Ach Freundinn! du bist todt! der Schmerz hemmt mir die Zunge

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Christiana Mariana von Ziegler: Ach Freundinn! du bist todt! der Schmerz hemmt mir die Zunge Titel entspricht 1. Vers(1727)

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Ach Freundinn! du bist todt! der Schmerz hemmt mir die Zunge,
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O Unglück! das mir schon mein Allerliebstes raubt.
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So bald die Trauerpost in meine Ohren drunge
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So sagte mirs mein Herz, sonst hätt ich nicht geglaubt.
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Mein Kummer ist gerecht, gerecht sind meine Klagen;
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Ich bin den Tauben gleich, ich suche Wald und Thal,
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Dich meiner Augen Lust, mein alles auszufragen,
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Doch alles ist umsonst; drum mehrt sich meine Qual.
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Dein Geist begleitet mich, ich sehe dich im Schatten,
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Ich fahre oftmals auf, und denk ich fasse dich,
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Allein so ists ein Schein mit dem ich mich wil gatten;
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So mehret sich die Pein, so frißt der Kummer mich!
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O deckten mich doch auch schon kühler Sand und Steine!
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Denn ich bin in der That nun meines Lebens satt.
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So oft ich den Verlust und deinen Werth beweine,
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So oft werd ich auch schwach und von dem Seufzen matt.
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Kaum daß ich mich erholt, küß ich die kalten Wangen;
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Doch Schicksal, kürze nur mein Leben durch den Tod:
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Der soll mir süsser seyn als was ich kann erlangen;
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Denn jeder Blick vermehrt hinführo meine Noth.
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Indessen schwer ich dir, ich bleibe stets die deine,
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Man schließt mein treues Herz mit in dein Grab hinein.
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Ja du bleibst noch erblaßt mein Liebstes und die meine
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Ich wünsche sonsten nichts, als nur um dich zu seyn,
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Doch der vergebne Wunsch verdoppelt mein Empfinden;
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Mein Leiden wird vermehret, die Marter wird stets neu;
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Der Schmerz nimmt immer zu, und bey dem Hände winden
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Läßt er die bange Brust nicht eine Stunde frey.
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Dein Ansehn, dein Verstand, dein Herz, dein ganzes Wesen
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Dein aufgeräumter Kopf, und deine Trefflichkeit,
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Dies alles soll nunmehr verschwinden und verwesen.
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Mein Unglück ist zu groß, es mindert keine Zeit!
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Der Tugend Ebenbild warst du in allen Sitten
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Der Unschuld Meisterstück, ein Wunder der Natur
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Du warst bey jedermann beliebt und wohl gelitten.
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Ach! meine Freundinn war die schönste Creatur!
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Die treue Freundlichkeit, die unverfälschten Triebe
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Besiegten meine Brust, und raubten mir das Herz,
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Daß ich dich noch im Tod mehr als mich selber liebe,
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Doch nicht zu meiner Lust, zu meinem grösten Schmerz.
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Ich nähre selbigen bis ich dabey vergehe,
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Ich sehne mich nach nichts als deiner Todtengruft,
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Du theiltest Freud und Lust, du theiltest Wohl und Wehe;
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Was Wunder wenn mein Geist dich noch zurücke ruft?
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O könnte meine Hand dir doch ein Denkmal bauen!
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Doch alles ist umsonst was ich bereits gethan.
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So ruhe sanft und wohl, du Muster kluger Frauen;
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Ich kenne deinen Werth den nichts ersetzen kann.
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Wie gerne wollt ich mich an deiner Seite schmiegen,
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Allein des Himmels Schluß vergönnt mir nicht die Lust.
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Und kann ich nicht mit dir in einem Sarge liegen,
52
So stirbt dein Name doch niemals in meiner Brust.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christiana Mariana von Ziegler
(16951760)

* 28.06.1695 in Leipzig, † 01.05.1760 in Frankfurt (Oder)

weiblich, geb. Ziegler

deutsche Schriftstellerin

(Aus: Wikidata.org)

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