13. Ode

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Christiana Mariana von Ziegler: 13. Ode (1727)

1
Die Kirche jauchzt; ihr Recht besteht,
2
Und ruht auf fest gestellten Gründen;
3
So weit die Macht der Deutschen geht
4
Kann sie die Sicherheit durch Schutz im Frieden finden.
5
Die Zwietracht weicht der Einigkeit,
6
Es flieht der Haß der alten Zeit
7
Und darf sich weiter nicht in diese Grenzen wagen.
8
Der hohen Stände Freundschaftsband
9
Vereinigt Herzen Mund und Hand,
10
Ein solches Ungeheur ins Elend zu verjagen.

11
Wie grausam hat ihr wilder Arm
12
Des Höchsten Heiligthum zerstöret!
13
Wie hat nicht Unglück, Gram und Harm
14
Durch sie der Unschuld Quaal erwecket und vermehret!
15
Sie suchte Blut, und nicht die Schuld,
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Und hatte sonsten nicht Geduld
17
Als nur die Noth zu sehn so die Bedrängten drückte.
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Sie nährte Nattern in der Brust,
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Und brachte der verdammten Lust
20
Das Opfer ihres Zorns, der sich zur Rache schickte.

21
Je mehr die Wuth verderbt und schlägt,
22
Je mehr gewöhnt sie sich zum Würgen:
23
Je weiter sie die Waffen trägt,
24
Je mehr verschmähet sie die sichern Friedensbürgen.
25
Sie wünscht der Unschuld Untergang;
26
Und ihr wird keine Zeit zu lang
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Das ausgezogne Schwerdt auf ihren Hals zu wetzen.
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Sie bläst die matten Funken auf,
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Und denkt, und sinnet nur darauf,
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Den angefachten Brand in volle Gluth zu setzen.

31
Wie Sturm und Wind die Wolken treibt,
32
Ein schweres Wetter aufzuthürmen;
33
Wobey die Welt in Sorgen bleibt
34
Sich wieder seinen Strahl mit Vorsicht zu beschirmen:
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Der schnelle Blitz hernieder fährt;
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Und hier und dort ein Haus verzehrt,
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Das sonst die Zeiten trotzt und die Gewalt verschmähet;
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Und wenn dies kaum getilget ist,
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Sein Schwefelfluß ein neues frißt,
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Daß ein erschrocknes Volk bey Gott um Beystand flehet:

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So hat die Zwietracht auch gethan,
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Und manches Fürsten Blut erhitzet;
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Und wie sie tapfer lügen kann,
44
Durch dieses Schlangengift den Redlichsten beschmitzet.
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Man bricht mit ganzen Heeren ein,
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Die Wahrheit soll vertilget seyn:
47
Man soll durch Tod und Staub ihr frey Bekänntniß büssen.
48
Die Raserey bewaffnet sich,
49
Und hilft der Bosheit ritterlich,
50
Und will von Gnade nichts, nichts von Erbarmen wissen.

51
Was hat die Gluthen angeflammt?
52
Was hat den frechen Zorn gereizet?
53
Wer sagt, woher dies Unglück stammt?
54
Warum man hier so sehr nach Menschenblute geizet?
55
Sind Reich und Freyheit denn in Noth?
56
Wem wird ein schwerer Fall gedroht?
57
Wer will den Kayserthron zu Grund und Boden stürzen?
58
Beschimpft man Gottes Majestet,
59
Daß man so scharf zu Werke geht;
60
Und darin Ehre sucht, das Leben zu verkürzen?

61
Ein schwacher Mönch entdeckt ein Licht;
62
Sein Geist wird dadurch aufgekläret;
63
Er folgt ihm und verschweigt es nicht,
64
Und zeiget es der Welt, was er dadurch erfähret.
65
Die Salbe die sein Lehrstuhl gab,
66
Treibt vieler Augen Schuppen ab,
67
Wodurch das arme Volk so lange blind gewesen.
68
Er weiset die Betrügerey,
69
Und was das beste Mittel sey
70
Von seiner Seelen Noth vollkommen zu genesen.

71
So sehr der Tag den Wandersmann
72
Der in der Irre fehl gegangen,
73
Ermuntern und vergnügen kann,
74
Wenn er sein neues Licht durch Titans Glanz empfangen;
75
So sehr nahm dieser helle Schein
76
Des Volkes finstre Seelen ein,
77
Und trieb sie kräftig an, den Irrthum zu verlassen.
78
Ein jeder ward dadurch gerührt,
79
Und von der Wahrheit überführt,
80
Daß er verbunden sey die Finsterniß zu hassen.

81
Wer macht sich auf? wen seh ich dort?
82
Mit wem, warum, wie will er kämpfen?
83
Wer schickt den Held? der kalte Nord,
84
Die Hitze soll er hier in den Verfolgern dämpfen.
85
Er kommt zum Streit, und fällt er schon,
86
So bleibt ihm doch die Siegeskron
87
Und uns durch seinen Tod die Freyheit und das Leben.
88
Sein Sterben rächt so mancher Held
89
Der sich auf seine Seite stellt,
90
Und vor der Länder Wohl sich selber hingegeben.

91
Doch wird man einst des Mordens satt,
92
Und durch das lange Streiten müde,
93
Und was man sonst verworfen hat,
94
Daran gedenkt man itzt; das Absehn ist der Friede.
95
Man eilt von allen Orten zu,
96
Und sinnt auf die gemeine Ruh,
97
Und will der Streitigkeit gemessne Schranken setzen.
98
In Münster und in Osnabrück,
99
Befestigt man des Reiches Glück,
100
Und weis der Deutschen Ruh nach ihrem Werth zu schätzen.

101
Die Weisheit nimmt den Vorsitz ein
102
In diesem hohen Staatsgerichte,
103
Und macht der Arglist falschen Schein
104
Durch Einsicht und Verstand für aller Welt zunichte.
105
Sie setzet, ordnet, und bestimmt,
106
Sie löscht das Feuer das noch glimmt,
107
Und übergiebt die Schuld dem ewigen Vergessen.
108
Hier wird durch kluger Männer Rath
109
Die Sicherheit vor jeden Staat,
110
Und das erkannte Recht vernünftig abgemessen.

111
O Deutschland fürchte dich nicht mehr!
112
Die Zanksucht hat die Kraft verlohren,
113
Sie bebt bereits und zittert sehr,
114
Und hört das Friedenswort, so ihr den Tod geschworen.
115
Die Vorsicht reicht dir ihren Schild;
116
Die schützt dich mehr als jenes Bild
117
Das Rom so lange Zeit zum Wunder aufgehoben.
118
Die Kirche wird nicht mehr gedrückt,
119
Kein Grenzstein durch Gewalt verrückt,
120
Und aller Neuerung ein Riegel vorgeschoben.

121
Was blendet mich denn für ein Strahl
122
Von Prachterfüllten Kostbarkeiten?
123
Ist dieses nicht der Göttersaal
124
Wo Recht und Billigkeit den Urtheilsspruch bereiten?
125
Wer ists, von dessen treuer Hand
126
Die Schätze die er vor sich fand
127
Gesammelt und der Welt itzt dargeleget werden?
128
Wer hat doch hier ans Licht gebracht
129
Was dort die Weisheit ausgedacht,
130
Zur Ruhe vor das Land, zur Tilgung der Beschwerden?

131
Ein Mann, den Herz, Verstand, und Kraft
132
Den Deutschen Kindern vorgezogen:
133
Ein Mann, dem Witz und Wissenschaft
134
Mit schwerer Ueberwucht sein Antheil zugewogen.
135
Ein Mann, der Deutschlands Ehre liebt,
136
Und wenn er sich auch Mühe giebt
137
Sonst keinen Lohn verlangt, als den die Tugend bringet;
138
Ein Mann, bey dem der strenge Fleiß
139
Von keinen Ruhestunden weis,
140
Der keiner Arbeit schont, durch die sein Werk gelinget.

141
Nun kommt und seht was für ein Glanz
142
Das auserlesne Kleinod zieret
143
Sein schöner Schmuck entzückt uns ganz,
144
Und zeigt die Großmuth an, die Meierns Sinne rühret.
145
Hier herrscht Geschmack, Vernunft und Kunst,
146
Nicht leerer Wörter eitler Dunst,
147
Nein.
148
Denn weil er nie dem Neide weicht,
149
Kann er ein Werk dem keines gleicht,
150
Und sich dadurch zugleich ein ewig Denkmal stiften.

151
Ganz Deutschland siehts, und wird entzückt,
152
Bewundert des von Meiern Gaben;
153
Und rühmet was es hier erblickt,
154
Und sucht sein wahres Lob in Erz und Stahl zu graben.
155
Wo lebt ein solcher Deutscher Sohn
156
Der seiner schweren Arbeit Lohn
157
Nur in der Nutzbarkeit vor viele Länder findet?
158
Vor einen solchen grossen Sinn
159
Gehört der trefflichste Gewinn,
160
Und daß ein ganzes Volk ihm Ehrenkränze windet.

161
Wie wird mir? was bezaubert mich?
162
Wer öffnet die verschlossnen Grüfte?
163
Welch ein Gesicht bethöret mich
164
Vielleicht ist es ein Bild der dickgemachten Lüfte?
165
Nein, nein, es ist der theure Mann,
166
Adami, der so viel gethan,
167
Daß Kayser, Fürst und Reich nach Fried und Ruhe streben.
168
Er geht durch Meierns Kraft herfür:
169
Verläßt den Staub, und zeigt sich hier,
170
Und fängt nach langer Zeit nun wieder an zu leben.

171
Willkommen Ehrenwehrtes Haupt,
172
Du Schutzgott der bedrängten Sache.
173
Der Neid hat Deinen Ruhm geraubt
174
Damit die Nachwelt noch zu Deiner Ehre wache.
175
Dein redliches und Deutsches Blut
176
Gilt mehr als wohl dein Bischofshut,
177
Den deine Frömmigkeit und Sorgenlast verdiente.
178
Du wiederstandest der Gefahr
179
Die Dir nur überwindlich war,
180
Indem durch deine Kraft des Friedens Oelzweig grünte.

181
Ein Held an Muth, ein Gott an Rath,
182
Das bist Du grosser Mann gewesen,
183
Ein Heyland vor so manchen Staat,
184
Weil dessen krankes Glück, durch Deine Kunst genesen.
185
Was Du sonst sprachst, das galt sehr viel,
186
Der Länder Wohlfahrt war das Ziel
187
Der treu gesinneten und Weisheitsvollen Sprüche.
188
So viel man Klugheit und Verstand
189
Bey jenen grossen Männern fand,
190
So wagt es keiner doch, daß er sich Dir vergliche.

191
Wohin verschwindet das Gesicht?
192
Was hindert mich, ihn mehr zu preisen?
193
Mein schwacher Kiel vermag es nicht
194
So viel als er verdient, ihm Ehre zu erweisen.
195
Er wird von seinen Banden los,
196
Durch den berühmten Meiern groß,
197
Daß die Vergessenheit von seinem Namen weichet.
198
Die Großmuth, beyder Eigenthum,
199
Verewigt den erworbnen Ruhm
200
Durch diese hat er auch den höchsten Grad erreichet.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christiana Mariana von Ziegler
(16951760)

* 28.06.1695 in Leipzig, † 01.05.1760 in Frankfurt (Oder)

weiblich, geb. Ziegler

deutsche Schriftstellerin

(Aus: Wikidata.org)

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