Der Traum

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Barthold Heinrich Brockes: Der Traum (1736)

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Ich lag, voll schwartzer bittrer Sorgen,
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In eines Kerckers Gruft und dunckler Nacht verborgen;
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Die Fessel drückten mich; doch mehr noch, als die Bande,
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Die Furcht der künftigen Verachtung, Straff’ und Schande
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Da dacht’ ich, welch ein Schatz die güldne Freyheit sey.
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Ich that die Augen auf, und fand mich würcklich frey,
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Von aller Furcht erlös’t, von aller Pein genesen;
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Denn meine Noth, (GOtt Lob) war nur ein Traum gewesen.
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Ich danckte billig GOtt. Doch dacht’ ich noch dabey,
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Ob etwann die Melancholey,
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Womit sich viele Geister qvälen,
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Nicht einem schweren Traum der Seelen
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Gar füglich zu vergleichen sey?
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Noch mehr: ob nicht ein Traum uns könn’ ein Vorbild
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geben
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Von einer Seelen-Pein, so gleich nach diesem Leben?

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Barthold Heinrich Brockes
(16801747)

* 22.09.1680 in Hamburg, † 16.01.1747 in Hamburg

männlich, geb. Brockes

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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