dennoch fiel mein Aug, o Phillis, nur auf dich,
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So bald ich dich nur sah, ach, so vergaß ich mich.
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Vergib den stolzen Trieb, wofern man dir wird sagen,
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Daß Damon dich geliebt, und was für herbe Klagen
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Dein Abschied ihm erregt. Die Liebe höret ihn,
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Drum fluche nicht, wenn er dich sieht mit Thränen fliehn.
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Der müste wohl ein Gott, ein Stein, ein Felsen heissen,
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Den deiner Schönheit Stral, nicht sollte niederreissen.
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Dich liebt die halbe Welt. Beglückter Seladon!
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Dir ist der Himmel hold, du trägst den Preis davon.
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Nicht zürne, wenn das Rohr der Schäfer kläglich spielet,
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Und jeder Hirt auf dich mit schelen Augen zielet:
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Der Raub und ihr Verlust ist wahrlich gar zu groß!
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Die schönste Schäferinn sitzt dir zwar in dem Schooß
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Und bleibt dein Eigenthum, doch kannst du nicht verwehren,
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Daß wir, obgleich entfernt, noch unsre Phillis ehren.
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Entflohne! hörst du nicht? dein Damon ruft allhier
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Den Pan zum Zeugen an: Er ruft, er schweret dir:
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Es soll die Seuche mir die Lämmer alle strecken;
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Das Sterben dringe sich zu Ziegen und zu Böcken;
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Kein Euter trage Milch; der Zauberinnen Wuth
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Behexe selbiges; das Melkfaß sey voll Blut;
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Es mag kein einzig Thier im Jahre trächtig werden;
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Der Miswachs zeige sich auf jedem Kloß der Erden;
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Die Scheune bleibe leer, der Keller ohne Most;
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Der Maden hungrig Heer durchwüle Speis und Kost;
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Geschmeiß und Raupe soll mir Ast und Zweig entblättern;
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Der Zeus mag meinen Hund, den Hector, gleich zerschmettern,
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Der bey des Wolfes Grimm, und bey der Füchse List
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Der Schaafe bester Schutz, mein treuster Beystand ist;
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Ich will, wenn jeder kann die krausen Schaafe scheeren,
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Die meinen nackend sehn, die fette Schur entbehren;
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Es zeige meine Trift stets lauter Sand und Stein;
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Die Wiesen müssen faul vom Sumpf und Moder seyn;
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Kein frisches Morgennaß befalle meine Matten;
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Kein Baum, kein kühler Busch beschütze mich durch Schatten,
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Wenn mich die Sonne sticht; der frischen Bienen Heer
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Verlasse Zell und Fach, und zinse mir nichts mehr;
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Der Marder würge mir auf einmal meine Tauben,
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Und mag in einer Nacht mir das Geflügel rauben;
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Es mache Flamm und Glut, hör was der Schäfer spricht!
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Mein Hirtenhaus zu Staub; wofern dich Damon nicht
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So lange noch der Puls in seinen Adern schläget
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In den Gedanken liebt, in Herz und Sinnen heget.