Vertheidigt euch, wie ihr nur könnt

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Christiana Mariana von Ziegler: Vertheidigt euch, wie ihr nur könnt Titel entspricht 1. Vers(1727)

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Vertheidigt euch, wie ihr nur könnt,
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Zur Eifersucht gewöhnte Geister.
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Eur Aug und Sinn ist doch verblendt,
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Ihr seyd nicht von euch selbsten Meister.
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Wie? laßt ihr euch ein rauschend Blat
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In Furcht und in Bewegung jagen?
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Und wenn sichs kaum gereget hat,
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So wollet ihr schon gar verzagen?

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Schämt euch, die Welt lacht eurer nur,
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Und spricht: Es sey ihr nichts verhaßter,
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Als eine solche Creatur,
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Ein Knecht von diesem schnöden Laster.
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Warum? der Eifer, der auch kann
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Den schönsten Ganymed verstellen,
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Macht, schaut man euch dabey nur an,
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Euch zu den Furien der Höllen.

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Verhüllet dieses Laster nicht
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Mit einem Vorhang zarter Liebe;
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Denn stellet man es an das Licht,
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So sinds des Argwohns schwarze Triebe.
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Ihr meynt, wenn ihr in Spiegel blickt,
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Als wüchs euch was aus eurer Stirne;
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Die Phantasie die euch berückt,
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Erregt dies Blendwerk im Gehirne.

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Der Wahn betrügt euch allzusehr,
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Auf dessen seichten Grund ihr bauet,
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Der Argwohn siehet immer mehr,
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Als Janus mit vier Augen schauet.
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Und dennoch fehlt ihr insgemein,
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So scharf ihr hier und dahin blitzet,
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Weil euch nur bloß der falsche Schein
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Von des Actäons Kopf erhitzet.

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Quält euch doch nicht durch solche Sucht,
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Und schonet eures armen Lebens.
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Jagt alle Sorgen in die Flucht,
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Denn sie sind wahrlich ganz vergebens.
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Ihr freßt euch selber vor Verdruß;
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Das Herz, wie dort mit scharfen Zungen
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Die Leber jenes Tityus
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Von Plutons Geyern ward verschlungen.

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Seht mir nur diesen Kranken an,
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Der einem blossen Schatten gleichet;
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Und kaum noch Athem holen kann;
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Hört, wie er krächzt, wie stark er keuchet.
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Was ists, das ihn so mürbe macht,
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Und die Gestalt ganz umgekehret?
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Die Eyfersucht hat Tag und Nacht
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Ihm Mark und Kraft und Blut verzehret.

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Und warum nährt er seine Wuth,
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Und kürzet sich sein junges Leben?
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Denn seiner Phyllis redlich Blut
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Kann wohl hierzu nicht Anlaß geben.
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Was bläst ihm denn den Eifer ein?
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Nur dies; sie weis in allen Fällen
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Und gegen jeden insgemein
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Sich höflich und beliebt zu stellen.

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Hier stehet ein verliebter Tropf
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In tausendfachen Furcht und Sorgen,
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Er setzt sich Grillen in den Kopf,
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Und sinnt vom Abend biß zum Morgen.
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Doch weil er Hüter ausgestellt,
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Der Schönen Zimmer zu bewachen,
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So kann kein Mars der ihr gefällt,
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Ihn, wie dort den Vulcan verlachen.

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Schaut, wie ein andrer lauscht und spürt,
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So oft er, doch mit schwerem Herzen,
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Sein Weib in fremde Reyhen führt;
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Wagt euch ja nicht mit ihr zu scherzen.
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Er sucht sie sonst mit strenger Hand
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In einen Keficht einzuschliessen,
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Dies bringt ihn schon in Zorn und Brand,
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Wenn man will seine Phyllis grüssen.

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Der Drache weicht nicht von dem Vließ,
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Hier muß ein dreister Jason fliehen;
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In Zukunft wird er ganz gewiß
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Gar eine Decke vor sie ziehen.
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Betrübte Phyllis! die allhier
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Das Schicksal gar zu hart will betten!
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Die Welt erblickt fürwahr in dir
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Andromeden in Band und Ketten.

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Setzt nur bey selbst gehäufter Quaal
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In euren Kopf euch Falkenaugen,
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Borgt von den Luchsen Blick und Strahl,
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Die Aufsicht wird hier wenig taugen.
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Wohnt einer Frau nicht Tugend bey
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So wird sie doch nach andern blicken,
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Und bey versprochner Lieb und Treu
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Dem Fremden Händ und Lippen drücken.

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Kann es dem Argus, der zugleich
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Doch hundert Augen hegte, fehlen,
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Indem er durch Mercurens Streich,
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Sich die vertraute Kuh ließ stehlen;
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Elende Wächter! ach wie bald
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Wird euch nicht die Geliebte blenden;
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Reißt ihr die Wollust mit Gewalt
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Der Tugend Vorschrift aus den Händen.

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Ihr eyfert, wo ihr geht und steht,
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Und habt euch doch nichts zu befahren.
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Seht, wie euch Zorn und Argwohn bleht,
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Könnt ihr nicht alles hüten sparen?
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Was habt ihr denn zuletzt davon?
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Dies, daß ihr Oel ins Feuer giesset,
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Und eure Frau dem Warnungsthon
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Vor Ekel Herz und Ohr verschliesset.

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Gesetzt, ihr bildet es euch ein,
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Und findet auch bisweilen Spuren,
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Als dräng zu eurer Schmach und Pein
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Ein andrer mit in eure Fluren;
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Schweigt, werdet ihr bey solchem Spiel
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Euch selber denn verachten wollen?
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Wer eyfert, schreibt mit eignem Kiel
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Sich mit in des Actäons Rollen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christiana Mariana von Ziegler
(16951760)

* 28.06.1695 in Leipzig, † 01.05.1760 in Frankfurt (Oder)

weiblich, geb. Ziegler

deutsche Schriftstellerin

(Aus: Wikidata.org)

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