18. Brief

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Christiana Mariana von Ziegler: 18. Brief (1727)

1
Apollens werthe Braut nennt mich dein Dichterkiel!
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Galante – – – du denkst und schreibst zu viel;
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Ach es erfordert mehr zum rechten Zweck zu kommen,
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Und das was ich gethan, heißt noch nichts unternommen.
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Ein Reim zehlt uns nicht gleich zu den Poeten mit,
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Wenn man auch noch so schnell zum Musenhügel tritt.
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Der Hippocrenen Fluß dient auch zu Stümpereyen;
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Drum wirst du, Freundinn, mir vor diesesmal verzeyhen,
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Ich schreibe deutsch heraus, so wie das Herze denkt;
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Und da dein Schreiben mir so viele Neigung schenkt,
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So offenbar ich dir, wie mir es sonst gegangen,
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Mit was vergebner Müh ich manches angefangen.
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Ein Dichter soll und muß dazu gebohren seyn,
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Das lag mir in dem Kopf, ich schrieb in Tag hinein;
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Bis treuer Freunde Rath mich auf den Einfall brachte,
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Daß ich bloß die Vernunft zu meiner Richtschnur machte.
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Die führte mich so gleich ganz einen andern Weg;
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Gefällt dir mein Gesang, betritt auch diesen Steg,
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Du wirst denselbigen sodann mit Ruhm beschreiten
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Daferne du dich läßt in diesen Schranken leiten.
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Geduld, Vernunft und Zeit die können uns belehren.
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An statt daß Männer stets gelehrte Redner hören,
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So nehmen wir ein Buch von einer klugen Hand,
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Und machen uns daraus das was uns nützt, bekannt.
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Die Regeln muß man auch aus ihrem Grunde wissen,
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Es muß uns keine Müh bey dieser Kunst verdriessen;
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Wenn man die Sätze nicht recht einzutheilen weis,
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So wird dem Leser kalt, bald übel und bald heiß.
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Dem Unfall in der Zeit mit Vorsicht vor zu kommen,
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So hab ich manchen Rath mit Danken angekommen.
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Es kömmt manch schönes Werk zu unsrer Zeit heraus,
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Ich suchte mir noch letzt dergleichen Bücher aus,
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Und lese stets mit Lust was andrer Witz geschrieben,
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Denn wer das Dichten liebt, der muß auch diese lieben.
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So fahr ich täglich fort, und lerne was dabey;
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Dadurch verliehret sich das wilde Waldgeschrey.
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Die Vorschrift kann ich dir aus gutem Herzen geben;
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Doch steht dir ferner frey derselben nach zu leben.
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In liegendes Gedicht stellt sich auch bey dir ein;
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Es soll von meiner Gunst zum Schluß der Zeuge seyn;
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Nebst der Versicherung, du wirst mich stets so kennen,
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Daß du mich in der That kannst deine Freundinn nennen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christiana Mariana von Ziegler
(16951760)

* 28.06.1695 in Leipzig, † 01.05.1760 in Frankfurt (Oder)

weiblich, geb. Ziegler

deutsche Schriftstellerin

(Aus: Wikidata.org)

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