Hochwohlgebohrne Frau, ich bitte dich, vergieb

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Christiana Mariana von Ziegler: Hochwohlgebohrne Frau, ich bitte dich, vergieb Titel entspricht 1. Vers(1727)

1
Hochwohlgebohrne Frau, ich bitte dich, vergieb.
2
Daß ich nicht alsobald auf dein Geehrtes schrieb.
3
Ich konnte wahrlich nicht die schwache Feder führen.
4
Ich weis, mein Schmerz kann dir zugleich das Herze rühren.
5
Hättst du die Hand gesehn, der Schwulst war gar zu groß;
6
Mir fiel bey dem Geschick ein allzuhäßlich Los.
7
Erhalt ich sonst ein Blat von deinen liebsten Händen,
8
So eil ich ungesäumt, die Antwort drauf zu senden.
9
Denn jedes druckt so gleich mit neuverstärkter Lust,
10
Dein Bild, Geehrteste, in die ergebne Brust.
11
Wie glücklich kann ich mich bey deiner Freundschaft schätzen!
12
Ich darf mich ganz vertraut an deine Seite setzen:
13
Ich rede unverstellt, in ungestörter Ruh;
14
Dein aufmerksames Ohr hört mir gelassen zu.
15
Ich kann dir Wohl und Weh und alles anvertrauen;
16
Ich kann auf deine Huld die stärksten Schlösser bauen.
17
Dies alles treibet mich zu einer Ehrfurcht an,
18
Mit der man in der Welt gar nichts vergleichen kann.
19
Mich reizt kein schöner Baum, kein Garten, keine Früchte,
20
Sie bleiben gegen dich ein blosses Schaugerichte.
21
Wenn mich was laben soll, so ists ein werthes Blat
22
Das deine Hand gesetzt, des werd ich niemals satt.
23
Da laß ich Obst und Wein, und alle Speisen stehen;
24
Mein Geist weis nicht vor Lust, wie ihm dabey geschehen.
25
Pflicht und Erkenntlichkeit erfordert dies von mir.
26
Mein Herz, Geehrteste, ist immerfort bey dir;
27
Das suchst du Tag vor Tag von neuem zu ergötzen;
28
Mit deiner Freundschaft ist nichts in Vergleich zusetzen.
29
Du hast mich, Wertheste, vor andern Freunden lieb,
30
Und worauf gründet sich der ungemeine Trieb?
31
Und was bewegt dich denn mich vielen vorzuziehen?
32
Du kennst mein Redlich seyn, mein Sorgen, mein Bemühen
33
Vor das was dich vergnügt, und was dir wohlgefällt;
34
Mein Wille bleibet stets dem deinen heimgestellt;
35
Ja der Gehorsam daurt in unverrückter Treue.
36
Du glaubst nicht, wie ich mich schon auf die Messe freue.
37
Ich zehle Stund und Tag bis ich dich sprechen kann
38
Bey deiner Gegenwart treff ich mein alles an.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Christiana Mariana von Ziegler
(16951760)

* 28.06.1695 in Leipzig, † 01.05.1760 in Frankfurt (Oder)

weiblich, geb. Ziegler

deutsche Schriftstellerin

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.