Wenn Sonn und Licht am Himmel steigt

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Christiana Mariana von Ziegler: Wenn Sonn und Licht am Himmel steigt Titel entspricht 1. Vers(1727)

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Wenn Sonn und Licht am Himmel steigt,
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Und sich durch lange Tage zeigt,
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So jauchzt die Welt bey diesem Glücke.
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Ihr Feuer wärmet Berg und Thal;
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Man spürt und preiset überall
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Die Wirkungen der frohen Blicke.
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Was sich nur regt, das wird belebt,
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Daß es der Noth vergißt, und Haupt und Herz erhebt.

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Jedoch, wenn sich ihr Wirbel senkt,
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Und seinen Lauf hinabwerts lenkt,
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Und Nacht und Schatten nach sich ziehet;
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Wenn nun der Horizont erblaßt,
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Und ihren Strahl nicht weiter faßt,
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Und sich von ihr verlassen siehet;
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So steht das Land betrübt und matt,
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Indem es Muth und Glanz mit ihr verlohren hat.

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So war, O Herr! dein Volk vergnügt
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Als seine Hoffnung obgesiegt,
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Und Du, sein Glücksstern, aufgegangen.
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Es fieng ein jeder Unterthan
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Sein Leben wie von neuem an,
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Weil er von Dir die Kraft empfangen.
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Der Unmuth fiel, die Freude stieg,
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Der muste treuloß seyn, der seine Lust verschwieg.

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Dein Abschied ändert sein Gesicht,
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Aus welchem Gram und Kummer bricht,
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Die wahren Zeugen seiner Treue.
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Sein kläglicher, sein zarter Blick
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Ruft dich, o Vater, noch zurück,
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Daß sich sein erster Trost verneue.
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Doch du must unerbittlich seyn,
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Dein Reich verlangt Dich auch. Du stellst Dich wieder ein.

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Die Reise bleibt nun fest gestellt,
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Das Land so diese Post erhält,
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Empfindet die verborgnen Schmerzen.
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Der König eilt, man sieht Ihm nach,
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Und dieses preßt ein bitter Ach
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Aus der getreuen Diener Herzen.
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Die Traurigkeit verstopft den Mund
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Und macht das innre Leid durch milde Thränen kund.

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Wer macht die Bahn? wer ist um Dich?
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Wer geht mit Dir? wer rüstet sich,
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Und giebt Dir, König, das Geleite?
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Dein ganzes Chur- und Fürstenthum,
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Der besten Unterthanen Ruhm
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Ist Dir durch seinen Wunsch zur Seite,
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Es will dem Unglück wiederstehn,
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Und überall vor Dir zu deinem Schutze gehn.

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Beglückter Fürst, der so regiert,
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Daß er durch Huld die Herzen rührt,
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Und sie durch gnädig seyn verpflichtet!
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Du ziehst sie mit ins Schiff hinein,
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Und jedes will das erste seyn
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Das seinen Wunsch zum Himmel richtet.
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Die schwarzen Wolken theilen sich,
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Der König segelt fort, nichts sey ihm hinderlich.

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Doch Himmel! was für eine Wut!
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Vor Furcht erstarrt das rege Blut,
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Wer kan dem Sturm entgegen sehen?
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Die Welle drückt sie in den Grund;
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Das Schiff verläßt den tiefen Schlund,
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Sich auf der See herum zu drehen.
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Hier schwimmen Segel, Mast und Tau,
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Wer weis, wie bald ich auch die todten Körper schau?

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Dort steigt ein Wasserberg herfür:
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Das bange Herze bebet mir,
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Er will sie in das Meer begraben.
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Der Todesschweiß bricht allen aus:
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Man soll dies ungepfälte Haus
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Zum Sterbebett und Sarge haben.
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Hier hilft kein Mensch, nur Gott allein:
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Wo dieser schlafen will, wem soll geholfen seyn?

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Wo ist der König? lebt er noch?
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Du Herr der Welt, erhör uns doch,
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Und laß sich Wind und Wellen legen!
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Wird uns die Gnade nicht zutheil,
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So laß dich doch das grosse Heil
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Der Kirchen und des Staats bewegen!
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Laß sehn wie gnädig deine Macht
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Vor deiner Gottheit Bild, vor den Gesalbten wacht!

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Wer ist es? wer bemüht sich dort?
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Wer sucht so eifrig Land und Port,
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Um seinen König zu erretten?
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Ein Seegott, den die Kunst erhöht,
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Wie man den Meeren wiedersteht,
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Auch wenn sie sich verschworen hätten.
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Ein Mann, den jeder der ihn kennt,
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Den menschlichen Neptun der grossen Britten nennt.

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Getrost! Nur fort! das Werk gelingt,
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Wir sind erhört, die Vorsicht winkt,
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Das Schiff ist der Gefahr entschwommen.
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Bald steigt der König an das Land,
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Und hat Er sich auch umgewandt,
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So ist Er dennoch hier willkommen.
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Ein jeder freut sich, der Ihn sieht,
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Und lobt des Himmels Schutz durch ein Verehrungslied.

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Ihr, die ihr Gott bekämpfen könnt,
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Daß er euch seine Gnade gönnt,
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Ermüdet nicht, ihn anzuflehen.
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Verkürzt dadurch den Schmerz zugleich,
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Womit Gemahlin, Volk und Reich
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Des Königs Schiff entgegen sehen.
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Wohl uns! ihr treibts dem Ufer nah.
104
Das ganze Land erschallt: Nun ist der König da.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christiana Mariana von Ziegler
(16951760)

* 28.06.1695 in Leipzig, † 01.05.1760 in Frankfurt (Oder)

weiblich, geb. Ziegler

deutsche Schriftstellerin

(Aus: Wikidata.org)

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