Was ist es, misvergnügter Geist

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Christiana Mariana von Ziegler: Was ist es, misvergnügter Geist Titel entspricht 1. Vers(1727)

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Was ist es, misvergnügter Geist,
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Das deinen Kummer täglich mehret,
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Und die Zufriedenheit entreißt,
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Und deiner Seelen Ruhe störet?
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Hältst du das Haupt darum gestützt,
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Weil Haß und Neid die Pfeile spitzt?
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Wie? wird dein Geist dadurch gerühret?
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Ach! fürchte nicht dergleichen Brut,
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Wo bleibt der starke Heldenmuth,
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Der die gesetzten Seelen zieret?

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Ists möglich, das der schele Neid,
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Vor dem nur schwache Geister zittern,
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Dir ebenfals wie jenen dräut,
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Und deine Großmuth, will erschüttern?
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Bethörter! gieb die Sorgen an,
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Weil Zorn und Misgunst niemals kann
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Der Jugend reines Kleid beflecken.
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Sucht er auch unsre Fehler auf,
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So geben wir nicht Achtung drauf:
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Sein Schmähen muß uns nicht erschrecken.

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Auf! rüste dich, bestrittner Geist!
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Willst du ihm denn die Freude gönnen,
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Daß er dich gar zu Boden schmeißt?
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Soll man dich da wohl weise nennen?
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So wenig als der Wellen Wuth
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Den harten Felsen Schaden thut,
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So stark sie vielmals toben, krachen,
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So wenig kann die Schlangenart,
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Die sich mit Zerbers Rachen paart,
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Ein männlich Herze schüchtern machen.

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Wer blöd und niederträchtig ist,
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Und sich nicht aus dem Staub will wagen,
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Läßt sich nur, weil er sich vergißt,
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Von diesem Feind im Harnisch jagen,
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Er bebt, so bald der hagre Geist
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Ihm seine gelben Zähne weist,
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Und sucht aus Furcht sich zu verstecken,
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Ein Weiser aber hört in Ruh
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Der Drohung ganz gelassen zu,
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Wenn ihn die Misgunst meynt zu schrecken.

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Warum? dies dürre Knochenbild
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Giebt selber schimpflich zu verstehen,
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Wie wenig es bey denen gilt,
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Die sich durch Tugenden erhöhen.
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Je heftiger er auf sie schilt,
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Und seinen Muth mit Lästern kühlt,
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Je mehr verräth er seine Blösse;
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Er fände nie Gelegenheit,
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Wofern, was er mit Gift bestreut,
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Er selber in der That besässe.

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Die Brust worinnen Klugheit wohnt,
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Wird still und unempfindlich bleiben,
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Wenn gleich der Neid, der nichts verschont,
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Sich sucht an selbiger zu reiben.
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Des Weisen Herze muß aus Stein,
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Aus Marmor selbst gebildet seyn,
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Wovon die Pfeile rückwerts prallen.
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So viel er deren auch erblickt,
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So steht er dennoch unverrückt,
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Und sieht sie kraftlos niederfallen.

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Bespiegle dich, und stelle dir
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Der alten Weisen edles Wesen
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Mein Geist! zum steten Muster für;
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Ihr Heldenmuth war auserlesen.
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Sie zeigten, wie vernünftig man
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Durch Großmuth triumphiren kann;
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Wie man den Neid muß schamroth machen,
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Wenn wir bey seinem Fluch und Gift
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Der uns zwar droht, doch niemals trifft,
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Gelassen und verächtlich lachen.

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Ein Weiser Cato regt sich nicht.
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So stark ihn auch die Feinde schmähen.
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Hör nur, was hier ein Heyde spricht:
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Er meynt, ihm wäre nichts geschehen.
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Sieht Socrates mit hohem Sinn
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Nicht ruhig nach der Bühne hin,
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Wo Aristophanes im Spielen
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Die Tugend, und in der auch ihn
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Recht spöttisch suchte durchzuziehn,
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Um seinen Muth an ihm zu kühlen?

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Ihr Helden, die ihr jenes Feld
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Wo Mavors seine Schaaren zehlet,
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Und sie zum Kampf und Fechten stellt,
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Zu eurer Ehrenbahn erwehlet;
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Die ihr das Schlachtschwerdt muthig schwingt,
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Wie Löwen in die Flügel dringt,
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Der Feinde Heer zum Fliehen treibet,
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Und wenn der meiste Theil gestreckt,
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Den Stahl nicht eher eingesteckt,
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Als bis die Wahlstatt euch verbleibet.

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Ihr siegt, und seyd der Lorbern wehrt,
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Man muß sie eurer Scheitel gönnen.
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Allein, der Sieg, den euer Schwerdt
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Erhält, ist nicht so groß zu nennen.
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Der ists, wo man sich selbst besiegt;
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Den Neid durch Großmuth überwiegt;
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Und ihn ganz still mit Fesseln bindet;
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Dies ist der allerschönste Zwang,
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Wodurch man, wagt er einen Gang,
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Ihn stürzt, und tapfer überwindet.

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Tobt, Neider! lästert, flucht, und schreyt,
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Verdoppelt Galle, Gift, und Geifer:
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Wenn ihr gesetzten Seelen dräut,
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So lachen sie zu eurem Eifer.
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Sie fühlen euren Stachel nicht,
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Sie sehn euch munter ins Gesicht
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Bey euren hönischen Geberden.
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Wißt, daß ein Weiser gar nicht kann,
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Und fielt ihr ihn auch rasend an,
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Beleidigt und geschmähet werden.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christiana Mariana von Ziegler
(16951760)

* 28.06.1695 in Leipzig, † 01.05.1760 in Frankfurt (Oder)

weiblich, geb. Ziegler

deutsche Schriftstellerin

(Aus: Wikidata.org)

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