Geliebte Magdalis, Annehmlichste der Erden

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Christiana Mariana von Ziegler: Geliebte Magdalis, Annehmlichste der Erden Titel entspricht 1. Vers(1727)

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Geliebte Magdalis, Annehmlichste der Erden,
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Verschmähe nicht mein Blat, das dir die Hände küst.
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Ich weiß, daß du nicht kanst entrüstet drüber werden
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Weil jeder, der dich sieht, nicht mehr sein eigen ist.
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Betrachtet man an dir die Rosen-schwangern Wangen,
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Der Lippen Purpur-Schein, der Augen Majestät,
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So wird ein Rieß und Held gefesselt und gefangen;
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Was Wunder? wann es so dem schwachen Crito geht.
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Mein Hertze liegt so hart, als Fuß und Hand, geschlossen,
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Mich drückt ein hartes Joch, die Freyheit ist dahin.
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Dein Strahl ist gar zu tieff in Marck und Blut geschossen,
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Ich geh als wie in Traum, und weiß nicht wo ich bin.
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Dein Wesen, das man muß gar unvergleichlich nennen,
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Und deine Seltenheit hat mich so starck gerührt,
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Daß man, ich kan es selbst nicht sonder Scham bekennen,
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Gar nichts mehr menschliches an deinen Knecht verspührt.
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Hast du nun, Engels-Kind, mir alles diß entrissen,
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Was uns zum Menschen macht, so will ich auch nunmehr
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Nichts mehr vom Uberrest, der mir verblieben, wissen;
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Nimm alles vollends hin und gib mir nur Gehör.
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Ich schwöre, daß mein Hertz von dir wird nimmer wancken,
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Dein Bild bleibt meiner Brust auf ewig eingeprägt,
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Denn Crito opfert dir, Geist, Sinnen, und Gedancken,
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So lange biß man ihn zu den Erblaßten legt.
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Du kanst nicht, Magdalis, auf mein Beginnen fluchen,
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Weil selbiges von nichts, als deiner Schönheit stammt,
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Und wirst vorhero wohl den Fehler untersuchen,
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Eh mich dein schöner Mund aus Ungedult verdammt.
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Mein Geist muß zwischen Furcht und Hofnung leider! schweben,
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Mein Engel, schreibe doch, ertheile mir Bericht,
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Was ich mir Armen soll hierauf zur Antwort geben,
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Und ob mir Magdalis ein gnädig Urtheil spricht.
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Erschreck mich, Schönste, nicht durch widriges Bezeigen,
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Denn soltst du gegen mich etwan tyrannisch seyn,
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So wirst du deinen Knecht mehr als empfindlich beugen,
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Du stürtzest vor der Zeit mich in die Grufft hinein.
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Die Grausamkeit kan nicht so schöne Seelen kleiden,
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Die Großmuth heist vor sie die schönste Liberey.
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Laß deinen Crito nicht so lange Marter leiden,
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Ach! mache selbigen von Band und Fesseln frey.
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Es hat zwar die Natur dich, als ein Meister-Stücke,
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Aus zarten Marmor-Stein und Elfenbein geschnitzt;
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Doch glaub ich, daß ein Hertz, und diß zu meinen Glücke,
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In deiner Schwahnen-Brust von zarten Fleische sitzt.
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Verwirrte Zeilen geht, schmiegt euch zu ihren Füssen,
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Um die sich Crito schon aus Demuth wind und flicht;
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Die Sehnsucht heisset mich, erlesner Engel, schliessen,
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Ich schliesse zwar den Brief, doch meine Hoffnung nicht.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christiana Mariana von Ziegler
(16951760)

* 28.06.1695 in Leipzig, † 01.05.1760 in Frankfurt (Oder)

weiblich, geb. Ziegler

deutsche Schriftstellerin

(Aus: Wikidata.org)

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