Nein, Musen! laßt nur dieses mal

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Christiana Mariana von Ziegler: Nein, Musen! laßt nur dieses mal Titel entspricht 1. Vers(1727)

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Nein, Musen! laßt nur dieses mal
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Mich nicht den matten Kiel ergreifen,
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Ich weis, ihr werdet meine Quaal
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Und meinen Schmerz unfehlbar häufen.
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Den Schmerz, den meine Seele spührt,
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Und der mich so empfindlich rührt,
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Weil eine Post, die man kaum glaubet,
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Mir und auch unsrer ganzen Stadt,
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Die sie zugleich erschüttert hat,
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Für Schrecken, Muth und Geist geraubet.

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Ihr wißt, wie willig und bereit,
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So schlecht es auch der Welt geklungen,
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Auf euren Wink ich allezeit
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Sonst in mein Seitenspiel gesungen.
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Heut aber laßt mich nur in Ruh,
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Und muthet mir nicht weiter zu,
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Daß ich bey allgemeinen Klagen
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Zu einer grossen Fürstinn Gruft,
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Zu der ihr mich so eifrig ruft,
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Soll meine heisre Flöte tragen.

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Wiewohl ich muß euch selbst gestehn,
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Wenn ich die Pflicht itzt unterliesse,
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Würd ich nicht eurem Zorn entgehn,
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Weil er mein Schweigen strafbar hiesse.
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Der Schmerz hebt bey der Thränen Lauf
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Doch nicht die wahre Ehrfurcht auf;
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Wir dürfen traurige Cypressen,
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So gern wir sonst auf unserm Hayn
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Mit Lust die Lorberblätter streun,
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Dabey zu sammlen nicht vergessen.

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Du wirst den letzten Dienst von mir,
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Mehr, als gerecht, O, Fürstin nennen;
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O! möchte doch mein Opfer Dir
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Bis auf die spätsten Zeiten brennen!
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Ach Schicksal! dessen hartem Schluß
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Ich mich itzt unterwerfen muß!
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Was ist betrübters zu erdenken,
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Als daß die Fürstin uns verläßt!
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O Kummer der die Seele preßt!
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Was reicht wohl an so herbes Kränken!

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Wie? bleicht der Tod den Purpur schon,
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Der jüngst noch unsre Linden zierte?
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Steigt die so schnell vom Fürstenthron,
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Die aller Herz und Augen rührte!
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Soll ich, da dieser Riß geschehn,
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Die Herzogin nicht wieder sehn,
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Die so viel Huld und Gnadenzeichen
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Mir und auch andern blicken ließ?
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Und deren Trefflichkeit gewiß
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Nichts auf der Welt steht zu vergleichen.

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O Jammer! daß das Schicksal nicht
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Die Götter dieser Welt verschonet,
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Und über die den Stab auch bricht,
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In welchen so viel Tugend wohnet.
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Es sollte, dürfte ja der Tod
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Der allem Fleisch mit Würgen droht,
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Dies ihrer Hoheit nicht verstatten;
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Doch billig ihnen ganz allein
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Ein solches Alter eigen seyn,
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Als dort die ersten Menschen hatten.

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Dein neues Beyspiel, leider! muß
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Die Welt, verstirnte Fürstin, lehren,
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Es sey der festgesetzte Schluß
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Durch unsern Wunsch nicht umzukehren.
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Drum klaget man itzt überall
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Bey dem so unverhofften Fall,
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Daß Dir bey noch so frühen Zeiten
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Des Himmels allzustrenge Hand
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Aus Deinem Fürstlichen Gewand
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Das Sterbekleid will zubereiten.

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Hier wird in Sachsens Fürstengruft
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Ein solches Wunderbild geleget,
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Dabey die Tugend kläglich ruft,
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Daß man es schon von hinnen träget.
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Kommt! die ihr euch erhaben zeigt,
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Und aus der Fürstin Lenden steigt,
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Bespiegelt euch an ihren Gaben:
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Stellt euch ihr edles Leben dar,
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Nehmt die Vollkommenheiten wahr,
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Die wir so oft bewundert haben.

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Ihr Geist den Sie von Jugend auf
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Dem Himmel recht inbrünstig weyhte,
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Sah unabläßig nur darauf,
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Wie Sie der Andacht Weyrauch streute.
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Er ließ die Herrlichkeit der Welt,
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Die viele doch gefesselt hält,
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Sich nicht verblenden noch bestricken:
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Er bliebe jenem stets getreu,
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Ob gleich ihr hoher Stand dabey
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Sie hieß zugleich auf diese blicken.

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Allein was hilft uns alles dies,
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Daß wir an Werth und Hoheit denken?
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So viel, daß wir uns ganz gewiß
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Bey dem Verlust noch länger kränken.
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Doch, was Verlust? Ihr hoher Glanz
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Verbirget sich mit ihr nicht ganz,
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Die Nachwelt wird ihn noch einst spüren:
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Und hohe Frauen, welche man
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Wie Sie, Durchlauchtig, nennen kann
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Wird er zur Tugend Tempel führen.

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Ihr, welche Pflicht, und Ehrfurcht ruft,
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Ein ewig Dankmal aufzuführen,
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Bemühet euch nicht, ihre Gruft
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Mit hellen Ampeln auszuzieren,
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Denn ihrer Tugend lichter Schein
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Muß mehr als tausend Lampen seyn,
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Gnug; wenn die Nachwelt noch wird lesen,
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Sie sey durch ihre Trefflichkeit
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Ein Wunder, nicht nur ihrer Zeit
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Nein, auch der folgenden gewesen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christiana Mariana von Ziegler
(16951760)

* 28.06.1695 in Leipzig, † 01.05.1760 in Frankfurt (Oder)

weiblich, geb. Ziegler

deutsche Schriftstellerin

(Aus: Wikidata.org)

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