Die Clio weckte heute mich

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Christiana Mariana von Ziegler: Die Clio weckte heute mich Titel entspricht 1. Vers(1727)

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Die Clio weckte heute mich,
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Eh noch die Morgenröthe sich
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Ließ sehn, aus Schlaf und Schlummer;
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Ich dehnte mich halb schnarchend aus,
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Doch sprang ich zu dem Bett heraus,
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Voll Unruh, und voll Kummer.

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Auf! sprach sie, nimm dein Dintenfaß,
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Ich weis, du hältst unfehlbar was
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Von gut getroffnen Bildern;
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Drum will ich hier ein Conterfey
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Ohn allen Trug und Schmeicheley
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Von deiner Freundin schildern.

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Nimm in die Pfötchen deinen Kiel,
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Und schreibe diesmal nur so viel,
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Als ich itzt glaub und meyne.
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Sie hat ein Herz voll Redlichkeit,
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Doch trauet sie nicht allezeit,
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Und schwör man Stein und Beine.

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Sie ist freygebig; Lobesan
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Kommt diese schöne Laun ihr an;
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Doch nicht zu allen Stunden.
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Denn wenn man sie vor milde hält,
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So bleibt der Sack zurück gestellt,
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Und sauber zugebunden.

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Ihr Haus, wo stets der Tisch gedeckt,
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Und wo Getränk und Speise schmeckt,
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Steht guten Freunden offen.
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Allein, der Misbrauch muß nicht seyn,
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Denn fällt man stets wie Fliegen ein,
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So hat man nichts zu hoffen.

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Es kann im Umgang alsofort
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Sie vielmals auch ein einig Wort
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So gleich verdrüßlich machen.
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Wallt ihr auch noch so sehr das Blut,
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So wird sie doch gleich wieder gut,
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Und fänget an zu lachen.

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Nach Erb und Gut steht nicht ihr Sinn,
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Wie viele thun, begierig hin,
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Die nur dem Mammon fröhnen.
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Viel lieber gäb sie, was sie hat,
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Um andern ihren Lebensdrat
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Dadurch lang auszudehnen.

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Bringt man ihr neue Zeitung vor,
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So pfleget solches zwar ihr Ohr
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Gar willig anzuhören;
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Sie schweiget dabey mäuschen still,
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Doch glaubet sie nur, was sie will,
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Und läßt sich nicht bethören.

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So schön ein Jüngling immer heißt,
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Der hold und rothe Bäckchen weist,
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Hört man sie zwar ihn loben.
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Jedoch, er macht ihr keinen Schmerz,
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Es ist vor ihr empfindlich Herz
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Ein Riegel vorgeschoben.

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Die Hagestolzen ehret sie,
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Und giebet sich rechtschaffne Müh,
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Dieselben hoch zu halten.
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Ja, was? sie liebt sie inniglich,
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Denn Witz und Klugheit zeiget sich
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Allein nur bey den Alten.

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Sie hat sich Klingen welche man
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Durch Zieglers Kunst wohl preisen kann,
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Zu Schimpf und Ernst erkohren.
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Bekümmert sich doch nicht dabey,
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Wohin der Heft gekommen sey;
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Noch wer ihn hat verlohren.

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Kaum, daß ich dies durch meine Hand
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Der Muse nach geschrieben fand,
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Die mir dies Bildniß wiese;
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So sprach ich: dies ist ganz gewiß
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Die Zeichnung und der wahre Riß
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Von unsrer Mutter Liese.

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Und weil ich weis, daß sie das Fest
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Des schönen Namens feyren läßt,
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Den wir mit Lust erblicken;
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So will ich ihr heut dieses Blat,
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Das ihr mein Mund versprochen hat,
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Zum Angebinde schicken.

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Doch hang ich diesen Wunsch noch dran,
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Den ich nicht schuldig bleiben kann;
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Sie mag vergnüget leben,
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Bis sie dereinst im grauen Haar
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So, wie die – – – – – war,
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Der Welt wird Abschied geben.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christiana Mariana von Ziegler
(16951760)

* 28.06.1695 in Leipzig, † 01.05.1760 in Frankfurt (Oder)

weiblich, geb. Ziegler

deutsche Schriftstellerin

(Aus: Wikidata.org)

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